"Hawaii Deutschlands"
Triathlon-Mekka Roth: Andreas Stöcklein sammelt einzigartige Erfahrungen
Archivfoto: Privat
30.06.2023 / ROTH/KIRCHHEIM -
Es ist nicht überliefert, ob es für Andreas Stöcklein ein Tag war, den er nicht vergessen wird in seinem Leben. Vieles spricht dafür. In jedem Fall war es ein besonderer Tag. Der Triathlet aus Kirchheim-Rotterterode fieberte seinem Saisonhöhepunkt entgegen, dem Ironman im mittelfränkischen Roth. Er finishte den weltweit angesehenen Wettbewerb. Als er die Ziellinie bei seinem Roth-Debüt überquerte, übermannten ihn die Gefühle. OSTHESSEN|NEWS ließ er daran teilhaben.
Die einen nennen ihn Klassiker, für die anderen ist er eine besondere Herausforderung - oder einfach ein Begriff, den man mit dem Triathlon-Sport verbindet: der Triathlon in Roth. Für Sportler in Deutschland, Europa und der ganzen Welt übt er eine spezielle Anziehungskraft aus - fast ein Stückchen Magie. Jeder, der dort einmal an den Start gegangen ist und das Rennen beendet hat, wird das Erlebnis Roth nicht mehr aus seiner Erinnerung streichen. In diesem Jahr - genauer gesagt am 24. Juni - wollten mehr als 3.500 das Erlebnis aufsaugen, die das Rennen in verschiedenen Gruppen aufnahmen. Auch 650 Staffeln waren dabei.
Stöcklein beginnt, wie man es oft von Sportlern hört, in der unmittelbaren Vorbereitung auf den Wettkampf. "Die war durchwachsen bei mir und war von mehreren kleineren Malheuren gekennzeichnet. Was dazu geführt hat, dass ich nicht mit hundertprozentiger Fitness in das Rennen gehen konnte. Es war nicht optimal", blickt er ein wenig zurück. Er meint: Gesundheitlich war er etwas eingeschränkt.
"Bin super happy nach einer ordentlichen Zeit"
"Von daher bin ich super-happy", sprudelt es aus ihm heraus. "Die Zeit war ordentlich. Ich wollte meine persönliche Bestzeit angreifen. Das gelang nicht - doch alles gut." Nach 10 Stunden und 19 Minuten kam er ins Ziel. Seine Bestzeit: 9 Stunden und 59 Minuten. So weit zu einer ersten Einordnung - doch was er noch erlebte und die Leser von OSTHESSEN|NEWS wissen lässt, das macht Appetit auf mehr. Roth-eigene Faszination Solarer Berg
Weiter ging's aufs Rad - in der Wechselzone war die Hölle los. Für die 180 Kilometer lange Strecke - und 1.600 Höhenmeter - benötigte Stöcklein fünf Stunden und sieben Minuten. Und der zweite Abschnitt des Triathlons mit dem Highlight, der Roth-eigenen Faszination "Solarer Berg" - der machte es dem Kirchheimer schwer, diese Attraktivität in Worte zu fassen. "Einzigartig. Was da an der Strecke an Stimmung und Lautstärke los war, ist phänomenal. Das war Gänsehaut. Dir schießen die Tränen in die Augen. Allein, den Berg hochzufahren - dafür hat sich das Rennen gelohnt."
Die heimliche WM. Das Hawaii Deutschlands
Und wenn man einmal als Sportler in diesen Gefühlen badet, kommt man so schnell nicht da raus. "Es gab noch mehrere Hotspots. Überall war was los. Diese Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute. Diese Region lebt das. Der Landkreis Roth ist komplett infiziert." Stöcklein war geflasht. Grund genug für den Kirchheimer, dass seine Gedanken umhersprangen. "Man bezeichnet Roth nicht umsonst als die heimliche WM. Oder als das Hawaii Deutschlands."Gedanken schießen einem durch den Kopf. Gedanken über eine Sportart, die - wie das richtige Leben - geprägt ist von Höhen und Tiefen. "Vieles kommt vom Kopf her. Inwieweit du bereit bist, Grenzen zu überschreiten", sinniert der Roth-Finisher. Viele aus Osthessen hatten den Ausflug nach Roth ins Visier genommen - ob Pascal Weis und Thomas Müller als Starter von Tri-Force Fulda oder Volker Meister, Sonja Rohrbach, Lars Hildebrand sowie Katharina Schimmelpfeng und Peter Ellenberger vom SC Neuenstein aus der Hersfelder Ecke.
Triathlon verlangt viel von einem ab. Planung, Organisation, Unterstützung
Stöcklein ist sich bewusst, dass gerade Triathlon vieles von einem abverlangt. "Viel Planung, Organisation und Unterstützung durch die Familie. Die ist schon erforderlich. Sonst funktioniert das nicht so. Die Familie muss viel einstecken. Dafür bin ich dankbar. Das ist sehr viel wert." Im Tanz auf der Rasierklinge. Auch dies gehöre zum Selbstverständnis der Sportart - und es unterscheide sie von anderen. "Du musst selbst die Entscheidungen treffen. Und kriegst sie nicht abgenommen. Vieles geschieht in Eigenverantwortung."Der Kirchheimer hat das getan, was er nicht so oft tut: sein Herz ausgeschüttet. Jetzt beginnt die "Vorbereitung auf Finnland". Das heißt auf die WM auf der Mitteldistanz Ende August in Lahti. Wieder eine Herausforderung. Wieder etwas Neues. Stöcklein macht eigentlich nicht so viele Worte. Auch dieses Mal nicht. "Anderer Ort. Anderes Land. Kürzere Distanz." Und OSTHESSEN|NEWS sagt Danke. (wk) +++