Eine Region im Wandel der Zeit
Vom Stacheldraht, Minen und Rutschen

Foto: Daniela Dietl / Michael Kühlthau
21.12.2019 / HÜNFELD/RASDORF - Wie sah sie eigentlich aus, diese Grenze, die Deutschland über vierzig Jahre hinweg in zwei Teile teilte? Und was bedeutete es, im „Fulda Gap“ zu leben? Antworten auf diese und viele andere Fragen erhielten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 11 FW während ihrer Exkursion zu Point Alpha am gestrigen Dienstag.
Nachdem passend zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im Politikunterricht der Klasse 11 FW die Geschichte der deutsch-deutschen Teilung bis zur Wiedervereinigung in vielen Facetten behandelt wurde, machte sich die Klasse gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Frau Dietl und dem Politiklehrer Herrn Semsch auf den Weg, um das bereits erworbene Wissen an der Gedenkstätte Point Alpha möglichst realistisch zu erleben. Außerdem diente die Exkursion dazu, ein aktuell im Deutsch-, DV- und Politikunterricht laufendes Projekt zum Thema „30 Jahre Mauerfall“ weiter voranzubringen. Mit einer eindrucksvollen Präsentation der früheren Grenzanlagen, die die DDR von der BRD über viele Jahre hinweg trennten und die erfolgreiche Fluchtversuche immer unwahrscheinlicher und riskanter machten, begann die Führung im Haus auf der Grenze.
Von der einfachen Straßensperre, über einen durchgängigen Stacheldrahtzaun hin zu einem streng abgeriegelten und bis ins Detail gegen Fluchtversuche abgesicherten System aus Minenfeldern und Selbstschussanlagen wurde für alle nachvollziehbar, welchen Einschnitt die innerdeutsche Grenze für das Leben der Menschen in der Region bedeutete. Und auch die ständige Gefahr, der die Menschen in der Region um Fulda während des Kalten Krieges ausgesetzt waren, wurde dank der authentischen Berichte seitens der Museumsführerin deutlich. So hätte sowohl ein Angriff der Amerikaner auf Russland als auch ein umgekehrter Angriff Russlands auf die Amerikaner mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die vollkommene Vernichtung der Region bedeutet. Nicht nur Sprengstoffdeckel, die in den Straßen von Rasdorf bis Frankfurt für die Vernichtung der Infrastruktur im Ernstfall vorbereitet waren, sondern v. a. Nuklearwaffen mit der 600-fachen Wirkung der Hiroshima-Bombe, die für das sogenannte „Fulda-Gap“ bereit standen, zeigen, auf welchem politischen Pulverfass die Menschen zwischen 1950 und 1989 in und um Fulda lebten.