Alternative zum Stadtschloss

Ja-Wort auf 72 Metern: "City Skyliner" bringt Standesamt in luftige Höhe

Nicole und Denis Krenn aus Fulda haben die ungewöhnliche Location als erste genutzt
Fotos: Marius Auth

25.05.2023 / FULDA - Die Landesgartenschau hat mit dem Aussichtsturm "City Skyliner" beim Deutschen Feuerwehrmuseum eine luftige Location geschaffen, in der Paare ihre Liebe in ganz neuen Höhen besiegeln können. Standesbeamtin Vanessa Kollmann macht das Glück seit 13 Jahren amtlich und erklärt, warum ihr Traumjob oft auch Aktenwälzen bedeutet.



Nicole und Denis Krenn aus Fulda haben sich als erste für den "City Skyliner" entschieden: "Wir haben im April die Anfrage beim Standesamt gestellt, da wurde uns der Aussichtsturm empfohlen, als neue Location. Die Alternative wäre das Schlossambiente gewesen, aber wir wollten schon etwas Besonderes. Die standesamtliche Trauung in 72 Metern Höhe, daran erinnert man sich das ganze Leben", erklärt Denis Krenn. Nach ersten Bedenken wegen Schwindelgefühlen wurde eine Probefahrt im Vorfeld gemacht, der Rundumsicht-Zeremonie stand nichts mehr im Weg.



Acht Euro kostet die Einzelfahrt, eine Stunde für die ganze Hochzeitsgesellschaft von Krenns 595 Euro. Unternehmer Thomas Schneider ist mit seinem Aussichtsturm in ganz Europa unterwegs, im letzten Jahr in Dänemark und Frankreich. 6,2 Millionen Euro hat ihn der 81 Meter hohe Turm gekostet, der von einem niederländischen Unternehmen gebaut wurde. 60 Personen können nach oben fahren, aus Sicherheitsgründen müssen die Insassen aber in mehreren Etappen zugeladen werden: "Die Seile strecken sich jedes Mal, wenn es nach oben geht und müssen dann immer wieder in die Ausgangsposition gebracht werden. Weil der Turm sechs Monate hier steht, musste die Fläche vorher ausgekoffert und verdichtet werden. In insgesamt 15 Transporten sind die Teile nach Fulda gekommen und wurden dann mit einem 300-Tonnen-Kran aufgerichtet. Es ist der höchste mobile Aussichtsturm der Welt", so Schneider.

"Emotionaler Job im Vergleich zur Verwaltung"



Auch für Standesbeamtin Kollmann ist es die erste Trauung im "City Skyliner": Seit 21 Jahren arbeitet sie beim Fuldaer Bürgerbüro, seit 13 Jahren als Standesbeamtin, seit 2015 nur noch im Bereich Eheschließungen und Namensänderungen. "Im Vergleich zur normalen Verwaltung ist es schon ein emotionaler Job - aber viele meinen, wir sind jeden Tag im Trausaal. Das ist nur zweimal die Woche, Urkundenbeschaffung und Prüfung nehmen viel mehr Zeit in Anspruch." Kirchliche Trauungen treten in den letzten Jahren immer mehr in den Hintergrund, erklärt Kollmann: "Früher ist die engste Familie im Standesamt angetreten, es war der formelle Termin, bei der kirchlichen Hochzeit wurde geprunkt. Heute ist die Zeremonie bei uns häufig am einzigen Hochzeits-Tag."



Schlosskapelle, Dalbergsaal und grünes Zimmer stehen für die Trauung zur Verfügung, ungewöhnliche Locations wie jetzt den "City Skyliner" hat das Standesamt bisher nicht im Angebot, neue Räume seien aber in Planung, verrät Kollmann, die an der Akademie für Personenstandswesen in Bad Salzschlirf die Grundausbildung durchlaufen hat. Nach zwei Wochen sitzen die Formalitäten - aber um den schönsten Tag des Lebens kompetent zu begleiten, braucht es mehr als Paragraphen: "Die floskelhaften Formulierungen, die jeder kennt, kommen aus dem Personenstandsgesetz. Aber die Reden schreiben wir komplett selbst. Auch wenn wir nicht ganz so persönlich werden wie der Pfarrer, ist es eine große Verantwortung, den richtigen Ton zu treffen: Über die Jahre trifft man immer wieder Paare, die man getraut hat, etwa in der Stadt, und denkt sich: Ach, die kenne ich doch!" (mau) +++

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