Vor 77 Jahren: Kriegsende in Hersfeld
Besondere Stadtführung zeigte die dramatischen letzten vier Tage in Hersfeld
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28.03.2022 / BAD HERSFELD -
Ostersamstag, 31. März 1945, endete der Zweite Weltkrieg für die Menschen in Hersfeld und der gesamten westlichen Nachbar-Region. Es waren dramatische Tage und Stunden, bis es gelang, die US-amerikanische Armee davon zu überzeugen, dass es in Hersfeld keinen Widerstand mehr gab und die Stadt nicht bombardiert werden müsse. 77 Jahre danach erinnerte Stadtführer Michael Adam an diese Zeit mit einer Stadtführung an den originalen Plätzen, die damals eine Rolle spielten. Mehr als 60 Bürger aus Hersfeld und Umgebung folgten der Einladung und vollzogen die Dramatik der Tage und die Ereignisse der letzten Stunden nach.
Insbesondere zwei mutigen Wehrmachtsangehörigen und Hersfelder Bürgern verdankte die Stadt, dass die beabsichtigte Bombardierung nicht erfolgte: Major Georg August Möller und Hauptmann Karl Günzel, im Zivilleben Direktor der Engelhardt-Brauerei. Nachdem es bei Asbach durch einen Kampftrupp und den Volkssturm etliche US-Verluste gegeben hatte, beschoss das 37. Panzerbataillon als Teil der 3. US-Armee unter dem Kommando von General George S. Patten Hersfeld aus der Stellung bei Kerspenhausen heraus ab Karfreitag Nachmittag mit einem ungezielten Dauerfeuer und richtete etliche Schäden an: Der Kirchturm bekam zwei Treffen, das Hirschhäuser Haus und die Stiftsschänke am Linggplatz brannten, ebenso die Polizeiwache am Markt, ferner standen die Hessenschänke und der schwarze Adler am Brink in Flammen und viele andere Gebäude in der Stadt.
Eindrucksvolle Führung
Karfreitag war Georg August Möller gegen seinen Willen zum Kampfkommandanten ernannt worden. Er überzeugte die Kampftruppen "in einer dramatischen Sitzung", nachts gen Osten abzuziehen. Bei Sorga wurden sie dann von der US-Armee eingeholt und gefangen genommen. Hauptmann Karl Güntzel gelang es dann mit viel Geschick und auch Glück, die US-Amerikaner davon zu überzeugen, dass es in Hersfeld keine Kampftruppen mehr gab. Im Kirchtor trafen dann Güntzel mit drei US-Offizieren auf Stadtoberinspektor Friedrich Taubert, der die Stadt friedlich übergab, so der Bericht von Stadtführer Adam.Begonnen hatte diese eindrucksvolle Führung mit dem Text des Bundespräsidenten zum Totengedenken am Volkstrauertag, den Adam vor dem Rechberg-Mahnmal auf dem Oberen Rathausplatz rezitierte, und dem Lied von Ludwig Uhland "Der gute Kamerad", das Friedrich Silcher vertonte und das von Turmbläser Rainer Colli auf dem Flügelhorn vorgetragen wurde. (pm) +++