Herzberggemeinde setzt auf Tourismus

Grünes Licht der Gemeindevertreter: Aus dem Silbersee wird ein "Schatz"

Ein erster Entwurf für das künftige Gebäude mit Gaststätte und Sanitärbereich
Fotos (3): Diplom-Ingenieur Architekt Holger Gerst

22.11.2020 / BREITENBACH AM HERZBERG - Idyllisch liegt Breitenbach am Herzberg im Tal, von Wädern umringt, die bekannte Burg Herzberg thront über der Gemeinde und im Riegelbachtal liegt der Silbersee mit seinem Campingplatz. Für Industrie- oder Logistikflächen haben sie hier keinen Platz. Abseits von Hektik, Staus und Lärm setzen die Verantwortlichen der örtlichen Politik deshalb künftig noch intensiver auf den sanften Tourismus. Und folgen damit einem Trend in Deutschland.

Die Burg Herzberg kennen viele Menschen aus der Region, das Herzbergfestival ist europaweit in der Szene bekannt und lockt Jahr für Jahr über 10.000 Hippies in die Gemeinde - außer während der Corona-Pandemie. Der Lutherweg und der neue Premiumwanderweg "Herzberger Ritter" laden Wanderer ein. Nur der Campingplatz hat mit seinem 1970ziger Look an Attraktivität eingebüßt. Die Durchgangscamper machen woanders Zwischenstation. Doch dies soll sich nun ändern.

"50 Jahre wurde dort nichts gemacht", sagt Bürgermeister Volker Jaritz. Die ersten Maßnahmen zur Modernisierung wurden nun bereits angegangen. Die Zufahrtsstraße ist neu asphaltiert, der Silbersee von Schlamm befreit und im Uferbereich neu gestaltet. Ein großer Baustein ist jedoch der Gaststätten- und Sanitärbereich vor dem Stausee.

Am Donnerstagabend machte die Mehrheit der Gemeindevertreter bei neun Ja-Stimmen und zwei Nein-Stimmen den Weg für die komplette Modernisierung frei. "Wir können und wollen nun in das Projekt einsteigen", freut sich der Rathauschef. Zunächst aber müssen die bürokratischen Rahmenbedingungen geschaffen werden, unter anderem der Bebauungsplan geändert werden. Und die Gemeinde möchte verschiedene Fördertöpfe anzapfen. Ein erster Entwurf klingt vielversprechend und weckt die Vorfreude.

In eine Neubau mit viel Glas und Licht entsteht ein neuer Empfangsbereich mit kleinem Kiosk und einer Gaststätte mit 55 bis 60 Sitzplätzen, dazu eine überdachte Terrasse, einem Biergarten mit Seeblick und einer Kulturbühne. Das Gebäude setzt auf den jetzigen Keller auf, welcher künftig als Lagerfläche genutzt werden soll. Gehobene und gutbürgerliche Küche soll angeboten werden und zusätzlich Gäste aus der Region anlocken. 60 Parkplätze und jede Menge Lademöglichkeiten für Elekro-Bikes, Pedelec und was sonst so elektrisch angetrieben werden kann. In einem weiteren Bauabschnitt wird ein neuer Platz für 30 Durchgangscamper angelegt. Jeweils vier Campingplätze erhalten in der Mitte eine Versorgungssäule mit Wasser und Strom. Unterhalb der neuen Gaststätte entsteht ein neuer Sanitärbereich.

Platz für Erlebnisübernachtungen im Hexenhäuschen


Auch fünf Stellplätze für Wohnmobile und ein kleiner Zeltplatz sind vorgesehen. Und dann finden sich in der Konzeption Hexenhäuschen. Hexenhäuschen? "Die Erlebnisübernachtungen sind angesagt", sagt der Bürgermeister. In den Fachmagazinen und Sendungen im Fernsehen werden Schäferhütten, Weinfässer und so weiter genannt und gezeigt. Am Silbersee sollen es vielleicht Hexenhäuschen werden - das Rotkäppchenland lässt grüßen.

Aus dem Campingplatz am Silbersee soll ein Schatz, ein Naherholungszentrum werden. Urlaub in Deutschland, mit dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil ist angesagt - nicht nur seit der Corona-Pandemie. Breitenbach will die Chance nutzen und mit seiner wunderschönen Lage inmitten der Natur und doch mitten in Deutschland und Europa punkten. Der Anfang jedenfalls ist gemacht. (Hans-Hubertus Braune) +++