Super Bowl, NBA und NHL

So erlebte ein Fuldaer Fotograf den amerikanischen Sportwahnsinn

Showelemente gehören zum US-Sport fest dazu
Fotos: Jonas Wenzel - yowegraphy

24.02.2022 / LOS ANGELES/FULDA - Während die meisten Sportfans wohl ein Leben lang nur davon träumen können, einmal das Geschehen rund um einen Super Bowl erleben zu dürfen oder bei einem NBA und NHL-Spiel in der Halle zu sein, hat Jonas Wenzel all das in nur drei Tagen erlebt. Der Fuldaer Fotograf war am Super-Bowl-Wochenende in Los Angeles und beobachtete den amerikanischen Sportwahnsinn aus nächster Nähe. Mit OSTHESSEN|NEWS hat er über seine Eindrücke gesprochen.

Der Super Bowl liegt zwar schon über eine Woche zurück, die Erinnerungen von Wenzel an das Mega-Spektakel sind aber immer noch ganz frisch. Der Fotograf war beruflich vor Ort in Los Angeles und sollte das Geschehen mit seiner Kamera aus der Fanperspektive festhalten. So bekam er zahlreiche Eindrücke abseits des großen Glamours, den die Zuschauer aus den TV-Übertragungen kennen.  

"Authentisch, aber auch sehr amerikanisch"

Was ihm vor allem in Erinnerung geblieben ist, sind die zahlreichen Garten- und Garagenpartys rund um den Super Bowl. Überall schauten Menschen in kleineren oder größeren Gruppen zusammen das Spiel, grillten und schenkten hier und da Whiskey aus großen Krügen aus. "Es war sehr authentisch, aber auch sehr amerikanisch", sagt Wenzel, der die Stimmung als ausgelassen, aber gesittet beschreibt.

Bilder von trinkenden und grölenden Fans, die Richtung Stadion marschieren, gibt es in den USA nicht. Auch weil der Sport in den Staaten meist etwas für Reiche ist. Bei Kartenpreisen für den Super Bowl von mehreren tausend Dollar auch nicht verwunderlich. Selbst Privat-Parkplätze in der Nähe des Stadions wurden für bis zu 400 Dollar angeboten. "Es ist auch nicht so, dass die Leute, wie bei uns, per U-Bahn zum Stadion kommen. L.A. ist eine reine Autostadt, der öffentliche Nahverkehr ist extrem schlecht ausgebaut, so dass fast jeder mit dem Pkw Richtung Stadion oder Arena fährt", sagt der Fuldaer.

Während Fangesänge daher also weitestgehend fehlen, verschafften sich andere Gruppen rund um das Stadion lauthals Gehör: Religiöse Gruppen. Besonders stark vertreten war die bekannte Sekte Scientology. "Sie war mit enorm viel Personal vor Ort und hat mit Flyern aktiv um neue Mitglieder geworben. Ich dachte, irgendjemand muss sich doch darüber mal aufregen, aber für die Amerikaner scheint es zu so einem Event dazuzugehören", so Wenzel. 

Halle erst zur Halbzeit voll gefüllt 

Etwas ruhiger geht es hingegen bei Spielen der NBA oder NHL zu, schließlich gehören die zum sportlichen Alltag in der Megametropole. Mit den Los Angeles Lakers und den L.A. Clippers gibt es zwei NBA-Teams in der Stadt, beide tragen jeweils 41 Heimspiele in der Saison aus. Hinzu kommen noch die L.A. Kings in der NHL, die genauso viele Spiele bestreiten. Von Oktober bis April kann man also fast jeden Tag ein Basketball oder Eishockeyspiel live in der Crypto.com-Arena, dem ehemaligen Staples Center, erleben. "Das ist dann natürlich nicht vergleichbar mit einem Heimspiel in der Bundesliga, auf das sich die Fans zwei Wochen lang freuen", sagt Wenzel.

Als er am Tag nach dem Super Bowl das Spiel der Clippers gegen die Golden State Warriors besuchte, dauerte es bis zu Halbzeit ehe die Halle komplett gefüllt war. "Das hat mich schon sehr überrascht, der Stimmung hat es aber keinen Abbruch getan." Das lag bestimmt auch an der kreativen Pausengestaltung im US-Sport. Egal, ob Kisscam, Cheerleader oder sogar Hunde, die Kunststücke vollführen: In den USA wird den Zuschauern in den Pausen immer etwas geboten. 


Zum Abschluss sah sich Wenzel noch die NHL-Partie zwischen den Los Angeles Kings und den Edmonton Oilers mit Deutschlands Superstar Leon Draisaitl an. Allerdings war hier das Klientel ein ganz anderes, als noch am Abend zuvor.  "Basketball ist bunt, viele Latinos und Schwarze schauen sich die Spiele an, Eishockey ist hingegen hauptsächlich weiß", sagt der Fuldaer Fotograf.

Nach drei Tagen amerikanischem Sportwahnsinn fällt sein Fazit klar aus: "Es ist eine ganz andere Welt, als wir das aus Deutschland oder Europa kennen." (fh)+++

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