Bund der Steuerzahler Hessen
Doppelt so viele Haushaltsdefizite im Landkreis Fulda wie im Vorjahr
Archivfoto: O|N/Hendrik Urbin
26.10.2023 / REGION FD - Die Ergebnisse der jährlichen Kommunalfinanzanalyse des Bundes der Steuerzahler (BdSt) Hessen im Landkreis Fulda zeigen, dass die finanzielle Situation der Städte und Gemeinden angespannt ist. So haben 14 der 23 Kreiskommunen mit Haushaltsdefiziten zu kämpfen, dies sind doppelt so viele wie im Vorjahr.
Immerhin können alle 14 das geplante Haushaltsdefizit im Jahresabschluss durch die Entnahme aus Rücklagen ausgleichen. Dabei drehte mit Tann nur eine Kommune an der Steuerschraube. Allerdings planen Eiterfeld und Hünfeld bis 2026 die Gewerbe- und/oder Grundsteuern zu erhöhen. "Unsere Daten zeigen, dass die Städte und Gemeinden auch im Landkreis Fulda enorm unter Druck stehen. Einerseits sind die hessischen Kommunen grundsätzlich erfreulich stabil durch die Pandemie gekommen und auch die Gewerbesteuereinnahmen sind in Hessen schon wieder auf Vor-Corona-Niveau. Andererseits sorgen Herausforderungen wie die wachsende Zahl an Flüchtlingen, die Energiekrise und steigende Zinsen für erhebliche Belastungen. Die Städte und Gemeinden sind daher gefordert, verstärkt ihre freiwilligen Aufgaben und Standards zu hinterfragen sowie Prioritäten zu setzen", erklärt Jochen Kilp, Vorstandsmitglied des hessischen Steuerzahlerbunds.
"Es gilt, rechtzeitig Konsolidierungsmaßnahmen einzuleiten, damit die kommunalen Finanzen nicht nachhaltig in Schieflage geraten. Dies führt in der Regel zu Steuererhöhungen, enormer Neuverschuldung oder Investitionskürzungen", so Kilp.
Wie sich die Belastung durch die Grundsteuer B in den einzelnen Städten und Gemeinden im Zuge der Grundsteuerreform ab 2025 entwickelt, ist derzeit noch nicht absehbar. Die Hebesätze für 2025 werden von den Kommunen erst im Laufe des Jahres 2024 auf Basis der neuen Grundsteuermessbeträge beschlossen. Das erklärte Ziel ist eine aufkommensneutrale Umsetzung. Das Land Hessen wird dazu den Hebesatz berechnen und veröffentlichen, mit dem die Stadt oder Gemeinde ein genauso hohes Grundsteueraufkommen hat wie 2024. Allerdings sind die Kommunen an diese aufkommensneutralen Hebesätze nicht gebunden.
Bei der Gewerbesteuer hat Tann (+4) ebenfalls zugeschlagen und liegt damit nun gemeinsam mit Gersfeld mit jeweils 394 Punkten an der Spitze im Kreis. Die geringste Belastung müssen die Gewerbetreibenden in Kalbach, Neuhof und Petersberg tragen, wo der Hebesatz jeweils 357 Prozent beträgt. Der Kreis bleibt mit durchschnittlichen 373 Prozent weiter unter dem hessischen Schnitt von 392 Prozent.
Der hessische Steuerzahlerbund setzt sich weiterhin dafür ein, Straßenbeiträge bei voller Kompensation der kommunalen Einnahmeausfälle durch das Land abzuschaffen. Bedauerlicherweise kippte in diesem Jahr keine weitere Kreiskommune die Erhebung von Straßenbeiträgen. Somit verlangen weiter 13 Kommunen einmalige und eine Kommune (Bad Salzschlirf) wiederkehrende Straßenbeiträge.
Die detaillierten Auswertungen für den Landkreis Fulda inklusive Tabelle, Diagramm und Übersichtskarte sowie die Positionen des BdSt Hessen zur Grundsteuer-Reform, Straßenbeiträgen und Bagatellsteuern sind im Internet unter www.steuerzahler-hessen.de zu finden. (pm) +++