Über Sterne und "Schwaddemagen"

Vom Oberarzt zum Fremdenführer - Wuttke weiß, womit Fulda punktet

OSTHESSEN|NEWS begleitet Wuttke auf seiner heutigen Führung - Wie gebannt hängen die Zuhörenden an seinen Lippen.
Fotos: Henrik Schmitt

17.09.2022 / FULDA - "Ich bin einfach nur Wuttke", sagt der Gefragte bescheiden. Michael Wuttke war immerhin Chefarzt in der Ammerlandklinik in Westerstede und ist jetzt noch Mitglied im Aufsichtsrat des Klinikums Fulda. Jetzt im Ruhestand führt er Gäste professionell durch die Stadt Fulda. OSTHESSEN|NEWS hat ihn auf einer Tour begleitet und gefragt, wer Führungen in Fulda besucht, wie die Stadt wohl von außen wahrgenommen wird - und wie man vom Chefarzt zum Gästeführer wird.



Seine Ausbildung begann auf dem Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Fulda, erklärt der inzwischen 70-Jährige beim gemütlichen Gespräch im Anschluss an die Tour. Dort habe er sein Abitur gemacht und dann Medizin in Köln und Marburg studiert. Im Klinikum Fulda arbeitete er jahrelang als Oberarzt. "Nach 18 Jahren suchte ich eine neue Herausforderung und ging als Chefarzt in die Ammerlandklinik nach Westerstede", erzählt er mit einem Lächeln. Dort wurde er auch später Geschäftsführer. "Der Umgang mit Menschen hat mir Spaß gemacht, jeder ist anders", meint er.

"In der Rente hat es mich dann zurück nach Fulda gezogen", erzählt er weiter. Er spreche aber nicht von einer Rückkehr, sondern stets von Neuanfang. "Als meine Frau als Gästeführerin angefangen hat, habe ich mir gedacht, warum eigentlich nicht."

Die Rosengasse im Herzen der Stadt - früher Straßenstrich?

Auf seinen Touren trifft er alle möglichen Menschen: "Von der Klasse einer Hauptschule über Betriebsausflügler und Großfamilien bis hin zu Seniorengruppen ist alles vertreten", berichtet er. Die heutige Gruppe gehört zu den älteren Semestern, sie möchten am Abend dann das Musical "Robin Hood" besuchen. Generell mache Fulda einen guten Job, wenn es um Tourismus gehe, bilanziert der Stadtkenner.

"Wussten Sie, dass es in vielen mittelalterlichen Städten Rosengassen gibt?", fragt Wuttke die Gruppe. Dahinter verbarg sich meist der Prostitutionsbereich. Wie gebannt hängen die Zuhörenden an seinen Lippen, nie ist er um eine Antwort verlegen.

Landesgartenschau, Musicals, Sternenstadt - Fulda ist auf einem guten Weg

Was den Besuchern besonders gefällt? Wie grün die Stadt vielerorts ist. Der Blumenschmuck und die Arbeit der Stadtgärtnerei beeindruckt die Gäste sehr. Auch das Konzept der Sternenstadt, also nachts die Lichtverschmutzung zu minimieren, findet hohe Zustimmung. "Besonders gut kommen die vielen kleinen Geschäfte an, die lebendige Innenstadt ". Handlungsbedarf wird allerdings beim hohen Verkehrsaufkommen im Innenstadtbereich mit den kleinen Straßen und Gassen gesehen. "Immer wieder fragen mich die Leute bei den Führungen, wie es denn sein kann, dass der Bereich Friedrichstraße nicht zumindest als anliegerfrei deklariert ist".

"Die Stadt muss weiterhin so schön erlebnisreich gestaltet werden", resümiert Wuttke gegen Ende des Gesprächs. Fulda sei hier auf einem guten Weg, die Landesgartenschau und natürlich die Musicals bieten den richtigen Anreiz. Fulda sei schon lange mehr als bloß katholisch und konservativ, wie man früher gesagt habe.

Die Gäste der Tour gehen im Anschluss originellerweise "Schwaddemagen" probieren, manches ändert sich wohl nie. (Moritz Bindewald) +++

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