Poolbillard bei der SG Johannesberg

Erstmals eine Jugend- und Frauenmannschaft - Ramona Firle als Glücksfall

Die SG Johannesberg lebt: Jugendliche trainieren mit Ramona Firle und Thorsten Hohmann
Foto: privat

22.12.2022 / FULDA - Ein Fuldaer Verein befindet sich im Aufschwung. Gemeint ist die SG Johannesberg im Westen der Stadt. Nicht von Fußball ist die Rede. Nicht von Volleyball - auch dieser Anlass wäre gerechtfertigt. Nicht von Tischtennis. Nein, von Poolbillard. Die Erste spielt in der Bundesliga. Die Zweite mischt als Aufsteiger in die Oberliga vorn mit. Sieben Mannschaften sind im Spielbetrieb. Vor wenigen Tagen durften sich Beteiligte ins Ehrenbuch der Stadt eintragen. Doch an der Basis der SG passiert mehr. Eine Jugend- und eine Frauenmannschaft sind ins Leben gerufen worden. Ramona Firle - ein Glücksfall für den Verein - trainiert beide. OSTHESSEN|NEWS war zu Gast beim Training.


Ramona Firle ist stolz. Stolz, dass sie den Eintritt in die SG Johannesberg gefunden hat. Stolz, dass sie dort eine Aufgabe gefunden hat, wie sie betont. Und stolz, dass sie eine Jugend- und eine Frauenmannschaft trainiert bei der SG. Das ist erstmals im rührigen Verein der Fall. Seit September nimmt sich die 43-Jährige - einst Hessenmeisterin im Jahre 1999 und zwei Jahre später Fünfte der Deutschen Meisterschaften - den Zwölf- bis 15-Jährigen an. Aktuell sind es sechs. Verein und Trainerin wünschen sich natürlich mehr. 

Michael Wahl und Thorsten Hohmann trainierten Firle einst

"Die sind schon richtig gut geworden", sagt sie, "man sieht das einfach. Sie spielen einen Stopball. Einen Nach- oder Rückläufer". Seit 25 Jahren spielt Ramona Firle Billard. Einst beim PBC Fulda, der große Erfolge feierte. Trainiert wurde sie von Michael Wahl - dem heutigen Kadertrainer der Deutschen Billard Union (DBU) - und Raphaels Vater; Raphael gehört aktuell der ersten Mannschaft, dem Bundesliga-Team der SGJ an. Ramonas damaliger Coach auch: ihr Vor- und Leitbild Thorsten Hohmann, Fuldas Aushängeschild in Sachen Billard und perfekter Kopf für Visiten- und Briefmarke in Johannesberg. "Thorsten hat mich auch gefragt, ob ich in den Verein eintreten will." Und das tat sie im Mai. Und das nicht nur ihrem Ansprechpartner zuliebe. Sie pflegen eine enge Beziehung. Eigentlich ist es ein Geben und Nehmen, denn auch Firle weiß: "Ich brauche eine Aufgabe."

Da passte es, dass Hohmann kürzlich wieder bei seinem Herzensverein zu Besuch war und die Kids trainierte. Die 43-Jährige hat gespürt: "Jugend und auch die Frauen haben mir gefehlt in diesem Verein. Wir hatten ja nur den Pius." Sie meint Pius Baier, die 15-jährige große Nachwuchshoffnung der SGJ. Selbstredend wünscht sie sich auch mehr Frauen. Der Verein besetzt mit der Bildung dieser Teams quasi einen weißen Fleck auf der Poolbillard-Landkarte Hessens, denn noch sind Jungs und Frauen selten anzutreffen in dieser im Aufwind befindlichen Sportart. 

Einstieg für Sommer nächsten Jahres geplant - Verein unterstützt

Der Einstieg in den Spielbetrieb ist für Sommer nächsten Jahres geplant. "Sie brauchen halt Training. Und immer wieder Wiederholungen. Und es muss ihnen Spaß machen", erklärt Firle. Gleichermaßen beobachtet sie Fortschritte. "Sie machen das super. Eineinhalb Stunden volle Konzentration. Sie ziehen das durch." Die 43-Jährige realisiert, dass es läuft. "Der Verein unterstützt mich, wo es geht. Er bezahlt die Ausbildung. Auch wenn ich Unterlagen oder Queues benötige." Gerade ist sie dabei, die Stufe zur Trainerassistentin zu nehmen. Übrigens trainiert sie nach den Lehrbüchern von Ralph Eckert, dem zukünftigen Nationaltrainer Deutschlands.

Nicht zuletzt Alexander Peer, Abteilungsleiter Poolbilliard bei der SG Johanesberg und zweiter Vorsitzender des Gesamtvereins, freut sich über diese Entwicklung. Er spricht von einer "Grundlage für unser solides Wachstum" und ergänzt: "Durch den Anbau unserer Räumlichkeiten schaffen wir die Kapazität für mehr als 100 Mitglieder." Peer platzt fast vor Stolz, der sich rund um den Verein breitmacht. Dieser Tage ist die Baugenehmigung eingegangen über fast 100 Quadratmeter zusätzlicher Fläche - was einem Investitionsvolumen von 240.000 Euro entspricht. Hinzu kommen drei Tische - jetzt sind es insgesamt neun. Die stehen im April kommenden Jahres zur Verfügung; deren Kosten belaufen sich auf 52.000 Euro. "Die Finanzierung steht", strahlt Peer.

Sportliches Ziel ist und bleibt es natürlich, eigene Talente zu entwickeln. Die Frauen spielen bei den Männern mit und werden dort integriert - die Jugendlichen sollen schnellstens herangeführt werden. "Wir werden vielleicht Hessenmeister haben im nächsten Jahr", hofft Peer, "Pius Baier ist es ja schon". Ein spezielles Ziel mit den Frauen schiebt der Abteilungsleiter nach: "Sie sollen an Inlandsturnieren teilnehmen und dort den Titel holen." Bescheiden klingen seine Vorhaben nicht, und sie stehen für gewachsenes Selbstbewusstsein bei der SGJ. "In zwei Jahren will ich Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft haben." (wk) +++

X