Arbeit in luftiger Höhe
Hausmeister am Kletterseil: Fernmeldeturm Hummelskopf versorgt ganze Region

Fotos: Marius Auth
17.10.2023 / FULDA - Im Michelsrombacher Wald steht das Rückgrat der Funk-Telekommunikation von Osthessen: Ein 128 Meter hoher Fernmeldeturm versorgt die ganze Region mit Mobilfunk, digitalem Hörfunk und Richtfunk. In luftiger Höhe ist das Reich von Systemelektroniker Daniel Abel.
Zwischen rauschenden Bäumen liegt versteckt das Betriebsgelände. Der Betonturm reckt sich in den Himmel, eine kreisrunde Plattform auf 83 Metern Höhe überragt das Blätterdach. Unten am Aufzug hängt eine Liste, auf der sich Abel einträgt - "für die Feuerwehr, damit die im Notfall wissen, wer oben ist." Mit dem Aufzug geht es langsam nach oben - in der Plattform befindet sich das Betriebsgeschoss. Neonlicht geht an: Unscheinbare Serverschränke mit blinkenden Leuchtdioden sind alles, was von den Datenmassen, die durch den osthessische Äther fluten, zu sehen ist. Von hier gehen die Leitungen hinaus auf die kreisrunde Antennenplattform direkt über dem Betriebsgeschoss, wo insgesamt 55 Antennen die Verteilung der Daten übernehmen. Unten rauscht die A7 - wer durch Osthessen fährt, bekommt seit 2012 von hier aus ungestörten digitalen Hörfunk geliefert: "Das Autoradio springt von Funkzelle zu Funkzelle, während man fährt - ähnlich wie beim Mobilfunk. Bis 2025 werden die UKW-Frequenzen abgeschaltet, wir haben hier auf dem Turm schon keine Antennen mehr dafür", erklärt Abel.
EKG für den Hausmeister
Der Fuldaer betreut 30 Fernmeldetürme von Hannoversch Münden in Niedersachsen bis ins südhessische Lindenfels. Trotz umfangreicher Qualifikationen vom IT-Systemelektroniker über den Industriemeister Elektrotechnik bis zum technischen Betriebswirt entspricht seine Aufgabe vor Ort eher der eines Hausmeisters: Einmal im Jahr müssen die Türme komplett überprüft werden. "Betonabplatzungen, Korrosion, Schraubensicherung - das ist bei starkem Wind schon eine Herausforderung. Dann heißt es Sicherheitsgurt und Klettergeschirr anlegen und ein Kollege muss sichern. Für sowas bekommen wir zahlreiche Lehrgänge, außerdem muss jährlich ein physischer Belastungstest absolviert werden, inklusive EKG."Sichtverbindung auf 80 Kilometer
Der Fernmeldeturm Fulda wurde von 1975 bis 1977 errichtet. Die nächsten großen Fernmeldetürme befinden sich auf dem Hoherodskopf bei Schotten und auf dem Eisenberg bei Kirchheim. Trotz Retrocharme im Innern sieht Abel den Standort gut aufgestellt für die Zukunft: "Ohne den Hummelskopf hätte die Region ein riesiges Funkloch. Massive freistehende Sendetürme sind weiterhin konkurrenzlos, weil dort die jeweils aktuelle Technik unkompliziert installiert werden kann: Wenn das 6G-Netz kommt, können wir hier sehr schnell aufrüsten." (mau) +++