Fazit nach der Hinserie
SV Steinbach: Das gallische Dorf der Hessenliga hat seinen Namen poliert
Fotos: Bernd Vogt
14.12.2022 / REGION -
Das gallische Dorf der Hessenliga hat sich einen Namen gemacht. Punktuell schon in den Jahren zuvor - doch nachdem gut die Hinrunde der höchsten Spielklasse des Landesverbandes absolviert ist, noch mehr. Es hat ihn poliert. Gemeint ist der SV Steinbach, der sich nach 21 Spielen am gesunden Mittelmaß orientiert. Neunter ist er - auch in den Teilbilanzen. Das spricht für gewonnene Stabilität. Und stets, wenn man den Sportplatz am Mühlengrund verlässt, hat man das Gefühl: die junge Mannschaft gibt Gas.
"Für uns ist das ein riesiger Erfolg", sagt Petr Paliatka, "viele Leute können nicht einschätzen, wo und in welcher Liga wir spielen. Und wo wir stehen". Steinbachs Trainer, der sich seit sage und schreibe 16 Jahren für den Verein engagiert, ordnet das bisherige Abschneiden aus der Sicht eines Coaches genauer ein. "Wenn wir im Sommer geredet hätten, hätte ich gesagt: ein Wahnsinns-Erfolg. Mit den errungenen 32 Punkten bin ich dabei. Auch, weil wir mit Jannis Kehl, meinem Sohn und Alex Reith drei Neue bekommen haben."
Fußball im Mühlengrund hat mit Unterhaltung zu tun
Wenn sein Team öfter komplett gewesen wäre, ergänzt er, wäre mehr möglich gewesen. Eine wichtige Erkenntnis - und man spürt Stolz in seiner Aussage - schiebt er nach: "Du gewinnst nicht mit Glück oder Zufall. Du hast auch gut gespielt." Keine Frage: Fußball im Mühlengrund hat mit Unterhaltungswert zu tun. Spieler wie Thore Hütsch, der samt Eltern die WM in Katar besuchte, Jan-Luca Uth oder Max Stadler haben sich prima entwickelt in den beiden letzten Jahren. Jannis Kehl, Petr Paliatka und ansatzweise Rückkehrer Leon Wittke brachten frisches Blut ins SVS-Leben. Selbst Routinier Petr Kvaca, der einst die Substanz für höherklassigen Fußball besaß, opfert sich fürs Team auf. Und bei der Behauptung, Philipp Bagus sei Osthessens bester Torwart, macht man so viel nicht falsch.Bleiben zwei Personalien, die es in sich haben. Die eine ist Alex Reith. Was er drauf hat, weiß jeder in Osthessen. Wie er sich in seinem x-ten Frühling in den Dienst der Mannschaft stellte, das verblüffte. "Nicht nur im Spiel, auch in jedem Training: Er gibt immer Vollgas. Je mehr er gespielt hat, desto besser wurde er", lobt sein Trainer. Dass er sich zum Dirigenten und Taktgeber aufschwang, ist bei Reith kein Wunder. Die andere ist Michael Wiegand. Ohne viel Training kam der Kreativ- und Mannschaftskopf zu vielen Einsätzen. Und fast immer füllte er seine Rolle gut aus. Schon im Mai kündigte er an, seine Arbeit ließe es nicht zu, viel zu trainieren. Auch der anstehende Bau eines Hauses mag eine Rolle gespielt haben. Doch der Trainer sagt, wie es kam. "Ich hab' ihn oft angerufen: Michi, wir brauchen dich. Und er kam immer." Michaels Vater Jürgen wird sich freuen, dass er in der Erziehung nicht so viel falsch gemacht hat.
Nur sieben Punkte vor dem Abstiegs-Relegationsplatz - schmaler Kader
Bei allem Lob darf man nicht vergessen: Der SVS liegt gerade einmal sieben Punkte vor dem Abstiegs-Relegationsplatz, den Aufsteiger Unter-Flockenbach einnimmt. Und sich sechs Direkt-Absteiger vom Leib zu halten, auch das ist alles andere als leicht. Nachlassen gilt also nicht. Auch der schmale Kader zwickt ab und an - etwa, als der Trainer in Neuhof selbst ran musste oder als Co-Trainer David Fladung ins Tor musste, als sich mit Bagus und Alex von Butler beide Keeper verletzt hatten. "Im Sommer wollen wir uns breiter aufstellen", verrät der Coach.Doch die Stimmung ist gut im Mühlengrund - und Paliatka senior betont: "Der Einzige, der die Jungs stört in der Kabine, das bin ich." Gut, dass er gerade zum Skilaufen im tschechischen Spindlermühle ist. "Hier waren wir schon im letzten Jahr. Meine Frau hat zu dieser Zeit immer Geburtstag. Und wir haben Hochzeitstag", lacht der Trainer. Das ist fast so wichtig wie sein Schlusswort. "Wir haben 32 Punkte. Und wir sind immer noch das kleine Steinbach." Ein Fleck Gallien in Osthessen. (wk) +++