Wertebasiertes Wirtschaften
Gut für Mensch und Natur: Antonius-Laden ist erstes Gemeinwohl-Unternehmen
Fotos: Albert Sunny
12.12.2024 / FULDA -
Gemeinwohl statt reiner Rendite: Das Fuldaer Antonius-Netzwerk betreibt einen Bio-Laden, der wertebasiert wirtschaftet. Menschen sollen hier faire Arbeitsplätze vorfinden, sinnvolle Lebensmittel kaufen und dadurch Klima und Umwelt schonen können. Doch gelingt das dem Bio-Fachgeschäft tatsächlich? Um das herauszufinden, hat sich der Betrieb vom Welt-Dachverband für Gemeinwohl-Ökonomie überprüfen lassen. Mit gutem Ergebnis und wertvollen Hinweisen für weitere Verbesserungen.
Ins Regal vom Antonius Laden schaffen es vornehmlich Produkte aus dem Antonius Netzwerk, also zum Beispiel Fleisch, Milch und Käse vom Hof in Haimbach, Gurken und Tomaten aus der Gemüsegärtnerei, Brot aus der Bäckerei oder Chutneys aus der Antonius Küche. Allesamt aus eigener inklusiver Produktion und Erzeugung. Ergänzt wird das Angebot um hochwertige regionale Produkte und renommierte Bio-Marken.
Neutrale Bewertung von Menschenwürde, Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Inklusiv, regional, nachhaltig: Das klingt sinnvoll und schlüssig – vor allem für bewusst einkaufende Kundinnen und Kunden. Doch fruchten die großen Anstrengungen des Laden-Teams in puncto Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung überhaupt? Wird ein ernstzunehmender Mehrwert für Mensch und Natur geschaffen? "Mit der Gemeinwohl-Bilanzierung möchten wir genau überprüfen, wie sich unser Handeln auf diese Werte auswirkt, und was wir noch verbessern können", sagt Carsten Flynn, der Leiter des Antonius Ladens.Basis ist ein Fragebogen, den Antonius gemeinsam mit Dr. Uta Anschütz vom Fachbereich Lebensmitteltechnologie der Hochschule Fulda, mit Jens Bode von der Regionalgruppe Gemeinwohl-Ökonomie Fulda und unter Beteiligung der Laden-Mitarbeitenden ausgefüllt hat. Dazu wurden diverse Workshops durchgeführt. Die Wirtschaftsförderung Region Fulda hat den Prozess initiiert und finanziell gefördert, etwa mit einem speziellen Digitaltool. Der Dachverband "International Federation for the Economy for the Common Good e.V." (Internationale Föderation für Gemeinwohl-Ökonomie e.V.) hat den daraus entstandenen 180-seitigen Bericht als neutrale Prüfstelle auditiert – auch bei einer Begehung und Gesprächen vor Ort.
Erstes Gemeinwohl-Unternehmen in der Region
Warum die Region Fulda Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH das Vorhaben unterstützt hat, erläutert Projektmanagerin Pia Groß: "Für uns ist die Frage, wie die Wirtschaft der Region sich zukünftig entwickelt, ein Kernthema. Das Projekt hat uns geholfen, hier Erfahrungen in der Praxis zu sammeln. In Zeiten von Fachkräftemangel und Lieferkettensorgfaltspflicht ist die Gemeinwohl-Ökonomie-Zertifizierung eine gute Antwort. GWÖ steht für ein neue Unternehmenskultur, für gerechte, soziale und wirtschaftliche Haltung auf Augenhöhe zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden. Konsumentinnen und Konsumenten können ebenso wie potentielle Mitarbeitende auf einen Blick erkennen, welche Unternehmenskultur gelebt wird. Deshalb haben die allermeisten GWÖ-zertifizierten Firmen auch keine Probleme, gutes Personal zu finden. In 2025 gehen wir übrigens in die zweite Pilotphase. Dafür suchen wir aktuell drei weitere Firmen, die eine GWÖ-Bilanz erstellen lassen möchten."
Projektpartnerin Dr. Uta Anschütz, die an einer Schnittstelle zwischen Antonius und der Hochschule Fulda tätig ist, ergänzt ihre Perspektive: "Als Hochschule sehen wir es als unsere Verantwortung, die Region auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit zu unterstützen. Die Gemeinwohlbilanzierung ist ein hervorragendes Instrument, um Unternehmen dabei zu helfen, ihre soziale und ökologische Verantwortung sichtbar zu machen und weiterzuentwickeln." (mau/pm) +++