Ein echt Fuldisches Weihnachtsgeschenk

Aufreger Schlossturmhaube: Zwölf "Verbesserungsvorschläge" als Kalender

Gestaltungsvorschläge für die umstrittene "Stadtkrone"?
Fotos: Rene Kunze

14.12.2024 / FULDA - Die öffentliche und mediale Aufregung um den jetzt bekrönten und nächtlich beleuchteten Schlossturm hat sich mittlerweile etwas gelegt - offenbar ist der vom Stadtbaurat prophezeite Gewöhnungseffekt tatsächlich eingetreten. Doch die Haube - gern auch als Riesenspinne, Krake oder Kralle verballhornt - beschäftigt die Gemüter etlicher Einheimischer nach wie vor und inspiriert so manchen zu eigener Kreativität.


Dass der bis dahin "geköpfte Turm" mit "Stadtkrone" eine Renaissance erlebt und Fulda eine ganz neue Silhouette verschafft, die die Herzen der Lokalpatrioten erfreut, war das erklärte Ziel. Die hitzige Debatte darüber, ob die Stahlkonstruktion künstlerisch und ästhetisch ein großer Wurf ist oder eher eine zweckfreie und teure Verunstaltung des Stadtschlosses, hatte seit September die Leserbriefschreiber und viele Kommentatoren in den sozialen Medien bestimmt. Wobei der überwiegende Teil derer, die sich kritisch, empört, hämisch oder abfällig über beabsichtigte Aufwertung der städtischen Sillouhette äußerten, keine Alternativen für eine andere Bekrönung vorschlugen, sondern ganz schlicht den "kopflosen" Zustand des Renaissanceturms zurückwünschten. Dabei war es ja die dezidierte Absicht des Initiators gewesen, ein fehlendes Element im Stadtprofil wiederherzustellen. "Dessen Wirkung für das Stadtbild – auch aus der Ferne - ist phänomenal", hatte er befunden. Doch Sehgewohnheiten sind langlebig und die Ambitionen der konservativen Bewohner, es solle bitte so aussehen wie in den letzten fünfhundert Jahren, vorherrschend.

So yummy ist Fulda

Dem überwiegend vernichtenden Urteil setzte das Fuldaer Tourismusmanagement im Herbst ein bestechendes Argument entgegen: Den Besuchern des Stadtschlosses mit zunächst leider noch eingerüstetem Turm wurde an der Kasse ein Tütchen mit Schaumzucker-Fruchtgummi-Kronen ausgehändigt. Der Aufdruck war Programm: "So yummy ist Fulda!" Die dort abgebildete Ansicht der Turmhaube war nicht ganz maßstabsgetreu und erinnerte entfernt an eine Nuckelflasche - doch der gute Gedanke zählte und war zielführend. "Der Anblick des Schlossturms mit dem neuen Aufsatz ist einfach märchenhaft!", schwärmte ein kronenlutschende Touristin.

Nachts beleuchtete "Schornstein-Haube"

Ein außergewöhnlicher Partygag krönt seit der letzten Geburtstagsparty einen Fuldaer Schornstein: ein Ebenbild der Schlossturmhaube, die Benedikt Höhne wegen des wochenlangen medialen Hypes fasziniert nachgebildet hat. "Das war eine echte Schnapsidee, die gar nicht so leicht umzusetzen war", erzählt er. Nach einer Fotovorlage fertigte er zunächst ein Modell aus Pappe - zwar erheblich kleiner und nicht tonnenschwer wie die Vorlage - aber maßstabsgetreu - und sogar nachts beleuchtet - ein echter Hingucker! Ist der 36-Jährige ein glühender Verehrer und echter Fan der Stahlkonstruktion auf dem Schlossturm? "Ich bin vor allem echter Fulda-Fan", sagt Höhne, der befindet: "Sie ist nun einmal da und wird auch bleiben, also müssen wir damit umgehen. Und gesteht: "Aber die Haube hat auch was!" Und den Hype um die Turmbekrönung bewertet er ebenfalls positiv - so bleibt Fulda im Gespräch.

Ironische Hommage als Kalender: "Ansichtssachen"

Eine ganz eigene Art, sich der kontrovers bewerteten "Stadtkrone" zu nähern, ist derzeit in der Rösterei Kaffeekultur in der Löherstraße zu sehen. Hier sind die vielfach zitierten Apostrophierungen Spinne, Kopfmassagegerät und Abrisskralle bildlich in Szene gesetzt und sorgen für Gelächter und Amüsement der Betrachter. Zwölf der respektlosen Montagen sind in der Rösterei auch als Wandkalender mit dem Titel "Ansichtssachen" zu erwerben, gehen weg wie warme Semmeln und eignen sich als originelles Weihnachtsgeschenk für "Fulda-wie-es-einmal-war-Liebhaber".

Die oder der Urheber der frechen Umgestaltungsentwürfe möchte anonym bleiben - womöglich, weil er oder sie dem Stadtbaurat zu wenig Humor oder Selbstkritik zutraut. Dabei hat der sich doch auch über die diesjährigen Fastnachtsorden der FKG in Haubenform amüsiert! (Carla Ihle-Becker)+++

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