Projekt "SeitenWechsel"
Mal die Perspektive wechseln: Bankfachleute arbeiten einen Tag bei Antonius mit
Fotos: Albert Sunny
05.12.2024 / FULDA -
Einen Stall ausmisten, mit jungen Autisten Schach spielen, eine Obstschale töpfern: Das Projekt "SeitenWechsel" ermöglicht es Mitarbeitenden von Unternehmen, einen Tag lang in den verschiedensten Bereichen vom Netzwerk Antonius mitzuarbeiten – und dabei den eigenen Blick auf das Thema Inklusion zu hinterfragen. Zu den "Wiederholungstätern" gehört die Direktbank ING Diba.
"Ich muss ehrlich sagen, dass ich mit Vorurteilen angereist bin", erzählt ein Mitarbeiter der ING Diba aus Frankfurt am Main, der zusammen mit 24 Kolleginnen und Kollegen einen Tag in den Betrieben von Antonius hospitiert hat. "Morgens habe ich noch so eine Mauer gespürt. Doch durch die persönlichen Begegnungen hat sich das über die Stunden total verändert – vor allem, weil die Menschen uns gegenüber so offen und direkt waren."
Große Herzlichkeit beim SeitenWechsel-Projekt
Ähnlich erging es den anderen Kolleginnen und Kollegen aus dem Team Risikomanagement der ING Diba. Viele berichteten von einer großen Herzlichkeit und davon, wie sich ihre Sichtweise auf Behinderung und Inklusion an diesem Tag ein Stück weit verändert hat. "Ich hätte nie damit gerechnet, an einer Schule für Jugendliche mit geistiger Behinderung echte Schach-Talente zu treffen", erzählt etwa ein Banker, der in der Arbeitsschule Startbahn mitgeholfen hat und selbst Schach spielt. "Ehrlicherweise wusste ich nicht einmal, dass es solche Einrichtungen überhaupt gibt, die junge Menschen mit Hemmnissen darauf vorbereiten, einen Beruf zu lernen. Dem gilt mein großer Respekt."Social Giving: Zusammenhalt und soziales Bewusstsein fördern
Die Idee hinter dem Mitmach-Tag: Firmen geben ihren Führungskräften, Mitarbeitenden oder Azubis die Gelegenheit, ihre Zeit und Arbeitskraft für eine gemeinnützige Einrichtung zu spenden und dabei neue Perspektiven zu gewinnen, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. Das ING Diba-Team hat sich schon im vergangenen Jahr an einem SeitenWechsel von Antonius beteiligt und damals gemeinsam an einem konkreten Projekt gearbeitet: der Gestaltung des Antonius Festwagens für den nächsten Rosenmontagsumzug."Ganz normale Betriebe"
Beim Evaluationsgespräch zeigten sich die Bankerinnen und Banker beeindruckt von den intensiven Erlebnissen und Begegnungen des Tages. Ein ING Diba-Mitarbeiter, der in der Schreinerei mitgearbeitet hat, beschrieb es so: "Meine große Erkenntnis ist: Jeder Mensch ist unterschiedlich, und in dieser Unterschiedlichkeit sind wieder alle gleich. Auch in der Schreinerei gibt es stille und laute, lustige und introvertierte Typen – wie überall eigentlich. Das Arbeiten fühlte sich also so an, wie in einer ganz normalen Schreinerei eben mit den unterschiedlichsten Menschen, und nicht speziell wie eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung." antonius Mitarbeiterin Aylin Jordan von der Abteilung Freunde & Förderer erklärt: "Genau das wollen wir sein: ganz normale Betriebe. Die Gesellschaft besteht nun einmal aus Menschen mit und ohne Behinderung und so gestalten sich auch unsere Arbeitsbereiche."Zum SeitenWechsel-Projekt erklärt Marek Saalfeld: "Viele Außenstehende fragen sich, wie es gelingt, dass Menschen mit und ohne Behinderungen – also mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen – auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Bei einem SeitenWechsel-Projekt können sie genau das live erleben, indem sie einen Tag lang Teil unserer besonderen Arbeitsgemeinschaft werden. Wir haben viele gute Ansätze, aber wir können Inklusion nicht alleine machen und brauchen Bürgerinnen und Bürger, die daran gemeinsam mit uns arbeiten. Solch ein Sozialprojekt ist hier oft ein guter Anfang und eine Bereicherung für alle Seiten." (pm)+++