Kommentar von Felix Hagemann
WM-Finale: Ein Fußball-Märchen lässt alle Debatten in den Hintergrund treten
Foto: picture alliance/dpa | Tom Weller
20.12.2022 / REGION -
Die Fußball-WM in Katar ist Geschichte, Argentinien ist Weltmeister. Mit dem Final-Triumph im Elfmeterschießen gegen Frankreich steigt Lionel Messi endgültig in den Fußball-Olymp auf und steht spätestens jetzt auf einer Stufe mit dem übermächtig erscheinenden Diego Maradona. Es ist eine wunderbare Geschichte, wie sie nur der Fußball schreibt – und sie übertüncht wieder mal alle Diskussionen und Probleme des Fußball-Betriebs.
35 Jahre und 177 Tage musste Lionel Messi, der vielleicht beste Fußballer aller Zeiten, auf diesen Moment warten. 16 Jahre nach seiner ersten WM-Teilnahme krönte er sich und seine Argentinier endlich zum Weltmeister. Der Ausnahmekünstler, der in seiner Heimat lange als unnahbar und unvollendet galt und stets im Schatten des Volkshelden Maradona stand, hat es endlich geschafft.
Für Katar hätte es nicht besser laufen können
Doch während Messi nur darauf wartete, diesen so lange ersehnten Pokal als Kapitän in die Lüfte stemmen zu können, taten die katarischen Gastgeber was? Sie stülpten ihm erst noch einen Bischt genannten Umhang über. Ein weiteres Beispiel dafür, wie sehr der Fußball inzwischen instrumentalisiert wird. Selbst in diesem für Sportler so besonderen Moment kann der Fußball nicht mehr einfach nur Fußball sein.Diese Instrumentalisierung rückte in den letzten Wochen aber immer mehr in den Hintergrund. Zu schön, zu groß war die Magie des Spiels – mit der Krönung des vielleicht besten Finals aller Zeiten. 2:0 Führung Argentinien, später französischer Ausgleich durch einen Doppelpack von Kylian Mbappé. Erneute Führung Argentiniens in der Verlängerung durch Messi, ehe wieder Mbappé auf 3:3 stellte. Entscheidung erst im Elfmeterschießen.
Es war ein unfassbares Spiel, in dem Messi und Mbappe, die derzeit wohl besten Spieler der Welt, groß auftrumpften. Beide stehen übrigens in Diensten des von Katar alimentierten Paris Saint Germain. Bei aller Kritik und politischen Diskussionen: Für die katarischen Gastgeber hätte es nicht besser laufen können.
Sobald der Ball rollt, wird alles andere zur Nebensache
Während die Deutschen mit dieser WM aus verschiedenen Gründen nie warm wurden und in Katar als Gast galten, der die Party mit seiner moralischen Besserwisserei madig macht, spielte all das bei vielen anderen Nationen kaum eine Rolle. Vor allem in der arabischen und afrikanischen Welt wurde diese WM als großes, die Völker verständigendes Fest gefeiert. Sobald der Ball rollt, rücken eben alle Unterschiede in den HintergrundGenau in dieser Kraft liegt aber auch die Gefahr. Die Funktionäre und Politiker wissen darum. Sie werden auch in Zukunft den Fußball für ihre Interessen instrumentalisieren. Am Horizont droht schon das Szenario einer WM 2030 in Saudi-Arabien. Solange aber der Fußball solche Geschichten wie am Sonntag schreibt, steht zu befürchten, dass sie auch damit durchkommen werden. (fh)+++
Foto: ON