Wie alles begann

Zehn Jahre KUKA-Robotik an den Beruflichen Schulen

Seit insgesamt zehn Jahren ist die Robotik ein fester Bestandteil.
Foto: Berufliche Schulen Obersberg

17.04.2024 / BAD HERSFELD - Im August 2009 wurde an der Technikerschule Bad Hersfeld ein neuer Schwerpunkt mit der offiziellen Bezeichnung "Fertigungsautomatisierung und Robotik" eingerichtet, der sich an Facharbeiter mit mindestens einjähriger Berufserfahrung aus den Bereichen Metalltechnik und Mechatronik richtet. Für den Unterricht dieses neuen Schwerpunktes wurde in einem ersten Schritt eine Modellfertigungsanlage beschafft, die einen Roboter der Firma Mitsubishi beinhaltete.



Doch schnell wurde klar, dass mittelfristig ein "echter" Industrieroboter angeschafft werden musste, um den Unterricht mit komplexen, industrienahen Aufgabenstellungen ergänzen zu können. Nach Sichtung verschiedener Angebote fiel die Entscheidung zugunsten eines KUKA agilus sixx R900 mit sechs Achsen und einer Reichweite von 900 Millimetern. Ein ähnliches Modell ist auch aus dem Duell des Tischtennisweltmeisters Timo Boll gegen einen KUKA-Roboter bekannt.

Die Anschaffungskosten beliefen sich auf circa 20.000 Euro (ohne Zusatzausstattung). Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg erklärte sich als Träger der Schule bereit, einen großen Teil der Kosten zu übernehmen. Durch das Engagement von Michael Weiser, damaliger Abteilungsleiter und Verantwortlicher für die Technikerschule, konnten durch Sponsoren und die großzügige Unterstützung der beiden Fördervereine ProPäd e.V. und des Freundeskreises der Beruflichen Schulen Bad Hersfeld die noch fehlenden Mittel ergänzt werden. So kam es im Frühjahr 2014 schließlich zur Auslieferung des gewünschten Roboters an die Technikerschule Bad Hersfeld.

So ging es weiter

Nun hatte man einen Roboter auf einer Palette ohne jegliche Zusatzausstattung, der ohne eine fachgerechte Installation und Einrichtung nicht für den Unterricht eingesetzt werden konnte. Hier bedurfte es einer Unterstützung von erfahrenen Partnern. Schließlich standen den Studierenden und Lehrkräften die Fa. Elektro Huber hinsichtlich der Vorgehensweise bezüglich Robotersicherheit sowie die Firma EngRotec aus Hünfeld mit einer wertvollen Unterstützung im Bereich Inbetriebnahme und Konfiguration helfend zur Seite.

Da der Roboter standardmäßig ohne Greifsystem ausgeliefert wird und das zur Verfügung gestellte Budget ausgeschöpft war, musste nach anderen Wegen gesucht werden ein solches System zu beschaffen. Oliver Heußner, Abteilungsleiter an den Beruflichen Schulen und zuständig für den Unterricht im Bereich Robotik, nutzte seine Kontakte und freute sich, dass sich die Firma Schunk Greifsysteme bereiterklärte, der Schule einen Zweifingergreifer mit Kollisionsschutz kostenfrei zur Verfügung stellte. Des Weiteren wurde klar, dass für einen

sicheren Betrieb des Roboters noch einige Zusatzausstattungen wie Not-Aus-Schalter, Einhausung und Sicherheitsverriegelungen notwendig waren. Das Immobilienmanagement des Landkreises Hersfeld-Rotenburg sorgte unkompliziert dafür, dass alle dafür benötigten Materialien beschafft werden konnten.

Im Rahmen eines Projekts der Studierenden der Fachschule für Technik wurde schließlich eine Sicherheitszelle für den Roboter konstruiert, aufgebaut und eine Erstinbetriebnahme des Roboters mit seinen Zusatzkomponenten realisiert. Schüler der Berufsfachschule Metalltechnik fertigten einen 500 Kilogramm schweren Sockel für den Roboter. So konnte eine entsprechende Standfestigkeit gewährleistet werden, ohne mit dem Roboter an eine feste Position gebunden zu sein. Im Juni 2015 konnte schließlich bei der Projektpräsentation der Technikerschule eine funktionstüchtige Industrieroboterzelle vorgestellt werden.

Aktuelle Entwicklungen

Um den Themenkomplex "Robotik" stets auf dem aktuellen Stand der Technik unterrichten zu können, wurde die Roboterzelle sowie die Zusatzausstattung in den folgenden Jahren in weiteren Techniker-Projekten ständig weiterentwickelt. Beispielsweise wurde der Roboter um einen Lasersensor zur Abstandsermittlung und eine Kamera zur Bildverarbeitung erweitert. Später wurde die komplette Roboterzelle elektronisch nachgebildet und in ein Simulationsprogramm integriert. So ist das Arbeiten mit dem Robotersystem in Simulationen möglich. Roboterprogramme können am Computer entwickeln und anschließend am realen Roboter getestet werden. Natürlich ist der umgekehrte Weg auch durchführbar. Am Roboter entstandene Programme können auf den Computer übertragen und dort weiter bearbeitet werden.

Damit hat sich die Thematik "Robotik" als zentraler Bestandteil des Unterrichts an der Technikerschule Bad Hersfeld etabliert und so für Aufmerksamkeit über die Grenzen des Landkreises hinaus gesorgt. Seit einigen Jahren wird diese innovative Technik auch in anderen Schulformen eingesetzt. So findet die Robotik auch im Unterricht der Fachoberschule Technik und im Ausbildungsberuf zum Industriemachaniker/-in statt. (pm)+++

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