"Kommen Sie mal auf den Punkt!"

Unsachlicher Kritik im Alltags- und Berufsleben schlagfertig begegnen

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Symbolbilder: pixabay

29.01.2024 / REGION - "Wie siehst Du denn heute aus?" - "Jetzt kommen Sie mal auf den Punkt!" - "Sie haben sich ja wohl überhaupt nicht vorbereitet?" – wer solche Sprüche von seiner Chefin, seinem Chef zu hören bekommt, dem verschlägt es wohl erstmal die Sprache. Und ob einem dann mit Verzögerung doch noch eine schlagfertige und passende Antwort einfällt, ist fraglich. Punkt für den Chef, der für nachhaltige Verunsicherung sorgt, weil er sich kleinlaute Mitarbeiter wünscht. Erst wenn man daheim nachdenkt, fällt einem meist eine gute Replik ein - zu spät.

Einer, der sich seit langem professionell mit solch verletzenden Phrasen auseinandersetzt, ist der Fachanwalt für Arbeitsrecht und Master of Mediation und Trainer (ICA) Frank Herrig-Jansen aus Bad Hersfeld. Schon von Berufswegen beschäftigt er sich mit solchen Anfeindungen und Angriffen im Job. Doch noch bevor verbale Entgleisungen zu gerichtlichen Auseinandersetzungen werden, gilt es, sich dagegen wehren zu können. Das Gefühl, dazustehen wie ein begossener Pudel und kein Wort herauszubringen, mag niemand. Der Anwalt trainiert deshalb seine Zuhörer in Vorträgen in Sachen Schlagfertigkeit. "Verbale Selbstverteidigung – oder Schlagfertigkeit kann man lernen", sagt der Jurist. Anhand von Beispielen werden Kommunikationstechniken geübt, mit denen eine schnelle Reaktion im Gespräch möglich wird, denn "Schlagfertigkeit ist eine Fähigkeit, die jeder lernen kann", zeigt sich Referent Herrig-Jansen überzeugt.

Die eigene Sprachgewandtheit verbessern und bei der nächsten verbalen Konfrontation eloquent reagieren, ist das erreichbare Ziel seiner Seminare  - wie zuletzt bei einer ausgebuchten Veranstaltung im Kommunikationsmuseum "wortreich" in Bad Hersfeld. "Sich unabhängig zu machen von der Laune anderer und sich seiner eigenen Fähigkeiten bewusst zu sein, ist dabei unser gemeinsames Anliegen."

"Wenn ich verbal angegriffen werde, ist meine liebste Verteidigungstechnik die W-Frage: Was, warum, wieso?
Auf die Frage eines Arbeitgebers, ob ich neben meiner Betriebsratstätigkeit meine Arbeit noch schaffe, kontere ich einfach 'Warum' oder 'Woraus ergibt sich etwas Anderes?' oder 'Was meinen Sie?'. Was passiert dann? Ich bekomme, Zeit zum Nachdenken und auch das Gegenüber muss selbst denken", benennt er eine einfache Technik. Gemeinsam mit den Seminarteilnehmern zu überlegen, was man auf unterstellende oder schlicht freche Äußerungen entgegnen könnte, entlastet und mündet häufig in befreites Gelächter. 

Die richtige Antwort entspannt die Situation


Die Musterbeispiele, die Herrig-Jansen liefert, sind amüsant. Auf den Angriff: 'Das war so schlecht vorgetragen, das kann niemand verstehen!', kann man antworten: 'Sie haben Recht! Um das zu verstehen, braucht man hohe intellektuelle Fähigkeiten.' Was passiert? Mit dieser Antwort blamiere ich den Angreifer, denn ich unterstelle ihm quasi, dass er diese Fähigkeiten nicht hat. Das ist allerdings eine Verteidigungsstrategie der 'härteren' Art", kommentiert er.

Eine der bevorzugten Strategien des Anwalts ist die Ironie. "Auf den Angriff: 'Also Du bist hier der Klügste, ja?', antwortet man einfach: 'Sicher - schon Stephen Hawking hat bei mir abgeschrieben.' Im besten Fall muss der Andere schmunzeln und die aufgeladene Situation entspannt sich."

Wenn Ihnen auch ein besonders gemeiner Spruch in Erinnerung geblieben ist, der Sie entweder sprachlos gemacht - oder zu einer bemerkenswerten Antwort inspiriert hat, schreiben Sie uns: redaktion@osthessen-news.de(ci)+++

Geschafft!

Rechtsanwalt Frank Herrig-Jansen hilft gegen Sprachlosigkeit
O|N-Archivbild

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