Gottesdienst am Reformationstag

"Johann Michael Bach-Orgel" eingeweiht: Nichts anderes als wunderbare Musik!

Ein besonderer Gottesdienst unter Corona-Bedingungen: Blick in den illuminierten Altarraum.
Fotos: Uwe Seitz

02.11.2020 / TANN (RHÖN) - "Hier stehe ich, ich kann nicht anders." Dieser Martin Luther in den Mund geschobene Satz passt auch zur neuen "Johann Michael Bach-Orgel": Sie steht seit Ende Oktober in der Tanner Stadtkirche und kann nicht anders, als wunderbare Musik zu machen. Mit einem Gottesdienst am Reformationstag wurde das neue Instrument seiner Bestimmung übergeben.



Es stammt aus der Werkstatt des Orgelbaumeisters Kilian Gottwald (Amöneburg) und hat acht Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Klanggestalt lehnt sich in der Auswahl der Klangfarben an die Orgel an, die Johann Michael Bach seinerzeit in Tann zur Verfügung hatte. Entstanden ist in einem Jahr Bauzeit ein Instrument, welches noch die Form einer größeren sogenannten "Truhenorgel" besitzt, klanglich aber bereits in dem Bereich einer regelrechten "Chororgel" gehört.

Tanns Kantor Thomas Nüdling entlockte dem Instrument bei der Einweihung herrliche Töne: Mit einem Vokalensemble des Kirchenchores Tann und einem Streichorchester unter Leitung von Regionalkantor Ulrich Moormann zeigte Nüdling die klangliche und musikalische Vielfalt des Instruments in einer großen Bandbreite der ausgewählten Werke.

Zum ersten Mal erklang die Orgel mit Musik des 100. Psalms "Jauchzet dem Herrn, alle Welt": Eine festliche Fanfare mit jubelnder Antiphon sowie alternierendem Psalmton gab der Orgel Raum zur mannigfachen Entfaltung. Sätze aus Thomas Nüdlings "Missa Petrus et Paulus" gestalteten feierlich die Liturgie.

Mit der Aufführung eines Klavierkonzertes aus der Feder des "Tanner Bach" wurde an den Namensgeber der Orgel erinnert. Es war in den gottesdienstlichen Ablauf integriert. Regionalkantor Ulrich Moormann führte Streicher und Orgel übersichtlich durch die Sätze: Einem prägnanten "Allegro" folgte ein putziges "Siciliano" mit Streicher-Pizzicato. Die Schlussfuge über die Tonfolge B-A-C-H setzte markant einen Schlusspunkt unter ein Werk, das den Ideenreichtum und die Individualität ihres Schöpfers eindrucksvoll vor Augen führte.

Auf der Basis der biblischen Exodus-Erzählung machte Gastprediger Fried-Wilhelm Kohl der Gemeinde Mut immer wieder neu aufzubrechen und den Blick nach vorne zu richten. Schließlich erklang der Gospel "When Israel was in Egypt’s land" in jazzigen Wechselspielen mit der neuen Orgel. Die Gottesdienstbesucher hielten ein ansprechendes Programm zum Mitvollziehen der Texte in der Hand.

Traditionell werden am Reformationstag Mitglieder des Kirchenchores Tann für langjähriges Singen geehrt. In diesem Jahr dankten Kantor Thomas Nüdling, Sprecherin Susanna Leubecher und Pfarrer Jonathan Stubinitzky für zehn Jahre Marc Covic und Teresa Kerber sowie für 15 Jahre Torsten Fischer, Katja Kuhn, Ramona Zentgraf, Anna Ziert und Martina Ziert. Für die stimmungsvolle Illumination der Stadtkirche zeichneten sich Tammo Bartholomäus und Joschka Röser verantwortlich. (pm) +++

Blick durch die Kanzel.
Foto: Thomas Nüdling
Ein Vokalensemble des Kirchenchores singt im Mindestabstand, in der Mitte die neue Kirchenorgel.

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