11. Fulda-Cup in der Johannisau
Inklusion: Vom Geben und Nehmen, Profitierern und Sich-Zurücknehmen
Fotos: Ralph Leupolt
19.06.2023 / FULDA -
Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass Inklusion in Fulda gelebt wird - zumindest im Sport ist das so -, dann wurde das am Samstag in der Johannisau gelebt. Das heißt, es wurde hier vorgezeigt. Und wie: 14 Mannschaften nahmen am Kleinfeldturnier um den 11. Fulda-Cup teil. Dahinter verbirgt sich eine Idee, die sportlich und sozialpolitisch durch die Decke geht: Jugendliche mit Handicap spielen mit "normalen" Jugendlichen in einem Team - wo gibt es das sonst? OSTHESSEN|NEWS war live vor Ort.
Es ist eine Initiative, die die Herzen berührt. Kids und Jugendliche mit Handicap, in der deutschen Gesellschaft noch oft das fünfte Rad am Wagen, treffen nicht nur auf Altersgenossen, denen es gesundheitlich und oft auch materiell besser geht. Sie werden integriert, werden ihren Mitstreitern zugeordnet und in Teams zusammengeführt. Der Inklusions-Verein Jeder ist anders, das antonius fulda, das die Inklusion fördert, Schulen, Lehrer, Schüler, Eltern und alle, die sich engagieren wollen, machen mit. Und arbeiten zusammen. Hand in Hand.
Kerstin und Martina König: Die Augen beider leuchten
Gespielt wird auf zwei Kleinfeldern des schmuck daliegenden Rasenplatzes in der Johannisau. Einmal acht Minuten. Ohne Seitenwechsel. Zwei Minuten Pause. "Seid immer pünktlich zur Stelle", fügt der Ansager noch hinzu, "wir wollen mit dem Finale um 13.10 beginnen".Unter das schmale Publikum - das ruhig zahlreicher hätte teilnehmen dürfen - hat sich auch Kerstin König gemischt. Sie ist als Tante zweier Jugendlicher da, die aktiv dabei sind - uns als Lehrkraft der Geschwister-Scholl-Schule. "Zum Anfeuern", beeilt sie sich zu sagen. "Ich feuere natürlich die Geschwister-Scholl-Schule an. Aber auch das Team des jüngeren Jahrgangs der Freiherr-vom-Stein-Schule." Mit ihren Neffen Leo und Luis. Und sie hat ihre Schwester Martina mitgebracht. Irgendwie leuchten die Augen beider.
Inklusion baut Brücken. "Der will das Feld gar nicht verlassen"
Die Padua-Schule, die spannende Idee eines sozial-integrativen Projektes
Nils und Damian sind von der Padua Schule, die zum Netzwerk Antonius gehört. Die auf dem Antonius-Gelände beheimatete Grundschule ist inklusiv, in Mitte- und Hauptstufe sind Förderschüler untergebracht - und in die sich anschließende Startbahn rücken Schüler zur Berufsorientierung auf. Klingt nach spannender Idee eines sozial-integrativen Projektes.Freude der Handicap-Spieler kommt von innen heraus. Sie ist so ehrlich
Zufällig - oder auch doch nicht - ergibt sich die Möglichkeit, mit dem Mann der ersten Stunde des Fulda-Cup zu sprechen. Es ist Tobias Jestädt. Irgendwie hat man das Gefühl, die Idee des Wettbewerbs stehe plakativ auf seiner Stirn. Und er lässt die, die es wissen wollen, daran teilhaben. Seine Anteilnahme zeige sich darin, "dass Spieler mit Handicap so ehrlich sind. Ihre Freude kommt von innen heraus".Es sei wichtig, so Jestädt, "dass unsere Spieler lernen, sich zurückzunehmen. Gewinnen ja - aber nicht um jeden Preis". Sie müssten lernen, anderen eine Freude bereiten zu können. So werde die Mensa seiner Freiherr-vom-Stein-Schule vom antonius geführt. Und da arbeiteten eben auch "Leute mit Handicap" mit.
Siege, Ergebnisse und Platzierungen sind nicht erstranging
Die Zeit ist fortgeschritten mittlerweile. Als Sieger haben sich im älteren Jahrgang die Freiherr-vom-Stein-Schule, die mit 1:0 gegen die Vertretung der Rabanus-Maurus-Schule gewann - und im jüngeren die erste Mannschaft des Marianums, die das Team der Geschwister-Scholl-Schule nach Siebenmeterschießen bezwang - herausgeschält. Aber -Ehrgeiz hin, Ehrgeiz her. Ergebnisse, Siege und Platzierungen sind nicht so wichtig an diesem Tag - an dem es vielmehr gilt, eine Idee in immer mehr Köpfe hineinzubekommen.13.51 Uhr ist es, als Lothar Plappert die Siegerehrung. Er ist als Vertreter der Stadt Fulda gekommen - und als Vertreter des Oberbürgermeisters Dr. Wingenfeld. "Der Fulda-Cup ist immer wieder gut organisiert. Es macht Spaß, hierherzukommen", betont er. Auch OSTHESSEN|NEWS hat es Spaß gemacht. (wk) +++