"Weihnachtsimage schadet"
Weit mehr als zartes Engelinstrument: Moritz Dortmund baut klassische Harfen
Fotos: Marius Auth
08.12.2024 / HAUNETAL -
Adventszeit ist Harfenzeit: Spätestens wenn der erste Schnee fällt, klimpern die majestätischen Saiteninstrumente unverkennbar in Weihnachtsklassikern. In Haunetal-Kruspis (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) fertigt Harfenbauer Moritz Dortmund noch in Handarbeit, die Kunden kommen aus ganz Deutschland.
In der Schreinerwerkstatt im winzigen Kruspis brennt noch Licht. Im Regal liegen lange Bohlen, die auch noch eine Weile unberührt bleiben werden: Harfenbau braucht Zeit. Bis zu einem Jahr dauert es von der Bestellung bis zur Abholung des Wunschinstruments. Am Ende bekommen die Kunden eine komplett individuelle Harfe, die nicht nur auf Konzertbühnen, sondern auch im heimischen Wohnzimmer eine gute Figur macht.
Schreinerlehre als Grundlage
Das 100-Einwohner-Dörfchen Kruspis war schon vor 2021 in ganz Deutschland bekannt für handgefertigte Harfen: Albrecht Nüchter baute hier seine Instrumente, Dortmund übernahm die Werkstatt nach dessen Tod, zusammen mit vielen seiner Kunden. Denn Harfenkauf ist auch eine Entscheidung für den Harfenbauer: Nicht nur verstimmt sich das Instrument auf Dauer, vor allem bei Konzertharfen, die häufig auf Tour sind, verzieht die Säule gerne. Ohnehin ist das Holz anspruchsvoll:
Instrument muss sich wohlfühlen
Nachdem der Harfenbauer das Schnittholz von einem mobilen Sägewerk aus Bad Salzschlirf erworben hat, muss es monatelang im Regal liegen, erst dann wird geschnitten und gehobelt. Auch nach der Besaitung dauert es Monate, bis das Instrument stimmstabil ist, bis es sich gesetzt hat, sich wohlfühlt, wie Dortmund sagt. Weil es je nach Harfentyp bis zu einem Jahr zur Fertigstellung dauern kann, baut Dortmund mehrere Harfen parallel. 15 Exemplare entstehen so pro Jahr, zwischen 3.500 und 4.000 Euro kosten die Unikate. Als Paket versendet der Harfenbauer die sperrigen Instrumente ungern.