Der Stadtpfarrer bei O|N

Die Generosa Katakombe in Magliana – Simplicius, Faustinus und Beatrix

Stadtpfarrer Stefan Buß.
Archivbild: O|N/Hendrik Urbin

10.04.2024 / FULDA - Heute melde ich mich aus der Ewigen Stadt. Ich bin mit einer kleinen Gruppe heute beim Besuch der Generosa Katakombe in Magliana, einem Stadtteil von Rom im Süden gelegen. Das Wort Katakombe bedeutet so viel wie "neben der Grube", was auf die Tatsache zurückgeht, dass die ersten Aushebungen, die gemacht wurden, um als Grabstätten zu dienen, in der Peripherie von Rom neben dem Grund einer Baugrube ausgeführt wurden.

Katakomben sind unterirdische Gewölbekomplexe, die der Bestattung von Toten dienen. Sie können eine Ausdehnung von mehreren Kilometern erreichen. Sie dienten verfolgten Christen zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert als Zufluchtsstätten. Die Generosa Katakombe wurde 1868 zufällig bei Forschungsarbeiten des deutschen Archäologen W. Henzen im nahe gelegenen, der Göttin Dia gewidmeten Heiligtum entdeckt, was zur Entdeckung zahlreicher Inschriften führte. Sie birgt die Gräber der Heiligen Simplicius, Faustinus und Beatrix.

Simplicius und Faustinus waren bei der letzten Christenverfolgung in Rom unter Kaiser Diocletian wegen ihres Glaubens gefoltert, umgebracht und in den Tiber geworfen worden. Beatrix, ihre Schwester, konnte die Leichname der Brüder an Land ziehen und begraben. Wenig später ereilte Beatrix ebenfalls das Schicksal des Märtyrertodes, weil sie sich weigerte, ihren Glauben an Christus abzuschwören. Alle drei Geschwister fanden dann im Jahre 303 ihre letzte Ruhestätte in der Generosa Katakombe.

Simplicius und Faustinus erhielten Bedeutung als Stifts- und Stadtpatrone


In der Katakombe findet sich ein altes Fresko, dass die drei Geschwister, mit einem weiteren Heiligen, mit Christus darstellen. Heute gibt es eine freundschaftliche Verbindung zwischen Fulda und Magliana. Die drei Geschwister wurden auch gemeinsam heiliggesprochen. Bonifatius hatte bei seiner ersten von drei Romreisen (718 / 19) von Papst Gregor II. Reliquien der drei Märtyrer-Geschwister geschenkt bekommen und diese selbst in sein Lieblingskloster Fulda gebracht. Weil die Reliquien seit den Anfängen des Klosters in Fulda verehrt wurden, erhielten Simplicius, Faustinus und Beatrix zunächst die Bedeutung als Stifts- und dann auch als Stadtpatrone.

Im Fuldaer Stadtwappen sind die drei Heiligen symbolisch als Lilien (= Zeichen der Reinheit) dargestellt, deren Blüten, da sie Geschwister sind, aus einem Stängel erwachsen. Die drei waren wahre "Ehrenfrau" und "Ehrenmänner", weil sie unerschrocken sich für Ihren Glauben einsetzten in der Christenverfolgung. Christenverfolgung – das klingt wie ein Phänomen aus ferner Vergangenheit. In vielen Länder dieser Welt ist die Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung von Christen jedoch auch heute noch – oder wieder – gängige Praxis.

200 Millionen Christen wurden in über 60 Ländern verfolgt

Man schätzt, dass etwa 200 Millionen Christen in über 60 Ländern heute wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Die Formen der Unterdrückung reichen von grausamen Gewalttaten wie Hinrichtungen und Folter über Inhaftierungen bis hin zu Diskriminierung zum Beispiel im Bildungsbereich oder auf dem Arbeitsmarkt. Also wenn sie auch schwer aussprechbar sind,

Simplicius, Faustinus und Beatrix, sie sind aktueller denn je. Es braucht auch in unserer Zeit Menschen, die mit Überzeugung ihr Christsein leben und auch bekennen und so zur Ehrenfrau und zum Ehrenmann werden. Heute jedenfalls sind wir in unserer Partnergemeinde zu Gast und feiern auch Gottesdienst in der Generosa Katakombe. Ich grüße Sie alle aus der ewigen Stadt. (Stefan Buß)+++

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