Brüder Justin und Tyler Shores

Aus Schlitz in den Handball-Nachwuchs der USA

Schlitzer Handballer im Trikot der USA: Justin (l.) und Tyler Shores wurden für Juniorenteams der Vereinigten Staaten nominiert.
Foto: Franziska Schaub

31.07.2019 / SCHLITZ - Vor zwei Jahren beginnt im kleinen Städtchen Schlitz eine Geschichte, die man heute gut und gerne als Abenteuer bezeichnen kann. Die Brüder Justin (20) und Tyler (18) Shores, die bereits seit Jahren für die Handballer der TSG Schlitz auflaufen, bekommen eine Chance, die sich nur wenigen bietet: Sie werden in die amerikanische Jugendnationalmannschaft aufgenommen.



Seit dem frühen Kindesalter schon sind Justin und Tyler begeisterte Handballer. Dass den beiden die Ehre zukommt, für Amerika aufzulaufen, haben sie, ebenso wie die amerikanische Staatsangehörigkeit, ihrem Vater zu verdanken. Über einen Arbeitskollegen erfährt Scott Shores von der amerikanischen Initiative, den Handballsport auch in Übersee populärer zu machen, sowie der internationalen Suche nach amerikanischen Handballern mit Erfahrung.

Die Kontaktaufnahme aus dem osthessischen Schlitz ist zwar erfolgreich, das gewünschte Probetraining jedoch ein wenig schwierig umzusetzen. Also filmt der Vater seine Söhne bei ihren Spielen, schickt das Material nach Amerika und tatsächlich lässt die Zusage nicht lange auf sich warten. Im April 2017 reisen die Brüder erstmals zum Trainingslager nach Chile, um in der darauffolgenden Woche an der „Youth Pan American Men’s Handball Championship“ teilzunehmen.

U21-WM ohne Schlitzer Beteiligung

Um diese Reise zu verwirklichen, werden die beiden vom Unterricht befreit. „Es wurde wirklich super aufgenommen“, erzählt Justin Shores über die schulische Unterstützung ihrer sportlichen Aktivitäten. Es folgt ein Jahr Pause, bevor man 2018 zum Qualifikationsturnier in Chicago antrit. Justin mit der Junior-Mannschaft und Tyler mit dem Youth-Team, das mit den deutschen U21- und U19-Nationalmannschaften vergleichbar ist. Jedes Mal, wenn die Mannschaften zusammenkommen, verbringen sie jeden einzelnen Tag zusammen, die, genau wie die Kleidungsvorschriften zur Repräsentation Amerikas, genaustens geplant sind.

Die Zeit, die man hat, wird schließlich effektiv genutzt und der Kontakt zu den Teamkollegen aus Schweden, Bosnien, Amerika oder Deutschland in der langen Zwischenzeit über die sozialen Medien aufrechterhalten. Anfang 2019 fliegt Justin zum Trainingslager im Kosovo, welches Tyler aufgrund seiner Abitur-Prüfungen absagen muss. Dieser Tage läuft die Junioren-WM in Spanien allerdings ohne die beiden Schlitzer Handballer, denn die USA verpasste die Qualifikation. Ein wenig Enttäuschung verspüren sie natürlich, dass es nur für die Plätze auf der Nachrücker-Liste gereicht hat.

Während Tyler in der U21 im nächsten Jahr noch einmal sein Glück versuchen wird, sieht Justin für sich wenige Optionen. „Ich gehöre dann zur Männermannschaft. Da existiert natürlich ein viel größerer Kader und die Chancen sind gering“, weiß er und Tyler ist unsicher, inwieweit die Auslandsreisen mit seinem Studium vereinbar sein werden. Mit ihrem Heimatverein hingegen werden die beiden Brüder ab dieser Saison nach dem unverhofften Aufstieg in der Bezirksoberliga antreten.

Zukunft im US-Team offen

„Der Zusammenhalt ist gut und die Trainingsbeteiligung ist gestiegen“, verrät Tyler über die  Vorbereitung. Mit ihrem neuen Trainer Markus Gerhardt wollen sie die Klasse nicht nur halten, sondern gerne im Mittelfeld mitspielen. Inwieweit sie selbst ihre Mannschaft unterstützen können, ist zunächst unklar. Während für Tyler noch nicht feststeht, wo ihn das Bauingenieur-Studium ab Oktober hinführen wird, kennt Justin die Herausforderung, sein duales Studium in Köln und die Schichtarbeit in Frankfurt mit den Trainingszeiten zuhause miteinander zu vereinbaren.

Für die Zukunft wissen die beiden, was sie wollen: fit bleiben und den Spaß am Handball, der für sie nach wie vor ein Hobby ist, nicht verlieren. Ob das Abenteuer Amerika für Justin und Tyler Shores weitergeht, ist zum jetzigen Zeitpunkt ungewiss. Aber selbst, wenn diese Reise zu Ende sein sollte: Es bleibt die Freude und der Stolz über außergewöhnliche Erinnerungen, die den Brüdern niemand mehr nehmen kann. (Franziska Schaub) +++

Weil der Vater aus den USA stammt, war eine Nominierung möglich.

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