Kindlicher Grabschmuck zur Erinnerung

Sternenkinder-Grabfeld auf dem Hauptfriedhof ein würdevoller Ort der Trauer

Dieser sehr schön gestaltete Ort hält die Erinnerung an die tot geborenen Kinder lebendig.
Fotos: Gudrun Schmidl

23.11.2020 / BAD HERSFELD - Am heutigen Totensonntag, einem stillen Feiertag, gedenken die evangelischen Christen ihrer unvergessenen Verstorbenen, schmücken und besuchen die Gräber und zünden Kerzen an. Sie zehren von Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit mit Höhen und Tiefen, Freude und Leid bis zum endgültigen Abschied. Eltern, die sich von einem Sternenkind verabschieden müssen, fehlt diese Zeit für immer. Sie bleiben zurück in ihrer Trauer um ein verlorenes Baby und das nicht gelebte Leben, das man sich als Familie mit dem Kind gewünscht hat. Diese Trauer ist die schwierigste Trauer überhaupt. Erst in den vergangenen Jahren wird den Eltern von Sternenkindern in ihrem Schmerz mehr Verständnis und Menschlichkeit entgegengebracht.    

Sternenkinder ist eine liebevolle Bezeichnung für Babys, die während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder kurz nach der Geburt sterben. Sie werden auch Schmetterlingskinder oder Engelskinder genannt. In seiner ursprünglichen Bedeutung beschreibt der Name Sternenkind vor allem sehr kleine Kinder, die noch im Bauch während der ersten Wochen der Schwangerschaft versterben.

Für die Frauen macht es in ihrer Verzweiflung keinen Unterschied, ob sie ihr Kind in einem frühen oder in einem späteren Stadium der Schwangerschaft verlieren und ob es sich per Definition um eine Fehlgeburt oder eine Totgeburt handelt. Aber nicht nur die Frauen leiden, auch für die Männer ist die Situation oft unerträglich. Das Kind noch einmal in den Arm zu nehmen, kann helfen, die Realität des Todes anzunehmen, um irgendwann loslassen zu können. Dem Sternenkind einen Namen geben bedeutet, dem toten Kind einen dauerhaften Platz in der Familie zu schenken. Wertvolle Erinnerungsstücke sind zum Beispiel Sternenkinder-Fotos, das letzte Ultraschallbild und natürlich ein angemessener Ort, an dem Eltern die Liebe zu ihrem Kind dauerhaft ausdrücken können.   

Wenn die Eltern eine Bestattung wünschen, ist das zum Beispiel auf dem "Sternenkinder-Grabfeld" auf dem Bad Hersfelder Hauptfriedhof  möglich. Initiiert durch Brigitte Wolf, setzte sich der Ökumenische Hospizverein Bad Hersfeld für das Projekt ein, das in Kooperation mit der Stadt und dem Klinikum Bad Hersfeld Wirklichkeit wurde.  An diesem würdevollen Ort werden die toten Kinder  in einer Sammelbestattung beigesetzt, welche vier Mal im Jahr, immer am ersten Donnerstag in den Monaten Februar, Mai, August und November stattfindet. Die Bestattungen sind für die Eltern mit keinerlei Kosten verbunden und unabhängig von Konfessionen und Religionszugehörigkeit.

So eine Bestattungszeremonie kann eine tröstliche und tiefe Erfahrung sein. Sie würdigt das kurze Dasein des Kindes und kann unterstützend helfen, das Erlebte zu verarbeiten. Das bestätigt Karin Glorius gegenüber OSTHESSEN | NEWS , die erstmals im Namen des Ökumenischen Hospizvereins Bad Hersfeld an der Gedenkandacht in der festlich-stimmig geschmückten Historischen Kapelle und an der sich anschließenden Beisetzung teilgenommen hat. "Es war unglaublich wichtig zu sehen, wie Eltern ganz individuell in die Zeremonie eingebunden werden können, wenn sie es zulassen".  

In einem mit Samt ausgelegten Weidenkorb werden die Sternenkinder in einem kleinen Sarg zum Sternenkinder-Grabfeld getragen, wo sie unter einem japanischen Kirschbaum beerdigt werden.  Daneben steht eine Bank in Kreuzform, die zum Verweilen und Innehalten einlädt. Zur passenden Jahreszeit fallen Blüten des japanischen Kirschbaums ab, in der Mythologie stellen sie gefallene Krieger dar.  Holzstelen und Bepflanzung bilden den äußeren Rahmen des Schutzraumes, eines Raumes außerhalb der Zeit, eines Raumes gegen die Schutzlosigkeit. In die farbigen Öffnungen oder zu Füßen der "Engelfiguren" können individuelle Erinnerungsstücke gestellt werden. (Gudrun Schmidl) +++