Nachdreher zum Relegations-Finale
Kellers Zeitreise: Über Horas und andere Etappen nach Hoffenheim
Fotos: Jonas Wenzel/yowegraphy
16.06.2023 / FULDA -
Imposante Kulisse, Nervenkitzel und Spannung, die durch die Decke geht: Beim Relegations-Finale der Fußball-Gruppenliga war allerhand los am Mittwochabend bei der ausrichtenden FT Fulda. Mit dem FV Horas schälte sich ein Sieger heraus, der weiterhin der Gruppenliga angehört - die mit 0:1 knapp unterlegene SG Sickels muss einen neuen Anlauf nehmen. OSTHESSEN|NEWS hat mit Siegtorschütze Julian Keller sowie den beiden Trainern Marc Friedel und Michael Finke gesprochen.
Den Erfolg feiern? "Wir waren zunächst noch bei FT. Ehrlich gesagt, ging's mir aber nicht so gut", sagt Julian Keller am Tag danach, "aber nicht vom Feiern, sondern gesundheitlich. Ich habe mich schon die letzten Minuten des Spiels durchgeschleppt und ein paar Blessuren davongetragen. Und mich dann auch verabschiedet. Die Jungs sind noch nach Horas weitergezogen". Der 24-Jährige bewies seinen Wert für die Mannschaft, stieß nicht nur das Tor zum Gruppenliga-Klassenerhalt auf - er stellte Sickels' Defensive von Beginn an vor Probleme.
Besonderer Rahmen - "nicht mehr im fußballspezifischen Training"
Viele Jahre hatte Keller für den FVH gespielt, in U17 und U19 aber für den JFV Viktoria Fulda, im zweiten A-Junioren-Jahr dann schon für die Männer der SG Johannesberg - und sich anschließend entschieden, wieder nach Horas zurückzukehren. "Der Rahmen gab es nicht mehr so her". Heißt: Der Aufwand passte nicht mehr zu seinem neuen Lebensweg. Der gelernte Physiotherapeut studierte Sport - ehe es ihn als Athletiktrainer zum Bundesligisten Hoffenheim zog.
In der zurückliegenden Saison kümmerte er sich um die U15, in der kommenden gehört er der U17 an. Vorbereitungsbeginn dort ist am 26. Juni - und Julian Keller ist mehr oder weniger schon auf dem Sprung nach Heidelberg. "Da habe ich jetzt meinen Lebensmittelpunkt gefunden."
Marc Friedel: Die Jungs müssen wachsen. Lernprozesse, die sie durchmachen müssen
"Es war ein 50:50-Spiel", sagt Marc Friedel, Spielertrainer der SG Sickels. Er ahnte schon zuvor, "dass Kleinigkeiten entscheiden". In der ersten Halbzeit habe sein Team "drei, vier Aktionen gehabt, die wir besser ausspielen müssen". Man habe gemerkt, dass "Horas mehr gestandene Spieler hat. Vielleicht fehlen bei dem Einen oder Anderen bei uns noch so ein paar Sachen. Zum Beispiel, dass sie vorne tiefer in die Räume gehen müssen. Die Jungs müssen wachsen. Das sind Lernprozesse, die sie durchmachen müssen."Doch der ewig junge Fußballer Friedel wäre nicht Friedel, wenn er nicht vorausschauen würde. "Wir haben auch nächstes Jahr eine gute Mannschaft. Ich bin positiv gestimmt. Gerade deswegen, was sie in der Rückrunde geleistet hat." Am 3. Juli ist schon wieder Vorbereitungsbeginn in Sickels. "Die Pause ist nach der Relegation halt verkürzt. Das ist halt so."
Michael Finke: Waren etwas zwingender. Sickels hatte einige ordentliche Ballstafetten
Ein "relativ ausgeglichenes Spiel" sah Michael Finke, Trainer des FV Horas, "wir waren etwas zwingender, mit offensichtlicheren Offensivaktionen". Gerade im zweiten Abschnitt und je länger das Spiel dauerte, seien seinem Team einige Bälle "über den Schlappen gerutscht". Er hatte aber auch Lob für den Kontrahenten übrig. "Im Mittelfeld war es ein 50:50-Spiel. Sickels hatte einige ordentliche Ballstafetten."Team verfolgte das Projekt mit Hingabe - angenehmes Arbeiten für einen Trainer
Vor allem in den letzten fünf oder sechs Spielen sei das Team in der zwangsweisen Gruppenliga-Punkte-Hatz noch mehr zusammengewachsen - "und das alles vor dem Hintergrund, dass neun, zehn oder elf Kräfte nicht mehr für diesen Verein spielen. Und trotzdem für das Projekt Nicht-Abstieg alles gegeben haben." Als homogen habe sich das Team erwiesen, es gab keine Grüppchenbildung, "für einen Trainer war das ein angenehmes Arbeiten".Finke ist ein Kind des FV Horas. Bis es ihn in der A-Jugend wegzog. Er ging nach Neuenberg, als die dortige Mannschaft in der Landesliga spielte. Später waren Dipperz und Rothemann seine Stationen - dort kickte er fünf jahre in der Gruppenliga. "Verletzungen haben mich dann in die Knie gezwungen", erklärt er. Und er nach Horas zurückkam. Dreieinhalb Jahre war er Trainer der zweiten Mannschaft. Nach dem Klassenerhalt mit der Ersten sagt er nun: "Das macht was mit dir. Ich bin schon erschöpft." Etwas entspannter dürfte es demnächst sein: Er übernimmt die D-Junioren von HGM Fulda. Dort kickt sein Sohn Ben. (wk) +++