Während Corona in die Selbständigkeit

Die Besten der Besten: Kim Kevin Brassel startet mit "Novus"-Salon durch

Elf Friseure erfüllen im neuen Novus-Salon in der Alten Molkerei in Alsfeld nun alle Kundenwünsche.
Fotos: Lavina Engel / Luisa Diegel

16.12.2022 / ALSFELD - Während der Corona-Pandemie waren unter anderem die Friseure, die am meisten unter den Entscheidungen der Bundesregierung zu leiden hatten. Doch genau diese Zeit nutzte der Alsfelder Kim Kevin Brassel, um sein Business voranzutreiben. Der Friseur machte sich während der Pandemie selbständig. Und kann schon jetzt auf eine Erfolgsgeschichte zurückblicken, die ihresgleichen sucht.


Doch von vorne: Vor über neun Jahren machte Brassel sein Abi - und war dann auf der Suche nach seinem Traumjob. "Meine Eltern wollten immer gerne, dass ich studieren gehe. Das war aber nie der Weg, den ich gehen wollte", erinnert er sich im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS zurück. Ein Praktikum in der Dialyse zeigte ihm, dass das nicht der richtige Beruf für den 29-Jährige ist - klar war für ihn allerdings immer, etwas mit Menschen machen zu wollen. 

Verkürzte Ausbildung als Innungsbester

"Als kleiner Junge habe ich immer zu meiner Mama - die selbst Friseurin ist - gesagt, dass ich später auch mal Friseur werde. Für mich war es immer einer der schönsten Berufe, die man machen kann." Und so kam es dann schlussendlich auch: "Die Chefin meiner Mama hat mich gefragt, wann ich endlich im Salon anfangen würde - es wäre doch immer mein Traum gewesen. Ich habe kurz überlegt und dann sofort entschieden: Okay, das machen wir jetzt. Ich bin also morgens aufgestanden und wusste abends noch nicht, dass ich Friseure werde", sagt und lacht er. 

Der Lehrvertrag wurde sofort unterschrieben, dann suchte sich Kim eine Wohnung im Marburg. Seine Ausbildung konnte er wenig später schon früher als geplant abschließen - aufgrund überdurchschnittlicher schulischen Leistungen, zudem wurde er Innungsbester und bekam ein Stipendium. "Der erste Meilenstein war gelegt. Das Stipendium habe ich allerdings nicht genutzt, da ich die Innung gewechselt hatte. Ich habe dann bei einem Unternehmen in Pohlheim (Landkreis Gießen) angefangen. Dort habe ich jede Weiterbildung, die ich besuchen konnte, mitgenommen."

Unter den Besten der Besten

Ein guter Freund habe Brassel dann nach seinem Wechsel nach Alsfeld dazu bewogen, beim National Trend Vision Awards der Wella Company mitzumachen. Anfangs war der Friseurmeister allerdings davon gar nicht begeistert. "Ich war zwar Innungsbester geworden, aber bei diesem Wettbewerb machen die Größten der Größten aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz und Italien mit. Und ich war mir sicher: Ich bin doch nur ein kleines Licht." Sein Freund habe allerdings so lange rumgestichelt, bis er schließlich in einer Nacht- und Nebelaktion seine Unterlagen für den Wettbewerb eingeschickt hatte - und wenig später eine Vorladung bekommen hat. "Schon alleine das war eine große Überraschung. Dort kannst du von den Besten der Besten lernen - und mir ging es immer um den Lernprozess." Brassel erreichte schlussendlich den dritten Platz, ein Jahr später landete er sogar auf Platz 2. 

Vor zwei Jahren fasste der Alsfelder dann den Entschluss, sich selbständig zu machen. "Ich wollte nicht stehenbleiben, das war für mich das Schlimmste." Doch genau in dieser Zeit machte die Corona-Pandemie Kim fast einen Strich durch die Rechnung: "Jede Bank hat zu mir gesagt, das sei Wahnsinn. Aufgrund von Corona haben mich alle abgelehnt." Dadurch ließ er sich aber nicht unterkriegen: "Ich dachte mir, Haare müssen immer geschnitten werden - und ich weiß, was ich kann." Deshalb zog er selbst los, kaufte sich für einen fünfstelligen Betrag erste Möbel für seinen Salon. Schlussendlich wurde seine Hartnäckigkeit belohnt - und eine Bank gewährte ihm den Kredit für den Weg in seine Selbständigkeit. 

Während Corona in die Selbständigkeit

Eine Woche nach Auszahlung des Geldes gingen die Vorbereitungen los, im Frühjahr 2021 eröffnete der 29-Jährige mit acht Angestellten während der Corona-Krise seinen eigenen Salon "Novus" in Alsfeld. Dabei war Brassel immer optimistisch: "Mein Leitfaden ist immer, dass das Wasser nicht wärmer wird, wenn ich später springe." Zudem war die Unterstützung von Familie, Freunden und seinem Team enorm: "Sie alle haben mir Halt gegeben und ich wusste, sie sind für mich da, wenn es nicht funktionieren sollte."

Doch das Gegenteil war der Fall: Ein halbes Jahr nach der Eröffnung war der Salon "Novus" drei Monate im Voraus ausgebucht. "Es war also schnell klar, der Platz reicht nicht und wir brauchen mehr Leute." Gesagt, getan. Nach genau einem Jahr traf Brassel die Entscheidung, sich zu vergrößern. In den Räumlichkeiten der Alten Molkerei in Alsfeld fand er einen neuen Standort, in den er nun mit insgesamt zehn weiteren Friseuren vor wenigen Wochen eingezogen ist. 

Novus hat die besten Friseure

"Wir decken alles ab - von Schneiden, Farbe bis hin zu Make-up." Und dass das Novus-Team in der Liga ganz oben mitspielt, zeigen die kürzlich gewonnen Auszeichnungen: "Beim letzten Wettbewerb National Trend Vision Award haben wir alle teilgenommen. Und von 9.000 Mitbewerbern haben wir die ersten drei Plätze belegt", erzählt er uns stolz. Kein Wunder, sind doch alle Friseure in Brassels Team Master of Colour und ausgebildete Calligraphisten. "Es platzte also eine Bombe nach der anderen" - und das Telefon stand im Novus nicht mehr still. "Wir haben Kunden, die kommen extra aus München oder der Schweiz hier zu uns zum Friseur", verrät Kim. "Das hätte ich wirklich nie gedacht - ich bin doch nur der kleine Kim aus Alsfeld."

Das Angebot für Mann und Frau in allen Altersklassen überzeugt eben. Und das Gute: "Wir nehmen noch Neukunden auf. Aktuell haben wir eine Anlaufzeit von drei bis fünf Wochen." (ld) +++

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