Nächster Gegner der SG Barockstadt
Koblenz-Coach Oliver Reck: Müssen dringend punkten - Hersfelder Stark verletzt
Das Team des Regionalligisten Rot-Weiß Koblenz
Fotos: FC Rot-Weiß
21.10.2022 / KOBLENZ/FULDA -
Angenommen, in der Johannisau gäbe es ein deutsches Fußballmuseum, Oliver Reck hätte gewiss freien Eintritt - bei seinen Verdiensten um den deutschen Fußball. Am Samstag ist der Trainer des Südwest-Regionalligisten Rot-Weiß Koblenz zu Gast bei der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz (Anstoß 14 Uhr). Und ungeachtet der Tabellensituation - der Sechste trifft auf das Schlusslicht der 18-köpfigen Rangliste - scheint ein spannendes Duell bevorzustehen. OSTHESSEN|NEWS hat sich ein wenig auf Spurensuche begeben.
Reck hat genügend Erfolge und Daten vorzuweisen, die seinen Briefkopf oder seine Visitenkarte schmücken. Zweimal war der einstige Torwart - bei Werder Bremen erlebte er seine besten Zeiten - deutscher Fußballmeister (1988, 1993), zudem Europapokalsieger der Pokalsieger (1992), viermal DFB-Pokalsieger, Europapokalsieger mit der DFB-Auswahl 1996 in England, als Oliver Bierhoffs "Sudden-Death-Goal" das gesamte Land verzückte, und auf stattliche 471 Bundesliga-Spiele brachte es der gebürtige Frankfurter.
Oliver Reck: Rede ungern über frühere Zeiten. Lebe im Hier und Jetzt
Doch von alldem möchte er jetzt nichts wissen. Jedenfalls nicht allzu viel. "Ich rede ungern über meine Zeiten, die mal waren", sagt der mittlerweile 57-Jährige. "Ich lebe im Hier und Jetzt. Was früher war, war früher." Er wischt die Frage, woran er sich am liebsten erinnere in seiner Karriere als Spieler oder Trainer, pragmatisch beiseite. Und auf die Frage, was dafür spricht, dass sein Team am Samstag in Fulda punkten könnte, antwortet er nüchtern: "Weil wir die Punkte dringend brauchen."
Reck ertappt sich, wie so manch anderer in Fulda auch, wenn er den Namen des Gegners verwendet. Von "Borussia Fulda" spricht er, was ja auch ein bisschen stimmt. "Ich habe früher mit Kickers Offenbach gegen Borussia Fulda gespielt", liefert er den kurzen Grund über Vergangenes. Er ist sich bewusst darüber, was sein Team am Samstag erwarten könnte. "Wie jedes andere Spiel auch, wird es ein äußerst schweres Spiel für uns. Fulda verfügt über eine sehr erfahrene Truppe, die auch mit vielen jungen Spielern besetzt ist." Und um Lob für den Kontrahenten ist er nicht verlegen. "Das zeigt, wenn man beharrlich ist, welcher Erfolg sich einstellen kann."
Thomas Voigt: Wollen uns in der Regionalliga etablieren
Von Reck, der seit Beginn dieser Saison für die Rot-Weißen arbeitet, zu Thomas Voigt. Der ist der Vorstand des Bereiches Kommunikation. Er verrät ein bisschen über Ziele, Ausrichtung und Philosophie der "Elf vom Deutschen Eck", wie sich Rot-Weiß Koblenz werbewirksam nennt. "Wir wollen uns in der Regionalliga etablieren", sagt er. Als Ziel vor Beginn der Runde hatte "RWK" einen "gesicherten Mittelfeld-Platz" ausgegeben. "Weg von den Abstiegsplätzen. Von denen wollten wir uns fernhalten." Jetzt beträgt der Abstand zum ersten Nichtabstiegsplatz, den der VfR Aalen innehat, sechs Punkte. Hessen Kassel und Rot-Weiß Walldorf belegen die Ränge zwischen beiden Teams.
Koblenz riecht nach Tradition. Auch das Stadion Oberwerth. Doch all die Meriten in der Vergangenheit heimste der TuS Koblenz ein. "Der TuS und Rot-Weiß sind zwei unterschiedliche Vereine", betont Voigt. Die Rot-Weißen haben sich als Fußballabteilung ausgegliedert - der TuS, der bestimmende Sportverein der knapp 115.000 Einwohner zählenden historischen Stadt in Rheinland-Pfalz, ist fußballerisch immerhin in der Oberliga vertreten.
Im Kader der Rot-Weißen herrscht eine hohe Fluktuation. "Das ist bei uns immer so", bemerkt Voigt, "vor allem dadurch, dass wir keine großen finanziellen Mittel haben. Wir bieten unseren Spielern in der Regel nur Einjahresverträge an. Bestes Beispiel für den "Ausbildungsverein" ist Valdrin Mustafa, den es nach Verl zog - dann aber nach Elversberg ging. Jenes Team, das als Aufsteiger und derzeitiger Tabellenführer der 3. Liga tüchtig für Furore sorgt. RWK bietet ein weitgehend junges Team auf, mit Alexis Weidenbach und Alem Koljic stehen nur zwei erfahrene Kicker im Kader.
Das Aufeinandertreffen zweier Ex-Hohe-Lufter fällt aus
Unterdessen fällt das Aufeinandertreffen zweier Hersfelder aus. Beide spielten einst für den Nachwuchs des FSV Hohe Luft. Louis Fuchs sitzt bei der SGB voraussichtlich auf der Bank - der 24-jährige Christian Stark, der von Kickers Offenbach nach Koblenz wechselte, fehlt verletzt. Stark wagte einst als Zwölfjähriger den Sprung in die Nachwuchsabteilung des damaligen Erstligisten Hamburger SV. Sei's drum: Oliver Reck befindet sich zwischenzeitlich auf seinem Weg vom Fußballmuseum an die Seitenlinie in der Johannisau. (wk) +++