Erstmals mit dem Adler auf der Brust
Bergwelt, Corona, Mentalität: Philipp Stuckhardt lernt viel beim WM-Debüt
Fotos: privat/Hans-Hubertus Braune
23.06.2023 / STUBAITAL/BAD HERSFELD -
Es sind nicht die Siege, aus denen Sportler am meisten lernen. Siege und vordere Platzierungen schmücken am besten, zumindest auf den ersten Blick ist man in einer Wohlfühl-Oase. Niederlagen oder Tage, an denen es nicht so gut läuft, sind indessen geeigneter, Rückschläge zu verarbeiten. Sicher muss man zunächst durch ein psychisches Tief und das durcharbeiten, um nach vorn zu schauen und neue Motivation zu schöpfen. Um diese Erfahrung reicher ist auch Philipp Stuckhardt. OSTHESSEN|NEWS verriet er dennoch seine Eindrücke von der "WM im Berglauf im Trailrunning" im Stubaital.
Stuckhardt kam auf Rang 85 ein. "Ich bin natürlich total unzufrieden", sagt er enttäuscht. Schließlich hatte er den Adler auf der Brust und vertrat Deutschland. Vielleicht setzte er sich zu sehr unter Druck, die harte Strecke und das starke Teilnehmerfeld taten ihr übriges - sei's drum: Es war nicht sein Tag. Und zu allem Übel geschah dies: Nach knapp einwöchigem Aufenthalt zu Hause angekommen, bemerkte er, dass er sich Corona eingefangen hatte.
"Muss mich in Zukunft vielleicht mental freier machen"
Er gibt zu bedenken, dass es schon Läufe gegeben habe, bei denen er verkrampfter war - doch das war halt eine WM. "Ich hatte gedacht, dass ich etwas lockerer sein würde. Zukünftig muss ich mich mental freier machen, um solch wichtige Rennen durchzustehen." Die Weltmeisterschaft war sein "erstes richtig großes Rennen. "Ein Highlight, weil ich noch nie im Nationaltrikot an den Start gegangen und gelaufen bin."Und Stuckhardt kommt zu dem Schluss: "Ich habe viel gelernt und weiß jetzt, dass man auch an solch einen Lauf selbstbewusst rangehen und sich da herantrauen muss. Auch, wenn die Konkurrenz eine ganz andere ist als gewöhnlich." Und nach einigen Tagen Abstand ist er sicher: "Ich bin jetzt so weit, um zu sagen: Ich will nochmal. Ich will nochmal bei einer EM oder WM dabei sein."
"Ich war sechs Minuten langsamer, als ich hätte sein können"
Afrikanische Läufer bestimmen das Tempo bei den harten Läufen in der Bergwelt
Doch die Läufe waren von hohem Tempo geprägt - und dafür sorgten auch die afrikanischen Läufer aus Kenia oder Uganda. Früher waren sie bei Marathonläufen anzutreffen und wurden eigens dafür verpflichtet - heute sind die afrikanischen Athleten auch bei Bergläufen anzutreffen. An ihnen gibt's kaum ein Vorbeikommen. "Auch der Berglauf ist bei ihnen angekommen", seufzt Stuckhardt.Ein paar Wochen vorher nochmal in die Berge
Nebenbei gibt Stuckhardt auch zu bedenken, dass Läufer "in bestimmten Regionen natürlich bessere Trainingsmöglichkeiten" hätten - er muss oft auf den Strecken im flachen Fuldatal üben. Und schlussfolgert deshalb, "ein paar Wochen vorher nochmal in die Berge zu gehen". Auch wenn man im Flachen vieles machen könne, Intervalle oder Radfahren, um den Körper auf die Belastung in einem Wettkampf einzustellen."Auch wenn man durchgereicht und von anderen überholt wird, ist das für den Kopf zunächst ganz schlimm. Aber es ist wichtig für die Erfahrung. 80 Prozent des Rennens laufen im mentalen Bereich ab." Siege schmecken süß, doch weniger gute Platzierungen taugen dazu, mehr aus ihnen zu lernen - und Philipp Stuckhardt lernte bei seinem WM-Debüt eine ganze Menge. Er nahm nicht nur Corona mit nach Hause. (wk) +++