Wer hat sie schon gesehen?

Aus grauen Kästen werden bunte Fenster - Verschönerungsaktion der BID

Gelassen aus dem Zugfenste auf die Wasserkuppe schauen: Gestalter Ingmar Süß hat den grauen Kasten darunter aufgehübscht
Fotos: Carina Jirsch

12.01.2021 / FULDA - Eigentlich weiß niemand so recht, was das eigentlich für graue Kästen sind, die unsere Innenstädte "zieren". Schön sind sie nicht gerade, auf der anderen Seite schreien sie aber nicht laut 'hier bin ich!' - man kann sie geflissentlich übersehen und für irgendwen sind sie ja offenbar nützlich. In der Fuldaer Bahnhofstraße hat sich aber - von den meisten Anwohnern unbemerkt - eine stille Verwandlung dieser Metallschränke in Einheitsgrau vollzogen: wie man auf unseren Fotos sieht, hat ihnen jemand zu einem wesentlich hübscheren äußeren Erscheinungsbild verholfen.

Verantwortlich dafür ist ein Verein namens BID (Business Improvement District) Bahnhofstraße e.V., eine Gruppe von Hauseigentümern, Einzelhändlern, Gastronomen und Dienstleistern, die sich um das Erscheinungsbild ihres Viertels Gedanken macht und für Verbesserungen sorgt, wo sie nötig erscheinen. Dadurch soll das Umfeld für die Geschäftsleute und ihre Kunden attraktiver werden, das Einkaufen (wenn wir es denn mal wieder dürfen) mehr Spaß machen. Zum Vorstand des Vereins waren Centhof-Manager Reginald Bukel, Apotheker Maximilian Traut als Kassenführer und Antje Ferrara als Schriftführerin gewählt worden. Zu dem geplanten Maßnahmenpaket gehören Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit, Gestaltung des öffentlichen Raums, Veranstaltungen, Standortwerbung sowie Management.

Und beim Punkt Gestaltung kamen die grauen Verteilerkästen von RhönEnergie und Telekom ins Spiel. Ingmar Süß bekam den Job, sich an deren Verschönerung zu machen. "Dabei gab es als Themenvorgabe übergeordnet die Bahnhofsnähe, den Einkaufsbezug und den zur Region", erläutert der Gestalter. Seine Entwürfe wurden gemeinsam auch mit Vertretern der Stadt und dem Denkmalamt begutachtet, dann schritt er im Herbst letzten Jahres ans Werk. Etliche Passanten hätten ihn bei der Arbeit mit Pinsel und Sprühlack beobachtet und das Entstehen der verschiedenen Motive kommentiert.

"Auch die Polizei interessierte sich für mein Tun: entweder ist der sehr dreist oder es ist legal, war deren Einschätzung", amüsiert sich der 38-Jährige nachträglich. Ganz legal wurde also in der unteren Bahnhofstraße der Ausblick aus dem Zugfenster auf die Wasserkuppe vollendet. Auch die stilisierte Einkaufstasche und die Dampflok vor dem Optiker 'Die Brille' sind gelungene Hingucker geworden. Weiter Outdoor-Gemälde sollen noch folgen. Die Initiatoren von der BID sind jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis - und hoffen  - wie wir alle  - auf bessere Gelegenheiten zum Einkaufen. (Carla Ihle-Becker)+++