Vestimentum Gewanddesign in Mitteldeutschland

Historische Roben, Fetisch Outfits oder extravagante Brautmode

Extravagante Brautmode - maßgeschneidert nach eigenen Vorstellungen in vielen Stilrichtungen
Fotos (12): Vestimentum Gewanddesign

26.05.2020 / DANKMARSHAUSEN - Das großzügige denkmalgeschützte Fachwerkhaus in dem 1.000 Seelen-Dorf Dankmarkshausen, zwischen Bad Hersfeld und Eisenach in der Mitte Deutschlands gelegen, fügt sich harmonisch in das wunderschöne Ortsbild ein und gewährt im Innern den Genuss einer anregenden Zeitreise. Anika Jacob-Wiedermann hat hier die passende Immobilie gefunden, um Familie und ihr Atelier "Vestimentum Gewanddesign" unter einem Dach zu verbinden. Im Erdgeschoss verteilen sich verschiedene Räume auf feudalen 80 qm, die sich zu einem gelungenen Ganzen verbinden mit Showroom, Werkstatt, Stofflager, Aufenthaltsraum und einer großzügigen Ankleidekabine, die in einer bereits vorhandenen Nische zwischen Fachwerkbalken ausgestaltet wurde.  



"Ich bin der kreative Kopf und das tapfere Schneiderlein", beschreibt sich Anika Jacob-Wiedemann selbst. Sie ist mit Herz und Seele dabei, Kunst in textiler Form mit viel Fantasie umzusetzen und das gern mit Menschen teilt, "die noch an Märchen glauben". Märchenhaft wird es besonders dann, wenn künftige Bräute ihr Atelier betreten, um sich für ihr Traumkleid vermessen zu lassen. Es sind Bräute, die sich für kein Kleid von der Stange entscheiden, sondern ihre eigenen Vorstellungen von extravaganter Brautmode verwirklichen wollen und dabei für die nötigen Anproben weite Wege auf sich nehmen.

Der Bräutigam wird bestenfalls auch maßgeschneidert eingekleidet, damit das Brautpaar ein stimmiges Bild abgibt. Oftmals gilt es, sich zwischen Steampunk- Gothic- oder Vintage-Hochzeiten zu entscheiden. "Es sind Heiratswillige, die sich ihre Hochzeit gern etwas kosten lassen", spricht Anika Jacob-Wiedemann aus Erfahrung und rät: "Ein maßgeschneidertes Brautkleid braucht Zeit und sollte rechtzeitig in Auftrag gegeben werden".

In dem Atelier für exklusive Maßanfertigung gibt es eigentlich nichts, was nicht nach individuellem Kundenwunsch geschneidert werden könnte. Korsetts, historische Roben, Gehröcke, Bühnenkostüme, Fetisch Outfits und WGT Outfits. WGT? Dahinter verbirgt sich das weltgrößte Wave-Gotik-Treffen, das jährlich in Leipzig ausgerichtet wird. Dieses Jahr wurde es wegen der Corona-Krise abgesagt, sehr zum Bedauern von Anika Jacob-Wiedemann, für die dieser Termin seit ihrer Lebensphase "im von Goethe und Gothics gelobten Leipzig" fest verankert ist. Besonders schätzt sie die Toleranz der dort feiernden Menschen. "Jeder wird angenommen wie er ist". Nicht nur ihr Besuch fällt flach, auch ihre Kunden müssen die von ihr eigens geschneiderten Gewänder für dieses Event im Schrank hängen lassen.  

Die 34-Jährige ist gebürtige Thüringerin und wusste schon in ihrer Kindheit, dass sie nähen und entwerfen will. Der Film "Interview mit einem Vampir", den sie sich als Jugendliche an Halloween angeschaut hat, war ein Schlüsselerlebnis. Im heimischen Partyraum entwarf sie Schnittmuster, mit Mamas Veritas-Nähmaschine versuchte sie sich an der Umsetzung. Vor ihrem Studium in der Fachrichtung Design/Kunst und Modegestaltung  absolvierte sie eine Ausbildung als Raumausstatterin. In Leipzig belegte sie den Studiengang Bekleidungstechnik und zusätzlich erlernte sie das Schneiderhandwerk von der Pike auf. In dieser Zeit wurden ihre Eigenkreationen vielfach bewundert und nachgefragt. Ihre Entscheidung, sich mit ihrem Label "Vestimentum Gewanddesign" selbständig zu machen, war für sie eine logische Schlussfolgerung.

Auf dem Festival Mediaval lernte sie ihren späteren Ehemann Karsten Wiedemann kennen, ebenfalls gebürtiger Thüringer, der nach der Wende seinen Lebensmittelpunkt in Bayern hatte. Der Liebe wegen zog sie zu ihm nach Rottenburg an der Laaber, wo ihr handwerklich geschickter Mann ihr eine Multifunktions-Werkstatt auf 16 qm erschaffen hat. 2016 haben sie als Familie entschieden, mit ihrem Sohn Vincent zurück nach Thüringen zu gehen.

Schnell sprach sich im beschaulichen Dorf herum, dass die junge Zugezogene aus Bayern kommend "Trachten" näht. Die Einwohner konnten nicht wissen, dass zum Beispiel Steampunk, der Anika Jacob-Wiedemann Kundschaft aus ganz Deutschland, der Schweiz und vielen weiteren Nachbarländern Kunden beschert, eines ihrer Spezialgebiete ist. Ihre Kreativität und ihr Können wurde 2018 in der Region weithin sichtbar, als sie das Prinzenpaar Kathleen und Stefan Haupt vom Untersuhl Gerstunger Carnevalsverein einkleidete. Seit 2018 unterstützt die erfahrene Schneiderin Gerlinde Prager Vestimentum, die früher sogar in dem denkmalgeschützten Fachwerkhaus gewohnt hat. Hiermit schließt sich ein weiterer Kreis. Infos unter www.vestimentum.de (Gudrun Schmidl) +++

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