"Harstall-Brunnen" am Gemüsemarkt eingeweiht

75 Jahre nach dem ersten großen Bombenangriff: Bewegende Gedenkfeier

Der Gemüsemarkt nach der Bombardierung am 11. September 1944
Fotos: Stadtarchiv Fulda / Jonas Wenzel (Yowe)

12.09.2019 / FULDA - Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Und so sind die historischen Aufnahmen aus dem Stadtarchiv beklemmende Zeugnisse davon, wie es in Fulda nach dem ersten großen Bombenangriff am 11. September 1944 aussah. 106 Kampfbomber flogen damals über die Stadt, die Innenstadt glich danach einem Trümmerfeld, und allein an diesem Tag kamen wenigstens 352 Menschen ums Leben. Bis zum Kriegsende waren es 1.600.

Bereits seit 1954 gibt es einen städtischen Beschluss, wonach stets zum Jahrestag des Bombardements eine Gedenkfeier stattfinden soll - zumindest solange es noch Zeitzeugen gibt. Diese findet alljährlich auf dem Gemüsemarkt statt, der damals selbst völlig verwüstet wurde. Am Mittwochmittag nun fanden sich erneut zahlreiche Bürgerinnen und Bürger ein, um der Opfer von 1944 zu gedenken. Initiiert wurde die Veranstaltung von den Familien Jupp Hahner sowie Michael Mott mit Unterstützung der Kirchen und der Stadt Fulda.

Zum 1275-jährigen Stadtjubiläum müsse man sich auch mit den dunklen Kapiteln der Geschichte befassen, um das Hier und Jetzt und die Zukunft richtig zu gestalten", sagte OB Dr. Heiko Wingenfeld. "So eine lange Phase des Friedens gab es in der Fuldaer Historie noch nie wie in den letzten 74 Jahren. Das ist aber keine Selbstverständlichkeit, sondern ein großes Geschenk. Wir sind alle gefragt, uns für Frieden Freiheit und Völkerverständigung einzusetzen."

Einen sehr nachdenklich stimmenden Zeitzeugenbericht von der "größten Katastrophe in der Geschichte der Stadt" lieferte Stadtältester Reinhold Schäfer, der den Bombenangriff als Achtjähriger erlebt hat. "Diese Bilder bleiben ein Leben lang erhalten", sagte er und schloss mit den Worten: "Am 11. September 1944 bin ich ein zweites Mal geboren worden."

Zur würdigen Gedenkfeier steuerte Günther Elm ein selbstverfasstes Gedicht zum Thema bei. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Jugend-Blasorchester des Marianums unter Leitung von Karl-Heinz Vogel. Gebete, Fürbitten und Segen sprachen Innenstadtpfarrer Stefan Buß und Dekan Bengt Seeberg aus.

Offizielle Namensgebung für den "Harstall-Brunnen"

Weil ausgerechnet der "Harstall-Brunnen" am Gemüsemarkt, der im Volksmund schon ewig so heißt, vom Bombenangriff verschont blieb, gilt er als eine Art "mahnender, in den Himmel zeigenden Finger", wie OB Wingenfeld sagte. Der Brunnen wurde der Bürgerschaft vom letzten Fürstbischof Adalbert III. von Harstall (Regierungszeit 1789-1802) im Jahr 1792 "gesponsert". Und da Harstalls Name bislang noch nirgendwo in der Stadt auftauchte - etwa als Straßenname -, wurde der Brunnen nun auch offiziell so benannt. Die Segnung nahm Weihbischof Karlheinz Diez vor. Jupp Hahner ließ die Korken knallen. (Matthias Witzel) +++