Schwer verrückt in Ellis Saal

Vollblutkomiker Markus Maria Profitlich entlarvt den alltäglichen Irrsinn


Fotos: Gudrun Schmidl

24.11.2019 / BEBRA - Es muss schlimm um Markus Maria Profitlich stehen. Mit einer Zwangsjacke ruhig gestellt betritt er am Freitag die Bühne in Ellis Saal und wird musikalisch auch noch zum Ententanz aufgefordert. „Schwer verrückt“ ist sein neues Programm getitelt und die Frage „Leben wir eigentlich in einer gigantischen Irrenanstalt und wenn ja, wann kommen die Medikamente?“ wird von ihm mit treffsicherer Komik entlarvt. In seinem brandneuen Soloprogramm präsentiert Profitlich die wirksamste Glückspille der Welt: sich selbst.



„Menschen werden benutzt und Dinge werden geliebt“. Der Comedian zitiert die weisen Worte des Dalai Lama. Das war der philosophische Teil des Programms. Denn schon schweift Markus Maria Profitlich unter die Gürtellinie ab und berichtet über Anal-Bleaching, auch Albino-Anus und Einparkhilfe für Arschlöcher genannt. Dann sind wieder die Geschmacksnerven dran in Form von Smoothies, die in seiner Familie der Hit sind. Er selbst bevorzugt Kotelett-, Ahle Wurscht- und Hopfen und Malz-Smoothies. Mit Vegetariern oder gar Veganern kann der Comedian nichts anfangen. Wenn er bei den Spezies eingeladen wird, hat er immer Frikadellen im schmalen Tupperdöschen in der Jackentasche dabei, sozusagen ein Flachmann für Fleischesser.  

Den heutigen Lebensmittel- und Ernährungswahnsinn erläutert er als Gastgeber am Geburtstag seiner Tochter. Es ist schwer, die jungen Gäste zu bewirten. Die eine darf kein Weizen essen, die andere nur Früchte, die vom Baum gefallen sind, dann sind auch noch Mädels mit Glutenunverträglichkeit dabei, zugegebenermaßen eine „beschissene Krankheit“. Markus Maria Profitlich zeigt Größe, indem er seine eigene diagnostizierte Erkrankung Morbus Parkinson thematisiert. Der will er noch ein Programm widmen. „Alles außer Mikado“ oder „Schütteln vor Lachen“ wären passende Titel.

Geschüttelt vor Lachen hat sich sein Publikum, als er nach bester Manier frei nach dem Motto: Als die Bilder laufen lernten“ mit facettenreicher Mimik und Gestik den Freizeitsportler mimt, den „verrückten Angler“ Würmer schlucken lässt und als Fahrgast im ICE brunzend auf der Toilette eingeschlossen ist. Schon vorher hatte er seine Zuschauer gewarnt, dass es noch genug zu sehen gibt. Dass es sein nackter Hintern ist, hat niemand erwartet. Die Themenvielfalt reicht von seinem Onkel Hubert, der die Amazon-Alexa zu Höchstleistungen animiert, bis schließlich Marianne und Michael in Polen einmarschieren und das auch noch nackt. Huberts Besuch beim Urologen wird zum großen Spaß. „Sie kriegen ihre Vorhaut nicht mehr zurück? Sowas verleiht man ja auch nicht!“ wundert sich sein Sitznachbar im Wartezimmer. Tiere wie der furchtbar hässliche Truthahn, ertrinkende Kühe, Pferde, die nicht kotzen können und Tiere in seiner schönsten Form, genannt Gulasch, erweitern die Themenvielfalt. Ein Höhepunkt ist dabei Profitlichs „Ode an die Eintagsfliege“.

Auch wenn es einige Schließmuskel zu viel und einige der gespielten Witze nach der Pause schon bekannt sind, bringt Markus Maria Profitlich auf seine unnachahmliche Art mit Einsatz seines ganzen Körpers den ganzen Saal zum Lachen. Aber er hat auch das Mitleid auf seiner Seite, denn er ist als verheirateter Mann mit zwei Töchtern nicht mehr der Mann, der er einmal war. „Vorher war ich ein richtiger Mann“ betont er und macht aus seiner Abneigung gegen Männer, die einen zusammengeknoteten Dutt in Form eines Hundekotbeutels auf dem Kopf tragen, keinen Hehl. Das begeisterte Publikum forderte natürlich eine Zugabe ein und die bekam es auch. Diese zwei Stunden waren Balsam für die Seele und ein Angriff auf die Lachmuskeln zugleich. Aber damit musste gerechnet werden. Markus Maria Profitlich ist immer wieder ein gern gesehener Gast in Ellis Saal und er kommt auch immer wieder gern nach Weiterode wegen dem überaus herzlichen Team und der leckeren Ahlen Wurscht. Am Samstag füllte er mit einer zweiten Vorstellung erneut Ellis Saal. (Gudrun Schmidl) +++


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