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Über 700 Spiele geleitet

Georg Rott: Ein Schiedsrichter aus Leidenschaft

Seit 1992 war Georg Rott für den VfR Stadt Bischofsheim weit über den Landkreis Rhön-Grabfeld hinaus als Schiedsrichter tätig.
Foto: Marion Eckert

03.03.2020 / REGION - Wer kennt den Böschemer Schiedsrichter Georg Rott eigentlich nicht? Zumindest in der bayerischen und hessischen Rhön ist er in Fußballerkreisen bekannt wie der sprichwörtliche „bunte Hund“. Seit 1992 ist Rott als Schiedsrichter im Dienste des VfR Stadt Bischofsheim Wochenende für Wochenende unterwegs gewesen.



Viele nette Begegnungen und Erlebnisse prägten seine Schiedsrichterjahre. „Sonst hätte ich es so lange nicht gemacht“, blickt er zurück. Schiedrichter wurde Georg Rott, nachdem er verletzungsbedingt nicht mehr Fußball spielen konnte. Doch Fußball war für ihn immer schon eine Droge und so entschied er sich die Ausbildung zum Schiedsrichter zu absolvieren. Er besuchte den nötigen Lehrgang, der damals in Brendlorenzen stattfand und legte die theoretische Prüfung ab.

Sieben Wochenenden waren für die Ausbildung nötig. Dann ging  es sogleich in die Praxis. Zehn Spiele musste er unter den strengen Augen eines Mentors „pfeifen“ bevor er den „Schiriausweis“ bekam und selbstständig unterwegs war. „Ich war damals schon 39 Jahre alt, es war klar, dass ich als Schiedsrichter keine Karriere mehr machen würde“, erinnert er sich zurück. „Am Anfang habe ich nur Jugend gepfiffen. Das hat mir immer viel Freude gemacht.“ Gut kann er sich noch an sein erstes Spiel erinnern, bei dem er so nervös war, dass ihm sein damaliger Betreuer Paul Henschel sagte: „Junge pfeiff mal richtig rein, dich hört man ja gar net.“

Georg Rott hatte immer einen guten Draht zur Jugend, war in den 1970er Jahren selbst Jugendspieler und konnte sich noch gut an den damaligen Umgang mit dem Schiedsrichter erinnern,  der als „Freiwild“ galt. „„Das ist seit den 90er Jahren viel besser geworden. Ich bin mit den Jugendlichen, den Betreuern und Trainern immer gut ausgekommen. Mein Feedback war vielmals  gut. Wenn es Probleme gab dann mit Eltern.“ Wirklich unliebsame Erfahrungen hat er keine machen müssen, es kam unter seiner Regie nie zum Spielabbruch.

In den ersten Jahren bekam er noch Postkarten 

Einmal musste er ein Spiel unterbrechen, aber nicht wegen ungebührlichem Verhaltens, sondern aufgrund von Starkregen und Gewitter. Rott hat sich auf dem Platz aber auch nie etwas gefallen lassen. Er scheute sich dann auch nicht Verweise auszusprechen. Wobei er mit roten Karten sparsam umging. „An jede einzelne kann ich mich erinnern. Es waren insgesamt 9 Rote.“ Ein Schiedsrichter könne sich keines der Spiele aussuchen. Die Einteilung erfolge über die Schiedsrichtergruppe. In den ersten Jahren hat Georg Rott noch Postkarten mit der Information bekommen zu welchen Mannschaften und Spielen er am jeweiligen Wochenende musste. Später gab es das übers Faxgerät und heute per E-Mails. Von 1992 bis 2010 hat er Listen über seine Spiele geführt, 444 waren es in dieser Zeit. In seiner gesamten Zeit waren es wohl gut 700 Spiele.

„Ich war immer mit großem Idealismus dabei. Habe auch einige Jahre Hallenturniere gepfiffen, das war immer anstrengend mit viel Aktion und Zuschauern.“ Nach vier bis fünf Jahren in der Jugend absolvierte Rott einen weiteren Lehrgang und wechselte in die jetzige Kreisliga zu Spielen der 1. Mannschaften. Um die Prüfung abzulegen kam er sogar erst später zur Hochzeit seines Neffen. „Es gab nur einen Prüfungstermin im Jahr und ich wollte unbedingt mit dabei sein.“

Im übrigen gehören regelmäßige Fortbildungen für einen Schiedsrichter dazu. Um bei Neuerungen im Regelwerk immer auf dem neuesten Stand zu sein und den Austausch untereinander zu fördern. Apropos Austausch. Nach seinem Aufstieg in die Kreisliga wurde Rott auch nach Oberfranken „ausgetauscht“. Er fuhr am Wochenende bis Hassfurt und Coburg, um dort Spiele zu pfeifen. Auch ins Hessische gings bis nach Fulda. 

Nach mehreren Jahren ging es für ihn zurück in die Jugend. „Es war alles doch sehr zeitaufwendig. Bei der Jugend ist der Radius nicht so groß.“ Doch da er angeboten habe, auch in der ersten Klasse auszuhelfen, habe er die letzten zehn Jahre Jugend und Herrenspiele gepfiffen. Da war er dann auch  schon mal unter der Woche und am Wochenende unterwegs. „Für mich war jedes Spiel ein Highlight, das gut gelaufen ist.“ Unvergessen bleibt allerdings das Internationale Jugend-Turnier in Mellrichstadt im Juni 1997 ,98 und 99 bei dem er als Schieds- und Linienrichter mit dabei war.

Dass er heute kein Schiedsrichter mehr ist, ist für Rott eine Frage des Alters und der passenden Zeit gewesen. „Ich  wollte aufhören, bevor ich es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr machen kann und sich Fehler einschleichen. Jetzt war der richtige Zeitpunkt.“ Dem Fußball und vor allem seinem VfR Stadt Bischofsheim wird er natürlich treu bleiben. „Ich kann jetzt endlich bei den Heim- und Auswärtsspielen mit dabei sein. Das war ja nicht möglich, wenn ich als Schiedsrichter unterwegs war.“ Außerdem hofft er nun auch mehr Zeit zu haben, um zu größeren Spielen zu fahren. Immerhin komme er mit seinem Schiriausweis kostenlos in jedes deutsche Stadion. (Marion Eckert) +++

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