Ein Kommentar von Walter Kell
Entwicklung und Perspektive müssen beim Hünfelder SV im Fokus stehen
Foto: Jonas Wenzel/yowephotography
08.04.2023 / HÜNFELD -
4:0 gegen Bronnzell gewonnen, die makellose Heimbilanz, in der heimischen Rhönkampfbahn nach 13 Spielen in dieser Saison noch unbesiegt zu sein, ausgebaut und so ganz nebenbei wieder die Tabellenführung der Verbandsliga eingesackt - die Fußballer des Hünfelder SV haben die Rückkehr in die Hessenliga vor Augen. Doch so schön diese Zahlenspiele und Statistiken auch sind: wichtiger ist die Entwicklung der Mannschaft. Ihre Perspektive. Und auf diesem Prozess liegt der Fokus. Weniger auf irgendwelchen Träumereien.
Es ist äußerst positiv zu bewerten, welchen Schritt das umformierte und umgebaute Team des HSV in dieser Saison in seiner Entwicklung getan hat. Erfahrene Kräfte hat es im vergangenen Sommer verloren - die Innenverteidiger Steffen Witzel, der als Co-Trainer tätig ist, aber eben nicht mehr auf dem Platz steht, und Benny Fuß - der auch in der kommenden Serie als Co-Trainer zur Verfügung steht - Fußball-Stratege Basti Alles oder die torgefährliche Offensivkraft André Vogt. Übriggeblieben sind diese Routiniers: Keeper Benedikt Kaiser, Zehner Kevin Krieger, Maxi Fröhlich und - wenn man ihn unter diesem Etikett schon mitnehmen möchte, Marcel Dücker.
Defensive Herzkammer - Vidovic als treffende Neun
Erstaunlich, was vor allem Abteilungsleiter Mario Rohde und Trainer Johannes Helmke aufgebaut haben in der kurzen Zeit - welche Verjüngungskur sie eingeleitet haben. So weit, so gut. So weit die Vorzüge. Doch es gibt genügend Gründe, die dafür sprechen, den Ball flach zu halten. Die Mannschaft ist jung - extrem jung für höheres Niveau. Deshalb muss man ihr Zeit geben zur Entwicklung. Zur Reifung. Das Team muss sich die Hörner abstoßen. Überdies darf man nicht vergessen, dass die jüngsten Auftritte in der Rhönkampfbahn glatt abliefen und ausgingen - 4:0 gegen Flieden, 6:0 gegen Ehrenberg, 4:0 gegen Bronnzell. Dazwischen lag der knappe 3:2-Erfolg gegen die SG Barockstadt - passende Erfahrungswerte waren das.
Die Gegner müssen sich nach Hünfeld richten - aber: was wäre, wenn ...
Immerhin: Das HSV-Team ist in der Lage, dem Gegner seinen Stempel aufzudrücken - der Kontrahent muss sich (meist) nach Hünfeld richten. Ein absolut positives Signal. Dennoch bleibt die Frage, was passiert wäre, wenn im Duell mit Bronnzell ... Der Gast hätte durchaus in Führung gehen können, den Ausgleich zum 1:1 schaffen können - oder kurz vor der Pause auch einen Elfmeter bekommen können. Da war das Spiel noch offen.Und überhaupt: die Saison ist noch lange nicht zu Ende. Neun Spiele sind es noch. Hünfeld liegt im Aufstiegs-Clinch mit Dörnberg: Der eine wird Meister, dem anderen bleibt die Aufstiegs-Relegation zur Hessenliga. Kaum denkbar derzeit, dass beiden noch ein Dritter in die Suppe spucken kann. Der Tabellendritte CSC Kassel mit Taktik-Fuchs Lothar Alexi etwa? Auch dieses Team kreuzt bald in der Rhönkampfbahn auf. Zuvor tritt der HSV in Vellmar an.
Neun Spiele bleiben: die Auswärtsbilanz aufhübschen
Ach ja, ein Punkt bleibt noch. Und auch der spricht dafür, dass sich das Team des Tabellenführers auf dem Weg der Reifung befindet. Die Auswärtsschwäche - oder genauer gesagt: die Auswärtsbilanz aufzuhübschen. Zehn Punkte sammelte der HSV ein auf fremdem Platz - in zehn Spielen. Mittel- und langfristig reicht das nicht, um nach Höherem zu streben. Deshalb: den Ball flach halten. +++