Einordnung nach der Vorrunde

Jonas Grigos Botschaft kommt an: Bockstark, was ihr gemacht habt

Kleine, aber feine Abordnung: Eiterfelds Frauen beim Champions-League-Spiel der Frauen zwischen der Eintracht und Barcelona
Fotos: privat

24.11.2023 / EITERFELD - Wenn ein Aufsteiger nach der Vorrunde den vierten Platz belegt und das mit nur drei Punkten Rückstand auf den Tabellenführer - dann ist das doch was. Ein starkes Stück. Ein ganz starkes Stück. Gemeint sind die Fußballerinnen des VfL Eiterfeld, die in der Verbandsliga Nord auf Tuchfühlung zur Spitze sind; Erster der Rangliste ist der DFC Allendorf/Eder. Über die Einschätzung des ersten Teils der Saison, die Extreme Heim- und Auswärtsbilanz, taktische Grundmuster - sprach OSTHESSEN|NEWS mit VfL-Chef-Interimstrainer Jonas Grigo. 

20 Punkte und 23:16 Tore spuckt die Tabelle aus nach elf Spielen - sechs Siegen stehen zwei Remis und drei Niederlagen gegenüber. Das kann sich sehen lassen. Blickt man auf die Heim- und Auswärtsbilanz, wird man irgendwie verwirrt. Bei sechs Spielen auf heimischem Platz sprangen nur sieben Zähler heraus - bei drei Niederlagen. Auswärts aber, da trumpften Eiterfelds junge Frauen auf: Nach fünf Spielen sind sie noch ungeschlagen. Vier Siege, ein Remis und erstaunliche 14:7 Tore stehen da zu Buche. Verkehrte Welt?

Vor Beginn der Saison gaben die VfL-Verantwortlichen für ihr Frauenteam, das in der Gruppenliga alles abgeschossen hatte, was ihm in den Weg kam, das Ziel "Klassenerhalt" in der höheren Verbandsliga aus - so wurde es allenthalben kommuniziert. "Wenn noch was dazukommt, ist das Bonus", erinnert sich auch Jonas Grigo. Der 36-Jährige wurde, nachdem sich der seitherige Coach Markus Mans dazu entschlossen hatte, Ende September zurückzutreten, zum Chef-Interimstrainer.

Das machte Sinn. Grigo, dessen Ehefrau Anne Marx im Team mitkickt, war Co-Trainer unter Mans. Mit Beginn der Winter-Vorbereitung übernimmt Peter Ritz, der auch in den vergangenen Wochen mitmischte. Das erste Spiel der VfL-Frauen im neuen Jahr ist am 2. März das Hessenpokalspiel gegen den Hessenligisten Gläserzell - eine Woche später kreuzt Edermünde in Eiterfeld zum ersten Verbandsliga-Punktspiel auf. 

Das sonderbare Verhältnis zwischen Auftritten auf heimischem Platz und denen in der Fremde fällt auf. Grigo, der als positiver Typ durchgeht, richtete eine Botschaft an seine Spielerinnen. "Bockstark, was wir gemacht haben. Auswärts sind wir Herbstmeister." Bei Spielen zu Hause habe es gehakt und geklemmt, fügt er an. "Wir haben unnötig Punkte liegen lassen, teilweise fehlte auch das Glück." Zuletzt, im abschließenden Spiel des Jahres, dem Heim-1:3 gegen Obermelsungen, habe "das 0:3 den Bruch gegeben", ist Grigo überzeugt. Sonst hätte sein Team ein besseres Resultat erreicht. 

Nachwuchs-Spielerinnen integriert. Werden noch viel Spaß haben

"Im Großen und Ganzen bin ich mit der Hinrunde sehr zufrieden", urteilt er. Einen anderen Aspekt schiebt er nach. "Wir hatten einige Nachwuchsspielerinnen dabei - und haben die integriert." Grigo meint Mia Hummel aus Unterhaun, Mira Pfaff aus Neuenstein-Gittersdorf (die Tochter des Ober-/Untergeiser Urgesteins Thorsten) und Marit Urbanek, die Tochter des in Osthessen einst bekannten Norbert, der für den RSV Petersberg, Hessen Hersfeld oder den FSV Hohe Luft kickte. "Sie haben ihr Können unter Beweis gestellt. Wir werden noch viel Spaß an und mit ihnen haben", ist sich der Coach sicher.

Und Grigo schiebt nach, was für ihn Priorität besaß. "Ziel war es, Spaß und Freude zurückzubringen." Das glückte offenbar, seinen Spielerinnen habe man es nach der ersten Einheit schon angesehen, dass sie und das gesamte Team davon profitierten. Auch "taktische Grundsubstanzen" habe er vermitteln wollen - Defensivarbeit und Aufbauspiel standen als erste Eck- und Schwerpunkte auf der Agenda des 36-Jährigen, der in Rheinland-Pfalz einst unter dem Ex-Lauterer Publikumsliebling Harry Koch beim SV Dörbach in der Verbandsliga kickte.

Nächster Baustein: am Offensivspiel feilen - Ausflug zur Champions League nach Frankfurt

Nächster taktischer Baustein: Es gilt, das Offensivspiel zu forcieren und daran zu feilen. Grigo nennt es "einen wesentlichen Bestandteil der Rückrunden-Vorbereitung", die das Team - Peter Ritz, die Spielerinnen und Grigo - Anfang Februar kommenden Jahres in Angriff nehmen. 

Und als hätte es noch eines Beweises für die Aktivitäten und Umtriebigkeiten der VfL-Frauen bedurft: Am Mittwochabend waren sie zu Gast im Deutsche Bank Park - und hier stand kein gewöhnliches Fußballspiel auf dem Programm. Eintracht Frankfurts Frauen schrieben Fußball-Geschichte, als sie in der Champions League den großen FC Barcelona herausforderten. 

Nicht nur Grigo war angetan. "Es war ein sehr interessanter Team-Ausflug", sagte er am Morgen danach. Vor einer sehr guten Atmosphäre: 16.100 Zuschauer wollten dabeisein bei der Premiere der Eintracht-Frauen in der Champions League. "Zunächst hielt die Eintracht sehr gut dagegen, kämpfte und führte auch überraschend." Nachher aber habe Barcelona strukturierten Fußball gezeigt, den Ball zirkulieren lassen, Tempo und Schlagzahl erhöht - der Favorit aus Spanien setzte sich durch. Wichtig aber aus Sicht der VfL-Frauen, die sich mit dem VfL-eigenen Neun-Sitzer und einem privaten PKW auf die Reise gemacht hatten: das Team-Erlebnis. (wk)

Auch Osthessen|News ist gespannt über die Entwicklung von Eiterfelds Frauen. Punktuell verfolgen wir ihren Weg. Ein Team, das auch außerhalb der Punktspiele äußerst rege ist und - mit der Zweiten - viel unternimmt. +++










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