"Politisches Urgestein"

Ende einer Ära: Gerhard Stollberg (CDU) will nicht mehr in den Magistrat

Seit über 48 Jahren "eine Bank" für die CDU-Fraktion im Fuldaer Stadtparlament: Gerhard Stollberg
Fotos: O|N-Archiv

03.03.2021 / FULDA - Nach der Kommunalwahl am 14. März geht in der Fuldaer Kommunalpolitik eine Ära zu Ende. Denn Gerhard Stollberg (CDU) will nicht mehr für den Magistrat kandidieren und sich nach über fünf Jahrzehnten aus der aktiven Politik zurückziehen, wie der 74-Jährige im O|N-Gespräch verrät.



Gerhard Stollberg ist das, was man gemeinhin ein "politisches Urgestein" nennt. Seit 54 Jahren ist der ehemalige Finanzbeamte parteipolitisch organisiert: erst in der Jungen Union, dann in der CDU. 44 Jahre lang - ab 1972 - war Stollberg Stadtverordneter, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr, Vorsitzender des Museumsbauausschusses, 20 Jahre Vorsitzender des Haupt- und Finanzausschusses, 15 Jahre Vorsitzender der CDU-Fraktion und seit 2016 Magistratsmitglied. Stollberg: "Ich hatte eigentlich nur in den ersten drei oder vier Jahren als einfacher Stadtverordneter kein höheres Amt." Eine beachtliche Leistung, für die er über Parteigrenzen hinweg hohes Ansehen genießt. Fleiß, Zielstrebigkeit, Einfühlungsvermögen und Pflichtbewusstsein werden ihm attestiert.

"Ich habe fast die komplette Amtszeit von Dr. Wolfgang Hamberger miterlebt und danach alle anderen Oberbürgermeister", sagt Gerhard Stollberg. Wenn es darum geht, die wichtigsten politischen Erfolge aufzuzählen, an denen er mitgewirkt hat, fallen ihm vor allem städtebauliche Maßnahmen ein: "Das Vonderau Museum, das Maritim, das Löhertor, der Uniplatz sowie das Esperanto, die Entwicklung des Stadtteils Fulda-Galerie, aber auch die Schnellbahntrasse." Auch Großveranstaltungen habe er mit vorangetrieben, wie etwa den Hessentag 1990, die erste hessische Landesgartenschau 1994 und den Musical-Sommer.

Für seine Heimatstadt Fulda setzte sich Gerhard Stollberg stets mit Herzblut, Sachverstand und großem Engagement ein. Zu seinem 70. Geburtstag 2016 sagte OB Dr. Heiko Wingenfeld: "Gerhard Stollberg hat sich in herausragender Weise für unsere Stadt verdient gemacht. Er ist immer bereit, Verantwortung zu übernehmen, und ich bin froh, dass er mit seiner Erfahrung und seinem Elan den Magistrat unterstützt." Für die CDU-Fraktion würdigte Hans-Dieter Alt seinen Parteifreund so: "Gerhard Stollberg hat die Fraktion ausgezeichnet geführt und hervorragende Arbeit für die Menschen der Region geleistet." In seiner Amtszeit seien wichtige Personalentscheidungen getroffen worden, die Stollberg eng und maßgeblich begleitet hat: so etwa die beiden Oberbürgermeister Gerhard Möller und Dr. Heiko Wingenfeld sowie die Bürgermeister Dr. Wolfgang Dippel und Dag Wehner.

Gerhard Stollberg ist 1946 in Worbis/Eichsfeld geboren. Es folgten Stationen in Mainz und Schotten, bis er mit seiner Familie 1961 nach Fulda kam. Nach dem Abitur an der Winfriedschule absolvierte Stollberg die Inspektoren-Laufbahn beim Finanzamt Fulda. Dort war er bis zum Eintritt in den Ruhestand tätig. Neben seinem politischen Engagement hatte er verschiedene Aufsichtsrats-Mandate und andere Ehrenämter inne - unter anderem bei der RhönEnergie Fulda oder als ehrenamtlicher Richter am Landgericht Fulda.

Wenn sich Gerhard Stollberg nun in den verdienten politischen Ruhestand begibt, so ist seine geringste Sorge, es könnte ihm langweilig werden: "Ich habe zwei Kinder und zwei Enkel, mit denen ich mehr Zeit verbringen möchte. Ich habe meinen Garten, der mich im Sommer beschäftigt, und ich lese viel - schon Corona-bedingt. Und ich genieße das Leben mit meiner Frau Marianne, mit ihr mittags spazieren zu gehen in der freien Natur." - Recht hat er! (Matthias Witzel) +++

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