Skepsis über Wiederaufnahmepläne des HFV
Neustart im Januar? "Da ist der Wunsch Vater des Gedankens"
Symbolbild: Carina Jirsch
10.11.2020 / REGION -
Corona wirbelt mal wieder alles durcheinander. Um die frühzeitig unterbrochene Saison im Amateurfußball doch noch wie geplant über die Runden zu bekommen, spielt der Hessische Fußball-Verband (HFV) mit dem Gedanken, die Saison bereits im Januar wieder aufzunehmen.
Am vergangenen Freitag sorgte HFV-Präsident Stefan Reuß in einem Interview mit folgender Aussage für Aufsehen: "Wir hoffen, dass wir die Saison im Januar wieder aufnehmen können." Fußball im Januar? Ist das wirklich realistisch? In Osthessen wird diese Idee mit Skepsis betrachtet.
Zu wenige Kunstrasenplätze als Problem
"Ich glaube, da ist ein Stück weit der Wunsch Vater des Gedankens", sagt Abteilungsleiter Mario Rohde vom Hessenligisten Hünfelder SV. Diese Entscheidung hänge von Faktoren ab, die niemand kontrollieren könne – die Infektionslage und die Witterung.Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass gerade in Osthessen zu dieser Jahreszeit kaum Spiele stattfinden können, da es wenig Kunstrasenplätze gibt. "Wir legen unsere Vorbereitungsspiele deshalb schon immer in den Frankfurter Raum und jetzt sollen zu dieser Zeit Pflichtspiele stattfinden? Das ist für mich völlig unrealistisch", sagt Meik Voll, Trainer des Verbandsligisten FSV Thalau.
"Bayern hat alles richtig gemacht"
Wie es hätte gehen können, zeigt der Bayrische Fußball-Verband. Dort hat man einen möglichen zweiten Lockdown mit eingeplant und sich dafür entschieden, die Saison 19/20 nicht abzubrechen, sondern nach der Sommerpause fortzusetzen. "Damals haben wir sie noch belächelt, aber im Endeffekt haben sie alles richtig gemacht. In Bayern hat man diesen großen Zeitdruck jetzt nicht", so Voll.Dafür ist es jetzt allerdings zu spät. Der HFV, so scheint es, will die Saison mit aller Macht wie geplant durchdrücken. Trainer und Offizielle sind sich einig, dass dies nicht auf dem Rücken der Spieler ausgetragen werden darf. "Bei derart vielen Spielen in so kurzer Zeit erhöht sich das Verletzungsrisiko enorm. Wir sind immer noch im Amateurbereich, da sind Beruf und Familie das wichtigste. Fußball steht nur an zweiter oder dritter Stelle." (fh) +++