"Bei uns kann wirklich jeder klettern"
Inklusive Klettergruppe der DAV Sektion Fulda: Gemeinsam hoch hinaus
Fotos: Bernd Vogt
26.08.2022 / FULDA -
Inklusion im Sport ist nach wie vor ein sensibles und in vielen Sportarten auch komplexes Thema. Dass behinderte Menschen gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung Sport treiben, ist in vielen Vereinen und Sportarten oftmals noch die Ausnahme. Wie es geht, zeigt hingegen das Klettern. Auch in der DAV Sektion Fulda gibt es eine inklusive Klettergruppe. OSTHESSEN|NEWS hat ihr in der Fuldaer Kletterhalle mal einen Besuch abgestattet.
Bis zu 14 Meter steil in die Höhe ragende Wände, die nur mit Hilfe kleiner enger Griffe erklommen werden können. Wer sich in der Fuldaer Kletterhalle umsieht, kommt wohl kaum auf die Idee, dass ausgerechnet hier die Inklusion im Sport vorbildlich umgesetzt wird. Wie soll ein Mensch mit Handicap - egal, ob geistig oder körperlich - diese Herausforderungen bewältigen, fragt man sich beim Anblick der Kletterwände unweigerlich.
"Es geht um das Gefühl"
Xenia Fabeck, die Leiterin der inklusiven Klettergruppe bei der DAV Sektion Fulda, sagt aber ohne zu zögern: "Bei uns kann wirklich jeder klettern." Während andere Sportarten für manche Menschen mit Behinderungen einfach nicht machbar sind, gebe es beim Klettern für jeden geeigneten Hilfsmittel. "Wir haben einen Jungen mit einer Sehstörung, der erst Fußball spielen wollte. Das war aber für seine Augen zu schnell. Beim Klettern können wir durch Ziehen an den Seilen Signale geben", nennt Fabeck ein Beispiel. Selbst Rollstuhlfahrer können mit Hilfe eines Flaschenzuges an der Wand hochgezogen werden. "Da geht es nicht um die Höhe oder die Schnelligkeit. Da geht es ums Gefühl. Sie waren oben und sind geklettert", so Fabeck. Die Gruppe boomt
Und Inklusion baut vor allen Dingen auch Barrieren und Vorurteile ab. Als ein junges Mädchen, das inzwischen in der Leistungsgruppe klettert, von Fabeck gefragt wird, wie es denn für sie in der inklusiven Klettergruppe gewesen sei, antwortet sie wie aus der Pistole geschossen: "Perfekt". Die Freude, die die Menschen beim Klettern haben, ist absolut ansteckend. Das ist für Fabeck auch ein Grund, warum ihre Gruppe so boomt. "Die Eltern und auch die Ermöglicher sehen den Spaß, den die Leute hier haben - das geht ans Herz und hilft, die Scheu voreinander abzubauen." Für die Menschen in der Gruppe ist das gemeinsame Klettern mit Menschen mit Behinderung längst Normalität. "Und genau da wollen wir ja hinkommen", so Fabeck.