Tann oder Hilders?

Im Vergleich: Welche Gemeinde hat mehr Potential?

Hübsch dekoriertes Haus in der Gemeinde Hilders
Fotos: Miriam Rommel

12.09.2019 / TANN/HILDERS - Leerstände in den Zentren, Überalterung der Bevölkerung, eine schwierige Infrastruktur und ausbleibende Touristen: Rhöngemeinden haben es mittlerweile nicht einfach. OSTHESSEN|NEWS hat sich in Gersfeld, Poppenhausen, Tann und Hilders umgesehen.

„Schön dass Sie sich für Hilders interessieren“, begrüßt die Gemeinde mit rund 4.700 Einwohnern ihre Homepage-Besucher. Schnell wird deutlich, Hilders setzt ganz auf den Tourismus: Das Freizeitangebot ist vielseitig und reicht von Kulturveranstaltungen, Kunstausstellungen über Fliegenfischen in der Ulster, Minigolf und Kegeln bis zum Modellfliegen. 85.000 Übernachtungen zählte der Ort allein im Jahr 2018, Tendenz steigend. Mit regionalen Märkten wie dem Michaelismarkt am 21. September oder dem traditionellen Viehabtrieb am 22. September in Simmershausen wollen die Verantwortlichen noch mehr Gäste in die Region locken. Damit diese auch bleiben und bestenfalls gerne wiederkommen, hat sich die Gemeinde einiges einfallen lassen. „Wir bieten beispielsweise unseren Wanderbus an“, erklärt Christoph Neubauer, Leiter der Tourist-Information. „Von Montag bis Mittwoch bringt der unsere Gäste zu tollen Plätzen wie der Milseburg, dem Schwarzen Moor oder der Wasserkuppe.“ Schöne Wanderwege gibt es aber auch rund um die Kerngemeinde reichlich. Ähnlich wie Gersfeld und Poppenhausen ist Hilders besonders für sportlich Begeisterte zu empfehlen. Über den Milseburgradweg kann man herrliche Touren mit dem Fahrrad unternehmen, im Winter die gespurten Ski-Loipen oder den Skilift am Buchschirm nutzen.

Aber auch Abseits der Bemühungen um Übernachtungsgäste ist die Gemeinde durchaus aktiv: Zustehende Fördermittel wurden beantragt und Nutzen bringend eingesetzt, die Infrastruktur, etwa mit dem Bau der Einkaufsmärkte Rewe, DM-Markt und Lidl, zukunftsfähig gestärkt. Vereinzelte Leerstände im Ortskern fallen nicht ins Gewicht, erwähnenswert sind vielmehr die kleinen Geschäfte, die zum Stöbern einladen. Ein weiterer Pluspunkt der Gemeinde: Grundschule, Sonderschule, Realschule, Gymnasium - in kaum einer anderen Gemeinde mit vergleichbarer Größe gibt es derart viele Schulformen.

„Tann /Rhön, grenzenlos schön“: Auf der Homepage der Stadt wirbt man mit Ruhe und Erholung. Diese bekommt man sicher, denn im Vergleich zu den anderen Rhöngemeinden gibt es hier wesentlich weniger zu Erleben. Das empfinden offenbar auch die Touristen: Nur rund 30.000 Übernachtungen konnte man im vergangenen Jahr verzeichnen.

Sehenswert sind die imposante Stadtkirche sowie das Museumsdorf. Das Tanner Schloss kann, bis auf den Ahnensaal, leider nicht besichtigt werden. Stadtführungen sowie Wandertouren werden auch hier angeboten, ein unbestrittenes Highlight sind nach wie vor die Märkte, die mehrmals im Jahr stattfinden.

Was in Tann jedoch jedem, der das kleine Städtchen besucht, sofort ins Auge sticht, sind die vielen leerstehenden Geschäfte und die vergleichbar ungepflegten Straßen in der Innenstadt. Bürgermeister Mario Dänner äußert sich wie folgt: „Mittlerweile haben nahezu alle Kommunen und sogar größere Städte mit Geschäftsleerständen zu kämpfen. Die Ursachen hierfür liegen vor allen Dingen im veränderten Verbraucherverhalten und Nachfolgeproblematiken. Der Mangel an Fachpersonal tut sein Übriges. Dies ist ein bekanntes Problem. Im Vergleich zu vielen anderen Kommunen können in Tann aber immer noch alle Produkte des täglichen Bedarfs erworben werden. Sogar einen richtigen Bäcker, mehrere Metzgereien und einen Blumenladen haben wir seit kurzem wieder.“

Um die Innenstadt wiederzubeleben, arbeite man nun intensiv mit einem Planungsbüro und dem Verein Tann Aktiv daran, ein städtebauliches Entwicklungskonzept auf den Weg zu bringen. Dies sei eine wesentliche Grundlage für die Akquirierung von Fördermitteln, die die Stadt für städtebauliche Maßnahmen dringend benötige. „Damit wollen wir Maßnahmen durchführen und unter anderem den Geschäftsleerständen in der Kernstadt begegnen.“

Selbst im Schulvergleich liegt Tann hinten. Während Hilders, Gersfeld und Poppenhausen mehrere Schulformen anbieten, existiert in Tann seit ein paar Jahren nur noch der Grundschulzweig.

Es ist schade: Einst eine Vorzeigekleinstadt, hätte Tann auch heute noch aufgrund baulicher und geschichtlicher Gegebenheiten sicherlich viel Potential. So liegt es im direkten Vergleich mit den anderen drei Rhöngemeinden mittlerweile auf dem letzten Platz. (mr) +++