Wanderausstellung im Bonhoeffer-Haus
Die dunkle Geschichte des FC Bayern im Dritten Reich
Alle Fotos: Martin Engel
11.03.2022 / FULDA -
In den letzten sieben Tagen war eine ganz besondere Ausstellung zu Gast in Fulda. Anlässlich der "Woche der Brüderlichkeit", die in diesem Jahr unter dem Motto "Fair-Play – jeder Mensch zählt" steht, gastierte eine Wanderausstellung des FC Bayern München im Bonhoeffer-Haus, die sich mit dem Schicksal jüdischer Spieler und Mitglieder, sowie der Rolle des Vereins in der Zeit des Nationalsozialismus auseinandersetzt.
Die Ausstellung des Bayern München Museum "in alle Welt zerstreut” zeigt, wie in der Zeit des Nationalsozialismus innerhalb weniger Jahre, alle jüdischen Spieler aus dem FC Bayern entfernt wurden. "Dabei galten die Bayern einst als Judenklub", erzählt Wolfgang Hengstler, der Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Fulda, in seinem Vortrag.
Juden wurden aus dem Verein ausgeschlossen
Schon bei der Vereinsgründung waren zwei von 16 Mitgliedern jüdischen Glaubens. 1932 führten der jüdische Trainer Richard Dombi und der jüdische Vereinspräsident Kurt Landauer den FC Bayern zur ersten deutschen Meisterschaft. Keine fünf Jahre später waren die Juden aus dem Verein verschwunden. Nachdem sich die süddeutschen Fußballvereine dazu entschlossen hatten, die Nazi-Ideologie auch offiziell zu übernehmen, wurden alle jüdischen Spieler, Funktionäre und Mitglieder aus dem Verein entfernt. 1937 verließ der letzte Mensch jüdischen Glaubens die Münchner. Heute sind viele davon vergessen. Ein Name ist aber vielen Fußballfans ein Begriff: Kurt Landauer. Der Sohn eines jüdischen Kaufmanns war von 1913 bis 1933 Präsident des FC Bayern, ehe er von den Nazis aus dem Amt gedrängt wurde. Nach seiner Inhaftierung im KZ Dachau wanderte Landauer in die Schweiz aus. 1947 kehrte er zurück und führte den Verein weitere vier Jahre. 2013 wurde er posthum zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Vor allem die Bayern-Ultras in der Südkurve würdigen in beeindruckenden Choreografien immer wieder die Verdienste Landauers.
Ausstellung zeigt Schicksal von 130 Bayern-Mitgliedern
Das Zentrum der Ausstellung bildete eine große Weltkarte, die das Schicksal von 130 jüdischen Mitgliedern des Vereins zeigt. Rote und schwarze Punkte zeigen, ob sie den Holocaust überlebt haben oder nicht. Auffallend sind die vielen schwarzen Punkte in Osteuropa, dort wurden die meisten Juden ermordet. Nur wenige konnten sich in die USA retten, da dort die Einreise streng reglementiert war. Nach England konnten vor allem Kinder fliehen, die mit den so genannten Kindertransporten dorthin kamen. Alleine in fremde Familien, ohne Kontakte zu ihren Eltern. Auch ein Jugendspieler des FC Bayern war darunter. Einige konnten nach Israel oder besser Palästina einreisen, durch ein Einreiseverbot nach arabischen Aufständen hatten die Engländer als Mandatsmacht aber auch diese Tür zugeschlagen. In der Konferenz von Evian diskutierten 32 Länder darüber, wie viele Juden aus Mitteleuropa man aufnehme wolle. Lediglich die Dominikanische Republik nahm eine Hand voll Juden auf. "Für uns heute sollte das eine Mahnung sein, Flüchtlingen nicht die Türe zu verschließen", so Hengstler. (fh)+++