Brauerei-Premiere vom Verein BRAUmit

Fast schon historisch: Erfolgreicher erster Schottener Brautag nach 100 Jahren

Thomas Schleich, Andreas Röhm und Stefan Schäfer vom "BRAUmit e.V."-Vorstand vor dem Herzstück der Anlage
Fotos: Goa

13.11.2023 / SCHOTTEN - Was 1923 mit der Schließung der letzten Schottener Brauerei "Gebrüder Carl Schmidt" sein (vorläufiges) Ende fand, erfährt nun als Vereinsprojekt "BRAUmit e.V. Schotten" seine Fortsetzung. In den vom Verein angemieteten Räumlichkeiten entstand in den letzten Wochen und Monaten eine kleine, aber feine Brauerei, in der am Freitag ein großartiger Meilenstein begangen wurde: der erste Test-Braugang mit gleich zwei eigenen Biersorten, die nach der Gärphase noch vor Weihnachten beim Feierabendmarkt im Ausschank sein werden. Weihnachtliche Vorfreude gepaart mit "brauerischem" Experimentiergeist und einem neuen Akteur in der Schottener Vereinskultur: nicht nur die eingefleischtesten Bierfans zählen bereits die Tage, bis sich endlich der Zapfhahn öffnen wird.



In dem Raum in der Vogelsbergstraße wurde früher von einer Metzgerei Fleisch verarbeitet. Nun also geht es hier nicht mehr ums Essen, sondern ums Trinken. "Bier statt Schnitzel und Kartoffelwurst, also nach wie vor Grundnahrungsmittel", könnte man mit einem Augenzwinkern sagen. Am Freitagmittag liegt beim OSTHESSEN|NEWS - Ortstermin der typische Brauereiduft in dem großen Raum, der eher von Funktionalität denn von Gemütlichkeit geprägt ist – wie sollte es in einem von Hygienevorschriften dominierten Ambiente auch anders sein. Drei Männer wuseln geschäftig herum, sie sind zwar bestens gelaunt, aber dennoch hochkonzentriert und motiviert, immer wieder wird ein Blick auf ein Protokollblatt geworfen – das "Brauprotokoll" gibt minutiös vor, was wann wie zu tun ist. Eine Mischung aus Abenteuerspielplatz und "Jugend forscht" liegt neben dem Maische-Aroma in der Luft – wobei "Jugend" bitte großzügig auszulegen ist.



Über die Vereinsgründung und die ersten Aktivitäten von BRAUmit als "Brau- & Kulturverein" hatte ON bereits im September berichtet.


Die drei von der…, nein, nicht Tankstelle, sondern Braustelle: das sind an diesem Freitag Stefan Schäfer, Andreas Röhm und Thomas Schleich. Stefan Schäfer ist Hobby-Brauer und der erste Vorsitzende von BRAUmit, im richtigen Leben ist er Elektriker und Diplom-Ingenieur für Umwelt- und Hygienetechnik. Zusammen mit den beiden Vorstandskollegen wird hier ein Stück Vereinsgeschichte geschrieben, vielleicht sogar Stadtgeschichte: Was im September noch im Planungsstadium war, ist nun Realität. Alle nötigen Geräte und Materialien wurden beschafft, der Raum hergerichtet, nun konnte der ersehnte Startschuss zum ersten "richtigen" Schottener Vereins-Gebräu erfolgen, denn das im Sommer mit großem Erfolg ausgeschenkte Premierenbier musste in Lizenz noch extern gebraut werden.


"Valentinus" und "Irish Red" – Made in Schotten

Schäfer erläutert: "Das hier wird nach eigenem Rezept das ‚Valentinus‘, ein fränkisches Rotbier, eigentlich eine Nürnberger Spezialität. Davon werden wir etwa 110 Liter erzeugen. Und als Kontrast dazu brauen wir dort parallel auf der kleineren Anlage ein ‚Irish Red‘ mit einem Volumen von etwa 25 Litern." Vier bis sechs Wochen sind nun erforderlich, bis die Verköstigung möglich ist. Schäfer blickt voraus: "Passend zu den beiden Feierabendmärkten in der zweiten Dezemberhälfte werden wir sie dann beide vom Fass ausschenken können!", strahlt er mit Röhm und Schleich beim gemeinsamen Werkeln aus Vorfreude um die Wette. Sie legen Wert auf die Feststellung, dass der Braugang noch ein Testlauf ist. Hier und da muss improvisiert werden: Verlängerungsschnüre werden noch durch weitere Steckdosen zu ersetzen sein. "Dafür macht man solche Tests", sind die Drei mit den Abläufen und der Praxistauglichkeit aber voll zufrieden. Alles in der Überzeugung: Der Gärvorgang läuft, und damit auch der Countdown! (goa) +++

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