"Wir haben unser Bestes getan!"

Brandermittler vor Ort: Erste Details zum Flammen-Inferno bei Spedition Dröder

Auf dem Firmengelände der Spedition Dröder in Künzell: in diesem Gebäude-Komplex ist der Brand ausgebrochen.
Fotos: Hendrik Urbin / Christian P. Stadtfeld

24.05.2021 / KÜNZELL - Der Großbrand bei der Spedition Dröder in Künzell bei Fulda beschäftigt die Ermittler von Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft. Sie wollen wissen, warum das Feuer, bei dem in der Nacht zum Pfingstsonntag zwei Menschen ums Leben gekommen waren, ausgebrochen ist. Mehr als 110 Feuerwehrkräfte kämpften unter schwerem Atemschutz stundenlang gegen die Flammen. Das Gebäude droht einzustürzen. Der Schaden: rund zwei Millionen Euro. Die Firmen-Inhaber sind geschockt.



Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos), selbst aktiver Feuerwehrmann, war bereits in der Nacht vor Ort und erzählt im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch: "Es ist das erste Mal seit über 40 Jahren, dass wir bei einem Brandfall in unserer Gemeinde Todesopfer zu beklagen haben. Für unsere Kameraden war das eine sehr belastende Situation, denn sie konnten nicht wirklich eingreifen. Das Feuer war einfach zu mächtig."

Rückblick: "Unklare Rauchentwicklung im Bereich Sportplatzes Noppen", hieß es in der Erstmeldung am Sonntagmorgen gegen 1:10 Uhr. Schnell wurde aber klar: Auf dem Firmengelände der Spedition Dröder steht ein Komplex mit Lagerhalle und Wohnunterkünften im Vollbrand. Von der A7 meldeten sich vorbeifahrende Autofahrer, darunter auch ein Rettungswagen, der die Leitstelle per Funk informierte. "Wir haben sofort das Einsatzstichwort erhöht und Vollalarm für die Großgemeinde ausgelöst", berichtet Jason Freeman, Einsatzleiter und stellvertretender Gemeindebrandinspektor. Zur weiteren Unterstützung rückten die Feuerwehren aus Fulda, Dipperz und Petersberg an, unter anderem mit Drehleitern. Auch der Rettungsdienst mit Notarzt, Polizeistreifen, das Technische Hilfswerk (THW) sowie der Malteser-Verpflegungstrupp und Führungskräfte von Landkreis und Regierungspräsidium waren im Einsatz.

"Menschenrettung, Löschwasserversorgung und Brandbekämpfung - alles lief parallel und reibungslos. Als es aber zur Durchzündung im Gebäude kam, mussten wir den Innenangriff abbrechen. Wir haben uns auf den Außenangriff konzentriert und so das Feuer unter Kontrolle bringen können. Ein Übergreifen auf weitere Gebäudeteile konnte verhindert werden", sagt Freemann am Sonntagmittag zu O|N, während seine Kollegen noch immer gegen Glutnester ankämpfen. Die Spedition verfügt über eine eigene Löschwasserversorgung. "Das war von Vorteil, ebenso ein vor drei Wochen neu gesetzter Hydrant", erklärt Rathauschef Zentgraf, der allen Feuerwehr- und Rettungskräften für diesen "schweren Einsatz" dankt. Freeman betont abschließend: "Wir haben unser Bestes getan."

Staatsanwaltschaft: "Zweite Person wohl im Gebäude"


Brand-Experten der Kripo Fulda und ein Staatsanwalt haben sich vor Ort ein Bild gemacht, Spuren gesichert und die Ermittlungen aufgenommen. In einer ersten Stellungnahme der Behörden von Sonntag 14:30 Uhr heißt es: "Das Feuer ist aus bislang unbekannter Ursache im Bereich der dortigen Wohnunterkünfte ausgebrochen, griff auf das komplette Gebäude über und setzte dieses in Vollbrand. Ein Betreten des Objekts war aufgrund der starken Brandentwicklung jedoch nicht mehr möglich. Nachdem das Feuer gegen 5 Uhr gelöscht war, wurde das Gebäude nach Glutnestern abgesucht. Aktuell ist das Gebäude stark einsturzgefährdet."

Ein Leichnam konnte mittels eines Hubrettungsgeräts bereits geborgen werden. "Nach derzeitigen Ermittlungen bestehen Anhaltspunkte dafür, dass sich eine zweite Person im Gebäude befand. Allerdings konnte die zweite Person bislang - aufgrund der erschwerten Bergungssituation - noch nicht aufgefunden werden", erklären Polizei und Staatsanwaltschaft. Zur Klärung der genauen Todesursache und zur Identifizierung des bislang geborgenen Toten hat die Staatsanwaltschaft Fulda eine Obduktion angeordnet.

Wie es zu diesem tragischen Feuer kommen konnte und um wen es sich bei den Toten genau handelt, steht aktuell noch nicht zweifelsfrei fest. Nach den bisherigen Erkenntnissen dürfte es sich jedoch um zwei Mitarbeiter der Speditionsfirma handeln, die in den dortigen Wohnunterkünften untergebracht waren. Erst am Dienstag will die Staatsanwaltschaft weitere Details bekanntgeben. Klar ist aber schon jetzt: Das Flammen-Inferno vom Pfingstwochenende wirft einen traurigen Schatten über Künzell. (Christian P. Stadtfeld) +++

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