Historisches Bauwerk mit Katakomben

Wirbel um Waldschlösschen: Anwohner erheben Einspruch gegen Bauvorhaben

Das Waldschlösschen soll in Zukunft wieder mit Leben gefüllt werden.
Fotos: Maria Franco

11.01.2023 / FULDA - Schluss mit dem Leerstand: Das historische Waldschlösschen gegenüber der Ochsenwiese in Fulda soll in Zukunft wieder mit Leben gefüllt werden (O|N berichtete bereits). Die Investoren sehen auf dem Areal neben einem Hotel auch Gastronomie mit Biergarten und im rückwärtigen Bereich zwei Wohngebäude vor. Einige Bürgerinnen und Bürger wehren sich nun "vehement" gegen den Bebauungsplan der Stadt Fulda. "Ein sozial- und umweltverträgliches Konzept liegt einfach nicht vor", kritisiert Claudia Wegener.



Vor einigen Tagen erreichte unsere Redaktion eine E-Mail zu diesem Thema. Es geht um den Einspruch mehrerer direkter Anwohner gegen das Bauvorhaben 197, "da hier am denkmalgeschützten Waldschlösschen Wohnblocks auf engstem Raum errichtet werden sollen". Bei einem Vor-Ort-Termin schildern die Verfasser ihren Unmut über das Projekt noch einmal deutlicher. 

In dem Stadtteil haben Senioren, Alleinerziehende, Menschen mit Migrationshintergrund und Studierende ihr Zuhause. Den Zusammenhalt untereinander zu stärken, und das volle Potenzial des Quartiers auszuschöpfen, fasst das "Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept" (kurz: ISEK) aus dem Jahr 2021 ins Auge. "Das aktuelle Vorhaben spiegelt das jedoch nicht wider", so Wegener. "Ich bin letztes Jahr im Frühling ins Fuldaer Nordend gezogen und habe vom Stadtteilbeirat mitbekommen, dass Ideen zur Weiterentwicklung des Waldschlösschen-Geländes gesammelt werden." Darunter ein kleiner Park mit Bewegungsparcours, "solche Ansätze wurden komplett verworfen".

"Grüne Lunge fehlt"

Verstärkt werde dies durch die Tatsache, dass "in einer Nacht-und-Nebel-Aktion" an einem frühen Samstagmorgen 15 von 17 Bäumen gefällt wurden. "Die schriftliche Genehmigung für den Auftrag erfolgte an dem Freitag um 17 Uhr. Das heißt drei Tage bevor die Schonfrist für brütende Vögel einsetzte und Abholzungen nicht mehr erlaubt waren. Wir haben uns total überrumpelt gefühlt", erinnert sich Wegener. Das verwilderte Waldgrundstück sei dabei Heimat vieler Tierarten wie Specht, Igel oder Rotkehlchen gewesen. Nachts habe es sogar von Glühwürmchen gewimmelt. "Die grüne Lunge ist Geschichte, die wir vor allem im Sommer für ihre frische, kühle Luft geschätzt haben", konstatiert die Sozialpädagogin.

Menschen mit Behinderung

Darüber hinaus gebe es einen weiteren Aspekt: "Es gibt um den Baubereich Wohneinheiten, die barrierefrei gestaltet sind. Meine behinderte Tochter und ich leben im Erdgeschoss. Für diese vulnerablen Personengruppen – darunter auch ältere Menschen – ist das Projekt ganz besonders einengend, deprimierend und isolierend. Der Blick ins Grüne und in den Himmel wird verwehrt. Negative psychische Folgen sind nicht auszuschließen." 

Die Verfasser des Einspruches äußern den Wunsch: "Wir fordern eine gemeinsame Lösung, die auch den Vorstellungen der Anwohner entspricht. Eine Bürgerversammlung wäre da der erste Schritt gewesen." Denkmal- und Naturschutz sowie die soziale Komponente müssten laut Wegener und ihren Nachbarn mehr Gewichtung finden. "Zumal die unterirdischen Katakomben unter dem Gebäude völlig außer Acht gelassen werden. Für Wissenschaft und Forschung sollte man sich das doch offenhalten und bewahren."

Das sagt die Stadt Fulda

Die Magistratspressestelle der Stadt Fulda erklärt auf O|N-Nachfrage, in einem laufenden Verfahren könne man zwar keine inhaltlichen Einschätzungen zu den Einsprüchen bzw. Stellungnahmen abgeben, aber erläutern, was am Waldschlösschen geplant sei.

"Die neuen Eigentümer planen, an die ursprüngliche Nutzung des Gebäudes als beliebte, traditionsreiche gastronomische Einrichtung anzuknüpfen und um ein kleines Boutique-Hotel zu ergänzen. Im rückwärtigen Bereich des Waldschlösschens sind zwei winkelförmig angeordnete drei- und viergeschossige Wohngebäude mit einem rund 20-prozentigen Sozialwohnungsanteil geplant." Außerdem: "Für die Gastronomie soll dem Traditionsgebäude ein trapezförmiger Pavillon mit Terrasse für die Außengastronomie vorgelagert werden, der an die UG-Ebene anschließt und in den Hang eingegraben ist. Die Terrasse für die Außengastronomie soll seitlich angelagert und auf verschiedenen Ebenen organisiert werden, um die Eingriffe in den Hang zu minimieren."   

Abschließend heißt es seitens der Stadt Fulda: "Die eingebrachten und gesammelten privaten und öffentlichen Belange in Form von Stellungnahmen, Hinweisen und Empfehlungen werden nun im Rahmen der Abwägung gegeneinander und untereinander gerecht abgewogen und anschließend den städtischen Gremien, Magistrat und Stadtverordnetenversammlung, zum Beschluss vorgelegt." (mkr) +++

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