Barockstadts Trainer nennt Hintergründe
Gören: Fühle mich, als wäre ich gestern angekommen
Ziel Regionalliga: Sedat Gören hat mit der SGB noch viel vor
Archivfoto: ON
23.02.2022 / FULDA -
Sedat Gören brennt. Er brennt auf den Erfolg. Dabei hat der 50-Jährige bereits vier Jahre Trainerdasein beim Fußball-Hessenligisten SG Barockstadt Fulda-Lehnerz hinter sich - und seinen Vertrag soeben erst verlängert. "Wir wollen es einfach schaffen", sagt er knapp, aber bestimmt. Gören meint den Aufstieg in die Regionalliga, nach dem sich die Region in Osthessen seit Jahren sehnt. Das mag nicht für alle gelten, aber für Viele.
Den Coach wurmt es, dass "gewisse Dinge, die von außen kamen, aber nicht sportlich waren", den Sprung in die höhere Liga in der jüngeren Vergangenheit verhinderten. "Das ärgert mich am meisten", gesteht er. Anfang Oktober 2018 übernahm er das Team in der Barockstadt, ein Platz vor den Abstiegsrängen stand die Mannschaft damals - und landete am Ende der Saison trotzdem noch in der erweiterten Spitze. Es folgten zwei Corona-Jahre; vor allem die zweite Spielzeit schmerzte, als die SG Barockstadt die Tabelle klar anführte, ihr der Aufstieg durch diskussionswürdige Bestimmungen aber quasi weggenommen wurde. "Wenn Corona nicht gewesen wäre, wären wir schon längst in der Regionalliga", ergänzt er voller Überzeugung. "Es ist bitter, wenn du quasi in drei Jahren am Aufstieg dran bist und es, aus welchen Gründen auch immer, nicht klappt." Und nicht einfach für einen Trainer.
Respekt, Disziplin und Ordnung
Man spürt geradezu, wie es Sedat Gören schmerzt. In der laufenden Runde läuft es sehr gut - auch wenn es schwer wird, Eintracht Stadtallendorf in den Playoffs noch einzuholen. Typisch Gören. Der Perfektionist. Nicht nur ihn ärgert es, dass Eintracht Frankfurts U23 "so mir nichts, dir nichts" ein Platz in der Hessenliga zugesprochen wurde. Gören betont, dass Verständnis, Zusammenarbeit und Respekt mit Vorstand und Mannschaft nach wie vor bestens sind. "Ich spüre, dass alle hinter mir stehen. Deshalb habe ich mich für den nächsten Schritt entschieden", ergänzt der Trainer. Es klingt glaubhaft. Auch dies: "Ich fühle mich, als wäre ich gestern erst angekommen. Es ist wie am ersten Tag."
Druck zu spüren und wahrzunehmen, auch das kennt Gören. Nicht durch die an der SG Barockstadt beteiligten Vereine, eher durch das erweiterte Umfeld und bisweilen durch die Erwartungshaltung der Zuschauer. "Du musst einen gewissen Druck haben im Leben. Du darfst niemals aufgeben." Das prägte ihn. Er erinnert sich: "Ich bin so groß geworden. Ich habe eine strenge Erziehung erlebt." Durch seinen Vater, für den Disziplin, Ordnung und Respekt ganz oben standen und erste Erziehungs-Richtlinien waren.
In Krefeld geboren, auf Asche groß geworden
Gören ist türkischer Abstammung, wurde aber im niederrheinischen Krefeld geboren und besitzt einen deutschen Pass. Seine Sozialisation - nicht nur die fußballerische - prägte ihn. Sie zeigte Wirkung. Auf den Aschenplätzen Westdeutschlands wurde er groß. Auf roter Erde. Pfützen standen oft auf dem Platz. Die Kicker mussten damals halt warten, bis das Wasser zurückgegangen war. Gören durchlief das Nachwuchsleistungszentrum des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach - von der E-Jugend an, bis er achtzehn war. Dann ging's in die Türkei, wo er bei einem Verein in der Nähe der Hauptstadt Ankara sieben Jahre als Profi in der Zweiten Liga spielte. Zurück in Deutschland, führte ihn seine Reise nach Osthessen. Seine Stationen als Spieler und Trainer waren Neuhof, Flieden, Bad Soden, Müs oder Rückers. All dies begleitete ihn und zeichnete seinen Lebensweg. Bald möchte er mit der SG Barockstadt den Aufstieg schaffen. Endlich. (wk)+++