Heizmittel-Nachfrage und -Preise steigen

Pellet- und Brennholzpreise machen Öl und Gas Konkurrenz

Unsere Wälder bieten mehr als Holz
Fotos (2): Carina Jirsch

28.10.2022 / REGION - "Ich habe mir vor einigen Jahren eine Holzpellets Heizung einbauen lassen und dachte, damit ein richtiges Schnäppchen für meinen Geldbeutel und für die Umwelt zu machen. Jetzt zahle ich knapp 200 Euro pro Monat!", empört sich ein betroffener Pellet-Kunde.



Der Ukraine-Krieg und die damit verbundenen gedrosselten Öl- und Gaslieferungen, die steigende Inflation und die Knappheit an Rohstoffen lassen momentan nicht nur die Preise auf dem Markt für fossile Brennstoffe, sondern auch bei erneuerbaren Brennstoffen wie Holz oder Pellets enorm in die Höhe schnellen. Doch wie sind hessische Anbieter für den kommenden Winter aufgestellt?

Viele Händler sind in ihrem Sortiment seit Sommer dieses Jahres restlos ausverkauft und beliefern nur noch ihre Privat- bzw. Bestandskunden. Andere wiederum geben Wartezeiten von bis zu einem Jahr an und bitten dafür um das Verständnis ihrer Kunden. 

Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage

Allein durch den Konflikt mit Russland fehlen deutschen Holzanbietern etwa 10 Prozent ihrer Bestände aus den vorigen Jahren. "Erschwerend kommt hinzu, dass der Einschlag in den Staatswäldern aus Naturschutzgründen reduziert wurde", berichtet ein befragter Anbieter. Somit kann HessenForst seinen Händlern nur noch 50 Prozent ihrer Vorjahresmenge an Laubholz zusagen, schreibt die Behörde auf ihrer Homepage. Infolgedessen wird nun vermehrt auf Privatwälder zurückgegriffen und Kunden, die ihr Holz oder ihre Pellets zuvor in einem Baumarkt erworben haben, müssen auf regionale Anbieter umschwenken.

Ein zusätzliches Problem ist laut vielen Holzhändlern die weitverbreitete Panik in der Gesellschaft, welche dazu führe, dass viele Kunden jetzt gleich die doppelte Menge an Heizmitteln bestellen und diese zu Hause "hamstern". "Es ist wie zu Beginn der Corona-Pandemie mit dem Klopapier", berichtet ein Pellet-Händler. Die Sorge auf Seiten der Kunden bestände oftmals darin, die hohen Heizkosten für Öl oder Gas nicht mehr bezahlen zu können und deswegen auf das altbewährte Heizmittel Holz bzw. auf Pellets umzustellen.

Energiekrise treibt Preise in die Höhe

Doch nicht nur der Bevölkerung bereitet die momentan herrschende Energiekrise Sorgen, sondern auch den Holzbetrieben. Denn durch die Trocknung des Holzes in sogenannten Trockenkammern und den Maschinen zur Pellet-Pressung, welche mit Strom betrieben werden, nehmen die Produktionskosten enorm zu und spiegeln sich schlussendlich im Preis des erneuerbaren Rohstoffes wider, sodass ein Raummeter Hartholz mittlerweile bis zu 150 Euro kostet und eine Tonne Pellets um die 700 Euro. Trotz dieser Einschränkungen und derzeitigen Überlastungen bleiben die Holzhändler optimistisch und geben ihr Bestes, um ihre Kunden mit Heizmitteln zu versorgen.

Wie funktioniert richtiges und effizientes Heizen?

"Erneuerbare Brennstoffe haben in der letzten Zeit einen hohen Preis angenommen und müssen aufgrund dessen effizient genutzt werden", erklärt Timo Rützel Geschäftsführer von Brennholz Rützel.

Auf der einen Seite sei es wichtig, das verbreitete Gerücht, dass Nadelholz dem Ofen schade, aus der Welt zu schaffen. "In Österreich oder Skandinavien wird ausschließlich mit Nadelholz geheizt und die haben auch keine anderen Öfen als wir hier in Deutschland, und dort ist es noch viel kälter", teilt Marcel Bender, Geschäftsführer der Firma Stammholz Bender, mit. Ganz im Gegenteil sei Nadelholz zum Anfeuern eine der effizientesten Holzarten, da es ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis darstelle.

Somit wollen die Händler eine Win-win-Situation schaffen. "Wir möchten ein Umdenken bei unseren Kunden bewirken. Denn wir haben das einfache Nadelholz ausreichend verfügbar, auch wenn es qualitativ durch den Befall des Borkenkäfers nicht astrein ist, brennt es trotzdem genauso gut wie das begrenzt vorhandene Laubholz", betont Marcel Bender.

Darüber hinaus empfehlen die Anbieter vor allem, mit trockenem Holz oder Pellets zu heizen, um den C02-Ausstoß zu minimieren und eine maximale Wärme in der Wohnung zu erzeugen. "Außerdem sollte man mit dem Kachelofen nur zur normalen Heizung hinzuheizen, wodurch man ein angenehmes Gleichgewicht zwischen der Nutzung fossiler und nachwachsender Brennstoffe hat und somit am preiswertesten heizt", betont Timo Rützel.

 Tipps zum effizienten Heizen

·  Qualitativ hochwertige Öfen nutzen
·  Regelmäßige Kontrolle des Ofens durch den Schornsteinfeger
·  Trockenes Holz oder Pellets nutzen
·  Mit Nadelholz anheizen und danach Laubholz zum Auflegen nutzen
·  Ofen nur als zusätzliche Wärmequelle nutzen. (Hannah Kaufmann) +++

 

 

 

 



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