Der spezielle Verein
Die SG Freiensteinau im Blauen Eck: Hier, wo das Herz noch zählt

Fotos: Verein/Hans-Hubertus Braune
25.03.2023 / FREIENSTEINAU -
Hier ist von einem Verein die Rede, dem Spezielles nachgesagt wird. Konzept. Umfeld. Philosophie. Diese Schlagworte, die in Zusammenhang mit Vereinsarbeit und gerne auch in ganz Deutschland gebraucht werden, wenn man etwas Stimmiges einkreisen möchte, hört man oft. Dies scheint auch bei der SG Freiensteinau der Fall zu sein - nein, es scheint nicht: Es ist so. Nimmt man ein gehöriges Stückchen des Herzens hinzu, ist man auf dem richtigen Weg. OSTHESSEN|NEWS begab sich auf Spurensuche beim Verein, der am Sonntag zum Gruppenliga-Spitzenspiel in Eiterfeld antritt.
Das Bauchgefühl trog Reinhold Jessl nicht, als er im Sommer 2021 der SG Freiensteinau sein Ja-Wort gab. Der 61-Jährige, der nach wie vor ein großes Stück Eintracht Frankfurt im Herzen trägt, bewertet seine damalige Zusage als Trainer so: "Das Konzept hat mir zugesagt. Das Umfeld stimmt. Auch die Philosophie des Vereins. Ich habe es nicht bereut. In keiner Minute." Der erfahrene Coach, der von seinem Wohnort Freigericht 40 Minuten Anreise bis nach Freiensteinau im Blauen Eck hat, ist froh, diesen Schritt getan zu haben.
Jessl: Fühle mich wertgeschätzt - das Gesamtpaket muss stimmen
Vergleiche könne er durchaus ziehen, seine Trainer-Reise erlaubt es ihm. "Das hier in Freiensteinau ist schon ein Unterschied zu anderen Regionen. Dadurch, dass ich eine professionelle Arbeit an den Tag lege, komme ich mit den jungen Menschen ganz gut klar." Jessl, der sich ehrenamtlich bei den Maltesern engagiert und künftig Fußball an einer Schule anbietet, sagt nicht nur, dass er dankbar sei, so viel geben zu können - der 61-Jährige bemüht immer wieder die Zusammenarbeit mit dem Verein. "Das ist aller Ehren wert, wie der Verein lebt. Da wird Fußball gelebt."
Sympathieträgerin Carmen Raschka: Mannschaft auf dem Platz - und auch daneben
Stichwort Sympathieträgerin: das ist Carmen Raschka. Ihr Herz schlägt gefühlt schon von der Geburt an für die Blau-Weißen, seit 2014 ist sie 1. Vorsitzende. Wenn man der SGF-DNA auf die Spur kommen möchte, ist man bei der 45-Jährigen genau richtig. Es ist eine Art Volltreffer. "Das Leben daneben", sagt sie spontan, was ihren Verein ausmache. "Wir haben eine Mannschaft auf dem Platz. Aber auch daneben."Raschkas Blut ist blau-weiß - "Jeder macht das, was er kann"
Carmen Raschka scheint eine starke Frau zu sein - nein: Sie ist es. Die 45-Jährige bringt den Nachwuchs ins Spiel. Die Jugend zu fördern, das liege ihr am Herzen. "Jeder hat gleichwertige Trainingszeiten bei uns. Es ist nicht so, dass die Männer Vorrang haben." Beinahe müßig zu erwähnen, dass die Mischung zwischen Alt und Jung passt im Verein. Und dass es der 1. Vorsitzenden wichtig ist, die Bedeutung des Mehr-Sparten-Vereins SG Freiensteinau nicht nur zu erwähnen, sondern auch voranzustellen.
"Bin im Prinzip so reingewachsen"
Seitdem sie 18 ist, kümmert und sorgt sie sich um die SGF. Raschka, die an der Marienschule in Fulda angehende Erzieherinnen unterrichtet und ausbildet, spielte natürlich selbst für den Verein. Zu ihrer aktiven Zeit ging es stets bergauf und bergab, meist war das Team in der Bezirksliga zu Hause. Zwei Kreuzbandrisse und ein "kaputtes Knie" beendeten ihre Karriere. Heute ist sie neben ihrem Job als 1. Vorsitzende auch Abteilungsleiterin Kinderturnen und Frauenfußball. Die Frauen sind aktuell stolze Zweite der Verbandsliga.