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Das Leben an der Seite eines Profi-Trainers

Wie Nicole und Johannes Weber zu Markus Pflanz' Erfolg als Trainer beitragen

Zwischen Markus Pflanz und seine Frau Nicole passt kein Blatt Papier
Fotos: Privat

19.12.2022 / BURGHAUN - Es ist Dezember, ein paar Tage vor Weihnachten und Markus Pflanz ist da, wo er die meiste Zeit ist. Nicht zuhause bei seiner Familie. Der Co-Trainer des belgischen Erstligisten VV St. Truiden wird auch nicht über die Weihnachtsfeiertage da sein, da am 21. Dezember, ein Pokalspiel gegen Club Brügge anliegt und am 27. Dezember die Rückrunde gegen Zulte Waregem startet. Für seine Frau und seinen Sohn im heimischen Langenschwarz keine leichte Situation. OSTHESSEN|NEWS hat die Familie besucht. 



"Es ist das dritte Weihnachten in Folge, das wir getrennt voneinander verbringen", sagt Pflanz' Ehefrau Nicole. Natürlich, so möchte man meinen, könnte die Familie zusammen in Belgien feiern, aber so einfach ist das nicht. "In unserem nahen Umfeld gibt es einen sehr wichtigen Menschen, der sehr krank ist und den ich über die Feiertage nicht "allein" lassen möchte. Ich hätte auch gerne, dass wir Weihnachten alle zusammen feiern und das Markus hier bei uns ist, aber das geht leider nicht. Manchmal muss man die eigenen Wünsche hintenanstehen lassen, wenn es um Menschen geht, denen das Schicksal übel mitgespielt hat", so Nicole weiter. "So ist meine Frau", sagt Markus Pflanz, "sie denkt niemals an sich selbst, sondern immer an andere. Persönliche Eitelkeiten kennt Sie nicht und das ist eines der vielen Dinge, die ich so an Ihr schätze und liebe. Sie ist die stärkste Person, die ich kenne."

"Es fehlt nicht nur der Ehemann, sondern auch der beste Freund"

Seit zweieinhalb Jahren verfolgt Markus Pflanz nun seinen Traum vom Profifußball. Am Anfang ist seiner Frau die Tatsache, dass er nur noch alle zwei Wochen für maximal zwei Tage zuhause war, noch nicht so schwer gefallen. "Aber seit er weg ist, ist nicht nur mein Ehemann unregelmäßig zuhause, sondern auch mein bester Freund. Ich kann mit ihm über alles reden, von Politik bis zum größten Unsinn. Das fehlt am meisten. Wir haben allerdings auch schon schlimmeres überstanden. Ich weiß nicht, ob ich mit einem anderen Mann so weit gekommen wäre."

Sie lässt keinen Zweifel daran, dass in der Beziehung zwischen ihr und ihrem Mann kein Stück Papier passt. "Andernfalls würde das auch so nicht funktionieren". Ihr Miteinander ist stabil. Ihre Beziehung harmonisch. Nicole ist sich so sicher, dass ihre Aussage in eine Liebeserklärung mündet. "Das hat jetzt fast 20 Jahre gehalten, das hält auch noch 40."

Pflanz erfüllt sich den Traum vom Profifußball

Rückblende: Zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass Markus Pflanz nach Belgien auszog. Er nahm Alex Blessins Angebot an, mit ihm zum KV Oostende in die Jupiler Pro League zu wechseln. Für alle kein leichter Schritt. Für Markus nicht - er konnte sich wenigstens seinen Traum erfüllen und Fußballtrainer im Profibereich werden. Für Nicole nicht, weil sie sich - zumindest zunächst - mit Sohn Johannes allein zurückgelassen fühlte in Langenschwarz. Auch wenn der Schritt im Vorfeld ausgiebig diskutiert wurde, fühlte sich die Realität dann doch ganz anders an. "Zwischen traurig, wütend und allein" fühle sie sich, "doch Markus weiß, dass ich das nicht so meine". Die Mutter und Ehefrau präzisiert: "Das erste Jahr war härter als jetzt."

Spätestens jetzt kommt Johannes ins Spiel. Der war noch in der Pubertät, als sein Vater in die Welt auszog. Corona schwappte über Deutschland. Nix war's mit Präsenz-Unterricht in der Schule. Weber junior war acht Monate zu Hause. "Im ersten Moment war es für einen 15-Jährigen schon schwer. Es war schon schwer, als Markus gegangen ist." Doch Vater und Sohn waren "schon immer dicke" - vor allem, wenn es um Fußball ging. "Da sind wir fast immer einer Meinung. Und wenn nicht, dann kracht es mal richtig." Typisch, wenn ein Steinbock auf einen Widder trift. Heute sagt Johannes: "Ich bin immer noch stolz, dass er so weit gekommen ist."

"Mama ist mit Abstand die Nummer eins. Und Papa ist einzigartig"

Und die Zeit ohne seinen Vater, die hat Mutter und Sohn so richtig zusammen geschweißt. Durch die Distanz ist eine Lücke entstanden. "Ich hab' 'ne Mama-Papa-Rolle eingenommen", sagt Nicole in ihrer ironisch-schmunzelnden Art. Aber es ist treffend. "Mama war schon immer die Nummer eins", bricht es aus Johannes heraus, "niemand kann sie ersetzen. Sie steht an erster Stelle. Mit Abstand". In Sekundenschnelle eint der heute fast 18-Jährige, der für die A-Junioren des Gruppenligisten JFV Burghaun/Haunetal kickt, die Dreier-Beziehung. "Dann kommt Papa. Der ist einzigartig. Es gibt keinen, der so ist."

Während Nicole meint, ihr Mann habe gerade die pubertäre Phase ihres Sohnes verpasst, gibt sie selbstredend einen Teil des stimmigen Verhältnisses zwischen Geben und Nehmen zu Johannes zurück. "Ich kenne ihn halt. Und merke, wenn irgendetwas nicht stimmt." Jahrelang schon fahren Mutter und Sohn gemeinsam in den Urlaub. "Im Sommer war ich immer mit Johannes allein", hat sich Nicole längst in diese Rolle hineingefunden. Seit acht Jahren, die beiden Corona-Jahre ausgenommen, fliegen sie in die Türkei. Mallorca, Teneriffa, Kreta oder Andalusien waren andere Ziele. "Seit ich sechs bin", erklärt Johannes, "verbringen wir den Sommerurlaub zusammen".

Täglicher telefonischer Kontakt - Wiedersehensfreude ist groß

Warum Markus nicht mitgekommen ist? Auch wegen des Fußballs natürlich. Egal welchen Verein er trainierte, er blieb aufgrund der Vorbereitung zuhause. "Man kann niemals etwas von jemandem einfordern, was man selbst nicht vorlebt. Er kann von seinen Spielern nicht verlangen, ins Training zu kommen, und er selbst ist nicht da", sagt Nicole.  Seit 19 Jahren waren sie nicht einmal richtig zusammen im Urlaub. Drei Tage Mallorca, zwei Tage Hamburg, erst vor Kurzem - nach St. Truidens letztem Heimspiel vor drei Wochen - drei Tage Amsterdam. Das wars. Dafür halten sie, seitdem Markus in Belgien tätig ist, telefonisch regelmäßig Kontakt. "Eigentlich jeden Tag", bestätigt Nicole, "sechsmal die Woche, manchmal eineinhalb bis zwei Stunden". Auch wenn Nicole hier und da mal sagt, "heute brauchst du nicht anzurufen" - Markus weiß wieder, wie sie es meint.

Die Wiedersehensfreude ist natürlich groß zwischen den Webers und dem Trainer. Jeder der Drei bringe Opfer, um der Beziehung Nahrung zu geben, betont die Mutter. Doch als Markus "vor zwei oder drei Monaten um halb fünf Uhr morgens vor dem Schlafzimmer stand", war auch sie perplex. "Wegen eines Tages brauchst du natürlich nicht zu kommen", entgegnete sie nur. Rechnungen, Mahnungen, Rasenmähen, Papiere - das alles und noch mehr war Markus' Sache vor der Belgien-Zeit. "Er vergisst aber viel, wenn es nicht um Fußball geht", präzisiert Johannes, "Mama vergisst gar nichts". 

Der Sohnemann hält große Stücke auf seinen Vater

Von der gefühlten Wahrnehmung zur real existierenden. Kein Zweifel, dass der Sohnemann große Stücke auf den Coach hält, der sich im Ausland einen Namen verschafft und auch mediale Anerkennung erworben hat. Während Nicole öfters an der belgischen Nordseeküste in Oostende zu Besuch war - und im Mai beim Umziehen nach Sint Truiden half -, setzten sich auch Johannes' Aufenthalte bei seinem Vater im Kopf fest. Zweimal war er bei Markus und den Kustboys zu Gast: in den Winterferien zum Jahreswechsel von 2021 zu 2022 für eineinhalb Wochen - und im März 2021 gar für drei Wochen.

Markus wohnte im Nordsee-Badeort Middelkerke direkt am Strand. "Acht Kilometer waren es bis zum Trainingsgelände", erinnert sich Johannes, "ich bin mit dem Rad dorthin gefahren. Sechs Kilometer den Strand entlang, zwei durch die Stadt. Wir haben gemeinsam trainiert, Fußball oder Basketball gespielt." Etwas Besonderes blieb zurück. Ein "richtig cooles Erlebnis" war das letzte Spiel des Jahres für die Kustboys aus Oostende. In Leeuwen siegten sie mit 2:1 - nach 0:1-Rückstand. 

"Ich finde, Markus gehört in die erste Reihe. Persönlich. Menschlich. Fachlich"

Vier Wochen ist Markus Pflanz zwischen den Spielzeiten in der Regel in Langenschwarz. Zwar reibt sich Nicole etwas daran, dass "er zu meinem Geburtstag noch nie zu Hause war" - im gleichen Atemzug aber blickt sie nach vorn. "Es ist ja nur noch ein halbes Jahr bis zum Ende dieser Saison. Mir ist es lieber, er bleibt nochmal da. Und macht in Belgien seinen Fußball-Lehrer." Denn sie hat etwas auf Lager, das ihre Seele berührt. "Ich finde, Markus gehört in die erste Reihe. Persönlich. Menschlich. Fachlich."

Die Webers wissen, was sie am "Auswanderer" haben. "Papa ist die ehrgeizigste Person, die ich kenne", pflichtet sein Sohn bei, "er lebt das Leben - so, dass er in Sint Truiden schon in der ersten Reihe ist". Nicole glaubt, man müsse heutzutage als Trainer "auf die jüngere Generation eingehen können. Und das kann er". Bis sie das nachschiebt, was als Gesetz erscheint. "Fußball ist Pflanz und Pflanz ist Fußball."

"Ich gehe irgendwann dahin, wo Markus stationiert ist. Nehme auch Galatasaray Istanbul"

Ob es so etwas wie einen Plan gebe, dass die Familie wieder gemeinsam unter einem Dach ist oder zusammen zieht? Erst einmal solle Johannes sein Fach-Abi beenden - an der Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld. Danach möchte er eine Ausbildung bei der Bundespolizei beginnen. Im nächsten Jahr will Johannes seine C-Lizenz machen. "Johannes hat ein sehr gutes Verständnis für das Spiel und nimmt Situationen oft vor ihrer Entstehung wahr. Ich bin immer wieder positiv erstaunt, wenn wir Fußball schauen und er Situationen sofort zu 100% richtig analysiert. Er hat auf jeden Fall Talent für das Trainerdasein".

Für Nicole Weber zeichnet sich der Plan ab. "Es ist klar, dass ich irgendwann da hingehe, wo Papa stationiert ist. Ich nehme auch Galatasaray Istanbul." In zwei oder drei Jahren, ergänzt sie, werde sie das machen. Jedoch ist das Trainergeschäft so schnelllebig, dass an langfristiges Planen kaum zu denken ist. 

Die Außenwirkung - wie andere Leute im engeren Umkreis im beschaulichen Osthessen die Familie und den "großen Fußball-Trainer" wahrnehmen - ist Nicole Weber bisweilen unangenehm. Doch auch daran, was Dritte sagen, hat sie sich gewöhnt. Hat ihr Selbstbewusstsein gestärkt. Nicht zuletzt durch Markus, "denn einen aufbauen, das kann er". Das so oft beschworene Verhältnis von Nähe und Distanz, das zieht sich selbstredend wie ein roter Faden durch das Dreier-Beziehungsgeflecht. "Es ist alles anders", findet Nicole, "auch unsere Gespräche. Dinge, die früher wichtig waren, sind jetzt gar nicht mehr so relevant".(wk) +++

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