Bürgermeister stellt Strafanzeige

Facebook-User postet Möller-Vergleich mit Hermann Göring

Der Schenklengsfelder Bürgermeister Carl Christoph Möller wurde im Internet diffamiert.
Foto: O|N - Archiv / Gerhard Manns

27.09.2023 / SCHENKLENGSFELD - In Schenklengsfeld wird am 8. Oktober gewählt. Nicht nur der Landtag, sondern auch der Bürgermeister. Diesen Posten hat seit knapp sechs Jahren, also eine Amtsperiode lang, der Carl Christoph Möller (SPD) inne. Zur Wahl hat er einen Gegenkandidaten: Andre Wenzel von der Bürgerliste Schenklengsfeld wird gegen den Amtsinhaber antreten. Kurz vor dem Wahltermin scheinen einige Schenklengsfelder allerdings zu unlauteren Mitteln zu greifen, um Möllers Wiederwahl zu verhindern.



Mit den Worten "Der Kommunalwahlkampf in Schenklengsfeld nimmt neue Formen an", wendet sich der Bürgermeister an die OSTHESSEN|NEWS-Redaktion. "Am Samstag, 16.09.2023, wurde der angehängte Beitrag öffentlich auf Facebook durch ein Mitglied der Wählergruppe Zukunft Miteinander publiziert", so Möller. Dabei hat ein Facebook-User ein Foto Möllers neben eines von Hermann Göring (hochrangiger Nationalsozialist im Zweiten Weltkrieg, später als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt) gestellt und dabei Parallelen der Fotos gezogen. Möller hat per Screenshot einen Beweis des Posts. "Keine Ahnung warum, aber diese beiden Bilder halte ich nicht für einen Zufall", schreibt der User Adolf B. zu seinem FB-Post.  Es ist nicht das erste Mal, dass Möller von politischen Gegnern angefeindet wird. Vor zwei Jahren wurden gefälschte Flugblätter in Schenklengsfeld verteilt (O|N berichtete).

Sich widersprechende Statements

"Mehrfach hatte ich in der Vergangenheit den Verfasser, der auch als offizieller politischer Nachrücker innerhalb der Wählergruppe benannt ist, gebeten, öffentliche Diffamierungen, als auch öffentliche Beiträge mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt zu unterlassen. Auch den Fraktionsvorsitzenden von Zukunft Miteinander hatte ich Ende letzten Jahres ersucht, auf den Verfasser dahingehend einzuwirken", so Möller gegenüber unserer Redaktion. Dem jedoch widerspricht inzwischen Dr. Frank Klein, Fraktionsvorsitzender von Zukunft Miteinander: "Ich bin von Herrn Möller weder mündlich noch schriftlich ersucht worden, auf Herrn B. "einzuwirken'", so Klein gegenüber O|N.

Fraktion hatte sich von B. distanziert

Die Fraktion Zukunft Miteinander habe sich laut dem Bürgermeister sich daraufhin von ihrem Mitglied schriftlich distanziert. "Das Verhalten des Verfassers wurde aber dennoch weiterhin stillschweigend durch seine Wählergruppe Zukunft Miteinander geduldet", sagt Möller. Laut Klein sei B. jedoch einem Ausschluss durch Austritt zuvorgekommen. "Da Herr B. nicht als Sprachrohr unserer Wählergruppe aufgetreten ist, sondern seine Posts immer als Privatperson getan hat, gab es keinen Grund 'regulierend' einzugreifen. Natürlich wird unser 'Beobachten' uns nun als Versäumnis interpretiert, aber bis zum 16.9.2023 ging es Herrn B. um sachbezogene Diskussionsbeiträge. Als der persönlich verletzende Post veröffentlicht wurde, hat unser Vorstand sachlich konsequent reagiert", so Klein gegenüber O|N.

"Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, musste ich den Sachverhalt leider zur Strafanzeige bringen", so Bürgermeister Möller. Seine Strafanzeige richtet sich gegen Adolf B. den Verfasser des inzwischen gelöschten Facebook-Posts. Laut B., der inzwischen Kontakt zu unserer Redaktion aufgenommen hat, handele es sich nicht um eine Strafanzeige, sondern um eine Unterlassungserklärung mit Strafandrohung, die ihm durch den Anwalt des Bürgermeisters zugegangen sei. Der Redaktion liegt jedoch die Akte vor, laut der die Strafanzeige vom 22.09.2023 gegen B. bei der Staatsanwaltschaft Fulda bearbeitet wird.

"Ich habe das als Privatmann gemacht"

"Das war definitiv nicht in Ordnung und eine große Dummheit von mir", so B. im Gespräch mit O|N. Er legt auch großen Wert darauf, dass er diesen Post als Privatmann gemacht und Möllers Gegenkandidat Wenzel "absolut nichts damit zu tun" habe. "Ich bin massiv über die Grenzen getreten und habe mich inzwischen auch persönlich bei Herrn Möller entschuldigt", so B., der seit einiger Zeit nicht mehr in der Gemeinde Schenklengsfeld lebt. "Dies ist nicht der Fall. Eine Entschuldigung werde ich auch nicht annehmen, nachdem Herr B. Inhalte über meine Person, als auch meine Arbeitsweise als Bürgermeister mit zweifelhaften Wahrheitsgehalt seit mehreren Jahren fast täglich verbreitet. Er hat hierdurch bedingt nicht nur meiner Person geschadet, sondern auch dem Amt des Bürgermeisters", so Möller im Gespräch mit O|N.(Christopher Göbel) +++

Diesen Facebook-Post hat Bürgermeister Möller zur Strafanzeige gebracht.
Foto: Facbook-Screenshot

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