Redaktionsgespräch mit Müller und Bug (CDU)
Für ihre Heimat ziehen beide an einem Strang - Entscheidung am 20. Oktober
Fotos: Marius Auth
13.10.2022 / REGION -
Von erbittertem Konkurrenzdenken keine Spur. Dabei wetteifern die beiden CDU-Politiker Sebastian Müller und Christian Bug gegenwärtig darum, wer sich um das Landtagsmandat im Wahlkreis Fulda II bewirbt. Die Entscheidung werden die Delegierten bei einem Parteitag am 20. Oktober im Gemeindezentrum Künzell treffen. Auf Einladung von O|N standen Müller (34) und Bug (35) für ein redaktionelles Gespräch zur Verfügung, das ebenfalls Beleg für ihr faires Miteinander war.
Bug verweist auf das gegenwärtige Manko, wonach seit dem Ausscheiden des Lauterbachers Kurt Wiegel kein aktiver Landwirt und niemand mit handwerklichem Hintergrund mehr in der CDU-Landtagsfraktion vertreten sei. "Das Parlament spiegelt nicht die Gesellschaft wider", bedauert der 35-Jährige, der sich selbst einen "absoluten Teamplayer" nennt, "der aber mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält". Er sei ein Freund von einer ehrlicher Streit- und Debattenkultur: "Das wird man auch in Wiesbaden feststellen". Ihm mache es große Freude, in den Fraktionen anzupacken, denn: "Ich möchte etwas bewegen".
Ausdruck von Demokratie
Beide schwärmen für ihre Heimat, für den großen Zusammenhalt untereinander und den sehr robusten Arbeitsmarkt. Gleichwohl hat sich Müller vorgenommen, sich für bessere Rahmenbedingungen gerade für Ehrenamtler und für einen Abbau von überbordenden bürokratischen Vorgaben einzusetzen. Zudem müsse die Gesundheitsvorsorge und Pflege im Fokus der Bemühungen stehen, "und unsere Region muss in Wiesbaden aus ihrem Schattendasein heraus". Sprich: Osthessen müsse wieder in der Regierung vertreten sein, wie es einst beispielsweise mit einem Wirtschaftsminister Dr. Alois Rhiel oder den Staatssekretären Dr. Walter Arnold und Dr. Wolfgang Dippel der Fall gewesen sei.
"Kindergärten und Kinderkrippen sind wichtig, noch besser wäre es allerdings, wenn Eltern die Zeit und die Sicherheit hätten, sich selbst um ihre Kinder zu kümmern. Kinder sind unsere Zukunft, das müssen wir als Gesellschaft leisten" fügt Bug an. Zudem gelte es, sich dem Thema Mobilität - gerade auch in den ländlichen Gebieten - verstärkt zuzuwenden. Wichtig ist ihm auch die Problematik "Lückenbebauung in Ortschaften"; ein Thema, bei dem oftmals auch der Denkmalschutz über das Ziel hinausschieße. Die Bürokratie der deutschen Amtsstuben sei in den letzten Jahren übertrieben worden und belaste sowohl Privatpersonen als auch Betriebe und Unternehmer stark, obwohl vonseiten der Politik der "Bürokratieabbau" schon seit 20 Jahren versprochen werde. Bug mahnt an: "Vielleicht muss da mal jemand von der Basis ran."
Der gebürtige Hofbieberer war zuvor lange Zeit als Beamter im gehobenen Verwaltungsdienst beim Landkreis Fulda und hier zuletzt neun Jahre lang als Persönlicher Referent von Landrat Bernd Woide tätig gewesen. Auf politischer Ebene engagiert er sich nach JU-Zeiten im Bezirksvorstand Osthessen und im CDU-Gemeindeverband Hofbieber, wo er als stellvertretender Vorsitzender aktiv ist. Zudem ist er als Gemeindevertreter Mitglied des Haupt- und Finanzausschusses in seiner Heimatgemeinde, wo er gemeinsam mit Partnerin Alena in seinem Elternhaus wohnt, die er 2023 heiraten wird. Die Verbundenheit zur Region und die Verwurzelung im ländlichen Raum wird unter anderem deutlich in seiner Tätigkeit als Nebenerwerbslandwirt und in der Waldarbeit sowie in der Mitgliedschaft bei verschiedenen Vereinen wie dem Trommel- und Fanfarenzug und der Karnevalsgesellschaft Ho-Bi-Fa.
Zur Person Christian Bug
Seit 2016 ist er Mitglied in der Gemeindevertretung Petersberg und mittlerweile dort stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Bei der Kommunalwahl 2021 war er von Platz 47 um 16 Ränge nach vorne und damit in den Kreistag gewählt worden. Gerne erinnert sich Bug daran, wie bei einer Veranstaltung der hessischen Landjugend in Wiesbaden der damalige Ministerpräsident Volker Bouffier auf ihn aufmerksam geworden sei: Einen Tag später habe sein Telefon geklingelt, und er sei mit der Frage konfrontiert worden, ob er denn schon ein "schwarzes Parteibuch" habe. Seit 2012 ist er Mitglied der CDU und seit 2017 in der MIT. Bug ist Vorsitzender der Landwirtschaftlichen Vieh- und Fleischvermarktung Fulda Hünfeld eG, des Widerspruchsausschusses der "Landwirtschaftlichen Sozialversicherung", der Rehkitzrettung Osthessen und ist Schöffe am Ortsgericht Petersberg.
Bug bezeichnet sich im Gespräch bei OSTHESSEN NEWS als "konservativen Typen, da mache ich kein Geheimnis draus". Wichtig sei für ihn, die in der fuldischen Region verankerten Werte zu bewahren "und die Region dennoch modern zu gestalten". Auf der Frage nach politischen Vorbildern sagt Bug: "Franz Josef Strauß fand ich mitreißend, ich kann mich auch gut an der Person Alfred Dregger orientieren. Allerdings kann man deren Politik und Vorgehen nicht 1:1 in die heutige Zeit umsetzen." Sollte er in den Landtag gewählt werden, müsse er sich um seinen Betrieb im Übrigen keine Sorgen machen: "Das ist alles geregelt. Ich habe personelle Vorsorge getroffen, dass alles auch bei meiner Abwesenheit läuft. Wir haben eine klasse Mannschaft."
Müller hat keine speziellen politischen Vorbilder, orientiert sich bei seiner Arbeit an verschiedenen "inspirierenden Persönlichkeiten". Und er versucht, eine eigene Richtung zu entwickeln und in Wiesbaden eigene Akzente zu setzen. Der 34-Jährige: "Ich möchte mein Mandat mit voller Kraft weiter ausführen und verstehe mich als Allrounder, der die Breite der Themen durch berufliche Erfahrung abdeckt. Mein Fokus liegt auf der Mitte der Gesellschaft mit ihren Herausforderungen." (Bertram Lenz) +++