Projekte in Entwicklungsländern

Erstes klimaneutrales Hotel der hessischen Rhön: CO2-Zertifikate als Ausgleich

Inhaberin Anja Lindner
Fotos: Marius Auth

10.09.2019 / DIPPERZ - Das Biohotel LindenGut in Dipperz geht beim Thema Nachhaltigkeit einen Schritt weiter: Eine umfangreiche Datenerhebung bringt Aufschluss über den CO2-Fußabdruck von Gästen, Mitarbeitern und Gebäuden. Was nicht eingespart werden kann, wird über CO2-Zertifikate an humanitäre Projekte ausgeglichen. Viele Gäste kommen extra wegen des ganzheitlichen Konzepts in die Rhön.

10 Zimmer werden im Hotel, das seit 2015 von Anja Lindner betrieben wird, vorgehalten. Fernseher gibt es nicht, nachts wird das WLAN ausgeschaltet. "Wir haben auch elektrosensible Gäste, die kommen am Wochenende aus Frankfurt, um mal wieder durchschlafen zu können. Hier im Biosphärenreservat haben wir so schöne Natur, da will man im Einklang damit leben." Bio-regionaler Anbau, eigene Strom- und Wasserversorgung und Pflanzenkläranlage waren Lindner nicht genug. "Wir haben uns deswegen an eine Nachhaltigkeitsberatungsgesellschaft gewandt, um Einsparpotenziale zu finden. Da fließen dann Dinge in die Klimabilanz ein, da denkt man erst mal nicht dran: Mit welchen Fahrzeugen kommen Gäste und Mitarbeiter? Werden Großgebinde verwendet? Wie wird gewaschen, welche Reinigungsmittel werden verwendet? Und wenn man das alles zusammenimmt und beherzigt, ist der ökologische Fußabdruck sehr viel kleiner. Wenn Sie auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs sind, verbrauchen Sie am Tag 500 Kilogramm CO2. In einem konventionellen Hotel sind es 250 Kilogramm. In einem Bio-Hotel, deren Verband wir angehören, dürfen es nicht mehr als 40 Kilogramm CO2 pro Tag und Gast sein. Wir sind jetzt bei 11 Kilogramm pro Gast und Tag. Aber irgendwo ist ein Limit: Wir haben neue Duschsysteme installiert, die nochmal 75 Prozent Wasser einsparen. Das Shampoo muss man trotzdem immer noch aus den Haaren bekommen", erklärt Lindner.

Um die Klimabilanz auf Null zu bringen, bietet die Nachhaltigkeitsberatungsgesellschaft "Fokus Zukunft", welche die Bilanz ermittelt, auch Klimaschutzzertifikate an, pro Tonne überschüssiges CO2 wird ein Preis gezahlt, der Erlös geht an humanitäre Projekte: "Natürlich kann man sagen: 'Die kaufen sich frei', aber manche Dinge, zum Beispiel die Anreise der Gäste, wird man nicht wirklich regulieren können. Wir haben zwar einige Gäste, die genau aus diesem Grund zu uns kommen, aber auch viele normale Touristen. Klimaschutz ist durch Greta Thunberg und die Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung nicht nur im Bewusstsein der Menschen angekommen, viele sind auch bereit, etwas dafür zu tun. Aber das hat eben auch seine Grenzen." Ein Waldprojekt in Uruguay, ein Wasserprojekt in Mali und effiziente Kochöfen in Kenia gegen die Armut standen als Kompensation zur Auswahl, Lindner hat sich für die Kochöfen entschieden: "Sichere Wassertechnologie hilft, das Risiko von Krankheiten zu minimieren und eine gesunde Ernährung zu ermöglichen. Die Projekte finden in Entwicklungs- und Schwellenländern statt, die vom Klimawandel am stärksten betroffen sind. Durch die Zertifikate können wir wenigstens einen geringen Beitrag leisten."

Als erstes klimaneutrales Hotel in der hessischen Rhön hat das "LindenGut" die Latte hoch gelegt, aber auch kleine Dinge können helfen, meint Lindner: "Wir sind im Biosphärenreservat, da steckt das 'bio' schon im Namen. In der Rhön ist mehr Tourismus gewünscht, glücklicherweise inzwischen auch nachhaltig. Das könnte noch stärker im Tourismuskonzept verankert werden. Es muss auch nicht jeder gleich Ökostrom nutzen. Frosch-Reiniger statt Domestos wäre schon ein Anfang." (mau) +++