Förderung von Paxlovid

Anti-Corona-Tablette gegen starke Verläufe des SARS-CoV-2

Das Medikament Paxlovid kann zu Beginn der Corona-Erkrankung eingenommen werden und verhindert schwere Verläufe
Foto: picture alliance / SvenSimon | Frank Hoermann/SVEN SIMON

01.09.2022 / FULDA - Der ein oder andere hat mit Sicherheit bereits von der Anti-Corona-Pille "Paxlovid" gehört, denn diese ist bereits seit Beginn des Jahres in der EU zugelassen. Dennoch wird das Medikament, das einen schweren Verlauf verhindern kann, noch zu selten verabreicht.

OSTHESSEN|NEWS
hat bei Prof. Dr. Kronenberger, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin, Gastroenterologie, Hepatologie, Diabetologie und Kardiologie im Herz-Jesu Krankenhaus nachgefragt, woran das liegt.
 
 Eine Tablette über einen Zeitraum von fünf Tagen einnehmen und schon ist die Gefahr vor schweren Verläufen deutlich reduziert - eigentlich müsste das Medikament viel häufiger verschrieben werden. Schließlich hat die Bundesregierung bereits Ende letzten Jahres eine Million Packungen des Medikaments gekauft, wie O|N bereits berichtet hatte. Allerdings ist der Zeitpunkt der Einnahme das entscheidende Kriterium, weshalb dies bisher noch nicht der Fall ist: "Virusinfektionen funktionieren so, dass Viren in Zellen eindringen und sich ungehindert vermehren und Organe befallen, bis die Immunreaktion einsetzt. Das heißt, dass das Immunsystem Viren und infizierte Zellen erkennt und diese zerstört. Paxlovid ist nur wirksam, wenn noch die Virusreplikation da ist und das Immunsystem noch nicht reagiert hat", so Prof. Dr. Kronenberger, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin des Herz-Jesu-Krankenhauses in Fulda. 

Schnelle Einnahme nach Ausbreitung des Virus  

In der Regel ist die Zeit der Wirksamkeit dementsprechend innerhalb der ersten fünf Tage nach Erkrankung. Das Problem hierbei ist, dass viele Patienten das Virus erst später bemerken, bis die Infizierten dann die finale Diagnose erhalten haben und im Anschluss das Medikament bestellt wurde, können bereits die ersten fünf Tage vorbei sein. Die Diskussionen über einen schnelleren Prozess werden immer lauter und auch Prof. Dr. Kronenberger teilt diese Meinung. "Hierbei gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der infizierte Patient ruft den Hausarzt an, dieser verschreibt das Medikament und der Patient muss es nur noch in der Apotheke abholen oder die Hausärzte haben das Medikament bereits vorrätig." 

Allerdings ist das Medikament nicht für die gesamte Bevölkerung verfügbar, sondern für diejenigen, die mindestens einen Risikofaktor haben. Typische Risikofaktoren sind hierbei das Alter über 65 Jahren, Lungen- oder Nierenerkrankung, Transplantationen, Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck oder Krebserkrankung. "Wir können das Medikament im Krankenhaus nicht mehr geben, da die Verabreichung zum Zeitpunkt, an dem die Patienten bei uns eingeliefert werden, nicht mehr wirksam ist. Für uns ist es aber besonders wichtig, dass das Medikament häufiger verschrieben wird, denn nur so können wir die hohe Hospitalisierungsrate senken und somit für andere Patienten verfügbar sein", betont er.   

Eine Chance, die hohe Hospitalisierungsrate endlich zu senken  

Während manche von einem Sommerloch sprechen, ist die Auslastung in den Kliniken in der Realität noch immer sehr hoch: 20-30 Prozent der Krankenhauskapazität wird im Herz-Jesu Krankenhaus Fulda durch Corona beansprucht– eine deutliche Besserung ist nach wie vor nicht in Sicht. Neben dem hart arbeitendem Krankenhauspersonal betrifft es aber vor allem auch jeden Einzelnen von uns: Die Wartezeiten für Behandlungen sind lang, die Patienten müssen beizeiten entlassen werden und auch der Service hinsichtlich gesundheitlicher Vorsorge- oder Beratungsleistungen kann nicht mehr in dem Maß erfolgen, wie es normalerweise gewünscht wäre. Besonders tragisch ist dies in Krankheitsfällen, die bei einem späteren Behandlungszeitpunkt schwere Folgen mit sich bringen, beispielsweise bei Krebspatienten.   

Verhinderbar wäre dieser Zustand, wenn mehr von dem Medikament verabreicht werden würde, denn durch Paxlovid werden schwere Verläufe verhindert, die Corona-Patienten müssen nicht mehr so lange oder gar nicht mehr auf die Intensivstation. Vor allem in Altersheimen solle das Medikament schnell zur Verfügung stehen, denn die älteren Menschen seien die Risikopatienten, welche häufig bis zu sechs Wochen im Krankenhaus behandelt werden müssen.  
 
Nebenwirkungen  


Natürlich kann es – wie auch bei anderen Medikamenten – bei Paxlovid zu Nebenwirkungen kommen. Tendenziell seien diese allerdings eher mild, wie etwa Durchfall, Kopfschmerzen oder Bluthochdruck. "Die Nebenwirkungen sind in den meisten Fällen erträglich und selbst bei Patienten, die das Medikament keine volle fünf Tage genommen haben und frühzeitig die Therapie beendet haben, konnten gute Erfolge festgestellt werden", so der Chefarzt. 

Durch das Zusammenspiel zweier Wirkstoffe in dem Medikament kann außerdem eine Interaktion mit anderen Medikamenten entstehen, die der Patient bereits nimmt. "Daher sollte der Patient zur Verschreibung des Medikaments sich im besten Fall direkt an seinen Hausarzt wenden, der die Übersicht der Medikamenteneinnahme hat, sodass eine genaue Einschätzung für die Einnahme vorgenommen werden kann." Dennoch sei dies innerhalb der Einnahmezeit von fünf Tagen in der Regel nicht bedenklich und auch die Nebenwirkungen seien deutlich besser zu ertragen, als die Corona-Erkrankung. 

Der Appell wird bundesweit immer lauter, dass die Prozesse von der Erkrankung des Patienten bis zur Einnahme des Medikaments deutlich verkürzt werden und dementsprechend jeder, sowohl infiziert als auch nicht-infiziert, davon profitieren kann. (law) +++

Prof. Dr. Bernd Kronenberger, Chefarzt der Abteilung für Innere Medizin, Gastroenterologie und Diabetologie im Herz-Jesu Krankenhaus
Foto: O|N-Archiv

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